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Unbekannte zerschneiden Reben: Neumagen-Dhroner Winzer wehrt sich gegen Gerücht – Verfahren eingestellt

FOTO: Klaus Kimmling
Neumagen-Dhron. Ob es jemals Klarheit gibt, wer im Herzwingert in Neumagen-Dhron mehr als 500 Reben abgeschnitten hat, ist offen. Der von einem Zeugen belastete Rudolf Lemmermeyer fürchtet dennoch um seinen guten Ruf. Clemens Beckmann

"Das ist wie ein Stich ins Herz" - Die Überschrift und der dazugehörende Text im TV sorgten im März für viel Gesprächsstoff in der Region. Unbekannte hatten im sogenannten Herzwingert, den zwei Neumagen-Dhroner Winzer gepachtet haben und gemeinsam bewirtschaften, mehr als 500 Reben zerschnitten. Die beiden erstatteten Anzeige. Einige Wochen später meldete sich ein Zeuge. Er habe, so die Polizei, im Tatzeitraum zwischen dem 15. und 22. März einen Mann in dem geschädigten Weinberg gesehen. Allerdings, so stellte es der zuständige Beamte klar, nicht beim Durchschneiden von Reben. Kurz darauf wusste offenbar jeder im Ort und darüber hinaus wen der Zeuge gesehen haben wollte: Rudolf Lemmermeyer, Winzer, Mitglied des Ortsgemeinderates und auch sonst noch in einigen Funktionen tätig. Das Verfahren ist mittlerweile eingestellt (siehe Extra). Lemmermeyer hat sich aber an den TV gewandt. Er habe mit der Tat nichts zu tun, sagt er. Das wolle er der Öffentlichkeit mitteilen. Über die Geschichte werde immer noch geredet. Er selbst sei im Ort und in der Region bekannt und fürchte um seinen Ruf.

Lemmermeyer glaubt an eine Intrige, spricht von "Missgunst und Neid". Der Zeuge habe angegeben, ihn um die Mittagszeit gesehen zu haben, wie er von der Weinbergsmauer auf die B53 gesprungen sei. "Ich war noch nie in dem Wingert, was soll ich dort", sagt der 65-Jährige.

Es glaube doch wohl niemand ernsthaft, dass er an der viel befahrenen Strecke zwischen der Brücke und Trittenheim tagsüber und über Stunden Reben abschneide. Denn genau wie die geschädigten Winzer glaubt er, dass dort bei der Menge an Stöcken jemand mehrere Stunden lang sein Unwesen getrieben haben muss. Er habe nach der Aussage des Zeugen nächtelang nicht geschlafen und sich sogar Hilfe beim Pastor geholt.

Eine Pikanterie weist die Geschichte auf. Einer der geschädigten Winzer ist Reinhard Philipps, der auch im Gemeinderat sitzt. Er und Lemmermeyer besitzen Anhänger, um Gäste durch die Weinberge zu fahren. Zehn Jahre lang, so Lemmermeyer, hätten sie das gemeinsam gemacht. Das habe immer gut geklappt. Als sein Name im Zusammenhang mit der Tat öffentlich geworden sei, habe Philipps die Zusammenarbeit aufgekündigt. Das sei richtig, sagt der.

Bei einem zufälligen Treffen auf der Straße habe ihn Lemmermeyer nach dem Grund gefragt. "Was hast Du in meinem Wingert gemacht", habe er geantwortet. Er sei nicht drin gewesen, habe sein Gegenüber gesagt. "Du bist aber gesehen worden, habe ich dann geantwortet", gibt Philipps das Geschehen wieder.

Er habe aber nicht gesagt, dass Lemmermeyer die Reben abgeschnitten habe. Und er habe auch mit offenem Mund da gestanden, als ihm erzählt worden sei, dass der beschuldigt werde. Mehr will Philipps zu dem Geschehen nicht mehr sagen.
Er habe nichts mit der Tat zu tun, beteuert Lemmermeyer auch am Schluss des Gesprächs. "Als ich davon hörte, habe ich gesagt: Man sollte dem Täter die Hände abschneiden."

EXTRA

Nach Auskunft von Peter Fritzen, Leitender Oberstaatsanwalt bei der Staatsanwaltschaft Trier, hatte der Zeuge angegeben, Lemmermeyer während des Tatzeitraumes in dem Weinberg gesehen zu haben. Der Winzer habe dies bestritten und seinerseits wegen falscher Verdächtigung Anzeige gegen den Zeugen erstattet.
"Objektive Beweismittel konnten im Rahmen der von der Polizeiinspektion Bernkastel-Kues durchgeführten Ermittlungen nicht gefunden werden, sodass sich letztlich nicht mit hinreichender Sicherheit feststellen ließ, welche der beiden Sachverhaltsschilderungen der Wahrheit entsprach", sagt Fritzen. Deshalb seien beide Verfahren eingestellt worden. cb