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Variationen auf das Bonanza-Thema

Dr. Peter Nocon (links) und Christian Krug (rechts) von der Uni Münster debattieren mit Erwin Müller, Föhren, dem Autor Thomas Jeier und der Amerikanerin Liz Tanner (von links) sowie zwei Dutzend weiteren Mitgliedern über Western-Literatur.Foto: Ursula Schmieder
Dr. Peter Nocon (links) und Christian Krug (rechts) von der Uni Münster debattieren mit Erwin Müller, Föhren, dem Autor Thomas Jeier und der Amerikanerin Liz Tanner (von links) sowie zwei Dutzend weiteren Mitgliedern über Western-Literatur.Foto: Ursula Schmieder
TRABEN-TRARBACH. "Die deutsche Gesellschaft zum Studium des Westerns" tagte in Traben-Trarbach. Cowboys & Co suchte man bei dieser wissenschaftlichen Veranstaltung allerdings vergebens. Von unserer Mitarbeiterin <br>URSULA SCHMIEDER

Rund 70 Mitglieder zählt die "Die deutsche Gesellschaft zum Studium des Westerns e.V." - "The german association for the study of the western". Darunter sind neben einem Schweizer vornehmlich Deutsche und Amerikaner aus Utah, North Dakota und Texas.30 von ihnen waren der Einladung zur 14. wissenschaftlichen Jahrestagung ins Traben-Trarbacher Hotel Gonzlay gefolgt. Darunter mehrere aus den Vereinigten Staaten, die speziell zu diesem Termin angereist waren. So wie Liz Tanner und ihr Vater, Stephen Tanner, Professor der BYU, der Brighan Young Universität in Utah. Sein Fachgebiete ist Literaturgeschichte - seine Leidenschaft die Western-Literatur. Eben diese verbindet die Mitglieder über alle Entfernungen hinweg. Professor Birgit Hans, gebürtige Rheinländerin mit amerikanischer Staatsbürgerschaft, gehört ebenso dazu wie Erwin Müller aus Föhren.Plötzlich gab es nur noch gute Indianer

Alles in allem ein gemischtes Völkchen, das sich da am Englischen Seminar der Universität Münster, Westfalen, zusammen gefunden hat. Mit dabei Dr. Peter Nocon, der dort Anglistik unterrichtet. "Wir wollen nicht zu groß werden", kommentiert der Vorsitzende die seit 1989 langsam aber beständig wachsende Mitgliederzahl.Das Alter der Männer und Frauen liegt zwischen 24 und 75. Dass es sich bei der wissenschaftlichen Gesellschaft um keinen "Cowboy-Club" handelt, versteht sich von selbst. Arbeitet der Verein doch mit der Historischen Gesellschaft in Oregon ebenso zusammen wie mit der deutschen Karl May Gesellschaft.Für die Art der Studien im Dienste der literarischen Qualität führt Nocon ein Beispiel an: "Welche Art von Lyrik hat jemand abends geschrieben, der tagsüber Cowboy war?" Die Gesellschaft wolle sehen, wie sich der Mythos "the frontier", die Grenze zum Wilden Westen, zum politischen Gradmesser amerikanischer Befindlichkeit entwickelte.Literaturwissenschaftler Christian Krug spricht von der Imagination des Westens. Zur näheren Veranschaulichung führt Nocon den Revisionismus an: "In den 60er Jahren wurde plötzlich nur noch der gute Indianer genannt."Dieser Drang in der Ära von Präsident Lyndon Johnson, Unrecht wieder gut zu machen, sei einhergegangen mit der Widerstandbewegung der Schwarzen. Als erstes revisionistisches Buch nennt Nocon "Begrabt mein Herz an der Biegung des Flusses" - "das berühmteste nach wie vor!" Ebenso typisch revisionistisch sei der Film "Der mit dem Wolf tanzt". Neben Büchern sind es vor allem Zeitschriften - darunter Original-Exemplare aus dem 19. Jahrhundert - sowie Kurzgeschichten oder Gedichte, mit denen man sich beschäftigt. "Wir haben in Europa die einzige Bibliothek dieser Art", merkt Nocon an und betont, dass viele dieser Bücher auf dem Markt nicht mehr erhältlich seien.Nach Traben-Trarbach hatte die Westernfans die Suche nach einem Tagungsort geführt, der die gewünschte Ruhe bietet.Neben dem Symposium "Variationen auf das Bonanza-Thema" war die dritte Verleihung des Elmer-Kelton-Awards an den Schweizer Schriftsteller Werner Egli einer der Tagungspunkte. Die Laudatio hielt der stellvertretende Vorsitzende Thomas Jeier, der historische Romane und Jugendbücher zu indianischen Themen schreibt.