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Therapeuten mit vier Pfoten

Brauneberg. Sechs Familien mit Bundeswehrangehörigen aus ganz Deutschland haben mit ausgebildeten Therapietieren eine Woche an der Mosel verbracht. Ziel war es, nach belastenden Erfahrungen in Auslandseinsätzen wieder zueinander zu finden. Ursula Quickert

Brauneberg. "Einfach mal rauskommen aus dem Alltag, lachen und ich selbst sein": So beschreibt ein Soldat die Zeit mit seiner Familie in Brauneberg. Was so alltäglich klingt, ist Männern wie ihm keineswegs selbstverständlich. Denn hinter ihm liegt ein Auslandseinsatz, der Spuren hinterlassen hat.
Vielen Soldaten fällt es schwer, all das Erlebte zu verarbeiten und mit ihren Partner und Kindern über das zu sprechen, was vom Alltag in Deutschland so weit entfernt scheint, erklärt Tabea Vorwergk.
Vorwergk engagiert sich bei der Evangelischen Arbeitsgemeinschaft für Soldatenbetreuung. Die Berliner Einrichtung hat gemeinsam mit dem Evangelischen Militärpfarramt Hamburg eine Familienwoche in Brauneberg organisiert.
Kernproblem Kommunikation


Das Motto lautete "Wir sitzen alle in einem Boot". Denn schließlich betreffe das Problem sehr viele Familien. In der Woche ging es darum, wieder miteinander ins Gespräch zu kommen, das Schweigen und das Unverständnis zu überwinden. Die Situation sei auch für die Partner belastend, die schon während des Auslandseinsatzes in der Familie viel abfangen müssten - und zudem von der Sorge geplagt sind, ob ihr Mann oder ihre Frau gesund nach Hause zurückkehrt.
Sechs Familien mit insgesamt neun Kindern nahmen an der Familienwoche teil, die von Militärdekan Michael Rohde und Oberfeldarzt Tina Bartenbach vom Bundeswehrkrankenhaus Hamburg begleitet wurde. In jeder der Familien, die aus ganz Deutschland kamen, war mindestens ein Mitglied ein- oder mehrmals im Auslandseinsatz. Unterstützt wurden sie von den tierischen Therapeuten der Brauneberger Naturakademie "DogTher". Die bietet unter anderem Therapiebegleitung und Pädagogik mit Tieren an, hilft Menschen, ihre sozialen und emotionalen Fähigkeiten neu zu erarbeiten, erklärt Sozialpädagoge Gerd Thiel. Dazu zählen beispielsweise auch Missbrauchsopfer.
Pilotprojekt im Land



Gemeinsam mit Therapeutin Alexandra Rex hat Thiel das Programm für die Soldatenfamilien erarbeitet. Es sei ein Pilotprojekt in Deutschland. Die Hunde sollten den Menschen helfen, sich zu öffnen und wieder Nähe zuzulassen. "Sie dienen für die Paare als Brücke", sagt Thiel.
Jenseits dieses Angebots erkundeten die Familien die Umgebung bei Spaziergängen, auf dem Schiff und auf der Sommerrodelbahn. "Ich bin dankbar, dass ich hier einmal die Ruhe und die Möglichkeiten habe, mit meinem Partner über unsere Schwierigkeiten zu sprechen", sagte eine der Ehefrauen gegenüber den Organisatoren. Alle Teilnehmer bleiben anonym, auch ihre Herkunft ist geheim, die Presse darf weder vor Ort dabei sein noch mit den Familien sprechen.
Die Bewertungsbögen zeigen, wie Vorwergk berichtet, eine positive Resonanz. Es sei daher sehr wahrscheinlich, dass die Familienwoche an der Mosel erneut angeboten wird.