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"tz" auf Bernkastel-Tour

Helmut Theis kennt seine Heimatstadt wie seine Westentasche und liebt die vielen kleinen Ecken und romantischen Plätze. Foto: Marita Blahak
Helmut Theis kennt seine Heimatstadt wie seine Westentasche und liebt die vielen kleinen Ecken und romantischen Plätze. Foto: Marita Blahak
BERNKASTEL-KUES. Wenn der Bernkasteler Helmut Theis, besser bekannt als "tz", sich auf einen Rundgang durch sein Altbernkastel macht, dann hat der eingefleischte "Bärekessler" viel zu zeigen und zu erzählen. Er liebt seine Heimatstadt und kennt sie wie seine Westentasche. ARRAY(0x146fb190)

"Hier war früher..." - so fangen viele Sätze an, wenn man sich mit Helmut Theis alias "tz" auf einen Erkundungsgang durch Bernkastel macht. Dass der vitale Mann sein Städtchen liebt und sich an allen Ecken und in allen Gassen bestens auskennt, spürt der Begleiter sofort. Und dass "der Mosel" zu seinem täglichen "gesundmachenden" Lieblingsgetränk gehört (denn was einem Kurfürsten guttat, kann einem Normalsterblichen doch ebenso recht sein), versteht sich von selbst. "Wein, Weib und Gesang" - dieser Dreiklang ist Musik in den Ohren des junggebliebenen 80-jährigen, der als Ortskenner und -liebhaber seine Stadt seit vielen Jahren als Stadtführer den Gästen "schmackhaft" macht. Geboren wurde Theis am 21. Februar 1926, vier Tage vor dem legendären "Sturm auf das Finanzamt". "An dieses Ereignis kann ich mich aber nicht mehr erinnern", lacht Theis. Aber dass er als Kind mit seinen Kumpanen nach längerer Trockenperiode das Bachgewölbe des Tiefenbaches hinauf bis in die Vorstadt gelaufen ist, davon weiß er noch lebendig zu berichten. Warum hieß die Karlstraße früher Kordelgaß? "Das hatte zu tun mit einer ehemaligen Seilerei, wo jede Menge dicke und dünne Taue gedreht wurden". Es sind die vielen Kleinigkeiten, die den Liebreiz der Stadt ausmachen, betont "tz". So hält er auch seine Stadtführungen nicht nach Zahlen, sondern Geschichten und Anekdötchen. Warum heißt die Stelle im Kallenfels, wo bis Kriegsbeginn die Waschtröge standen, heute noch "gauderelle"? Theis vermutet, dass der Name auf den Baumeister hinweist, der die Trierer Napoleonsbrücke gebaut hat. Theis' Wohnhaus in der Graacher Straße, das im Innern prall gefüllt ist mit Fotografiertem und Gedrucktem über seine Heimatstadt, war früher der linke Teil des ehemaligen Hotels "Zur Traube", in dem 1848 die Revolutionäre getagt haben. "Und hier war einst das Lichtspielhaus", deutet Theis hinunter in die enge Hebegasse und kramt einen Kinospielplan von 1920 hervor. "Beim Hochwasser 1970 saßen wir im Bereich des Karlsbader Platzes gemütlich auf Stühlen an Tischen im Wasser und haben gesoffen - aber natürlich kein Wasser", schmunzelt "tz". Sein liebster Platz war jahrelang die Lay oberhalb der Josefskapelle in den Weinbergen. Den einzigartigen Blick auf Bernkastel-Kues und die Rebenlandschaft hat er in einem fotografischen Jahreslauf festgehalten. "Hier kann ich prima meinen Vorwitz stillen"

Heute hält sich der leutselige Mann lieber im belebten Stadtbereich auf und trifft überall auf Bekannte, Einheimische und Gäste an den vielen romantischen Plätzen, die zur Plauderstunde einladen. "Neuerdings gehört zu meinen Lieblingsplätzen auch der Karlsbader Platz, gibt Theis gerne zu. Anfangs war der Bernkasteler gegen den Abriss des Fachwerkhauses Hettgen, "aber nach der Neugestaltung des Platzes bin ich begeistert". Wenn Theis mal gerade keinen Gästen die Schönheiten seiner Stadt zeigt, dann schlendert er selbst gemütlich durch sein Bernkastel zum Marktplatz: "Hier kann ich prima meinen Vorwitz stillen". Sagt's und steuert die "Gute Stube" Bernkastels mit zügigem Schritt an.