| 11:27 Uhr

Finanzen
Was einer nicht schafft, das schaffen viele

Veronika Maruhn und Francesco Russo spielen das Ehepaar Raiffesen.
Veronika Maruhn und Francesco Russo spielen das Ehepaar Raiffesen. FOTO: TV / Hans-Peter Linz
Bernkastel-Kues. Die Vereinigte Volksbank Raiffeisenbank meldet auf ihr Vertreterversammlng ein erfolgreiches Jahr und erinnert an den Gründer Friedrich Wilhelm Raiffeisen. Von Hans-Peter Linz
Hans-Peter Linz

Mit vielfältigen Aktionen wird in diesem Jahr der 200. Geburtstag von Karl Marx gefeiert – besonders natürlich in seiner Geburtstadt Trier, der die chinesische Regierung sogar ein Marx-Denkmal geschenkt hat.

Aber nicht nur Karl Marx wurde im Jahr 1818 geboren, sondern auch Friedrich Wilhelm Raiffeisen, dessen Jubiläum ein wenig im Schatten des großen „Marx-Jahres“ steht und deshalb mancherorts in Vergessenheit geraten ist. Aber nicht im Landkreis Bernkastel-Wittlich. Dort erinnerten die Vertreter der Vereinigten Volksbank Raiffeisenbank auf ihrer Vertreterversammlung in Bernkastel-Kues an den Gründer ihrer Genossenschaft. Denn auch Friedrich-Wilhelm Raiffeisen gilt, ebenso wie Marx, als Sozialreformer. Durch das von ihm erfundene System der Genossenschaftsbanken konnten viele Landwirte schlechte Ernten und den damit verbundenen Ausfall von Einnahmen durch genossenschaftlich finanzierte Kredite überbrücken.

„Marx war sicherlich der Brilliantere in der Analyse. Raiffeisen hat einfach gemacht. Er hat die Not seiner Mitmenschen gesehen. Deshalb brauchen wir uns vor Marx nicht zu verstecken. Mehr zur Linderung der Not hat mit Sicherheit Raiffeisen beigetragen und nicht Karl Marx. Das muss mal gesagt werden“, stellt deshalb auch Vorstandssprecher Michel Hoeck selbstbewusst fest.

Nach dem Bilanzpressegespräch (TV vom 21. März) muss das Geschäftsergebnis bei Genossenschaftsbanken anschließend von der Vertreterversammlung formal beschlossen werden. Zu dieser Versammlung kommen rund 250 Besucher, um sich über die Aktivitäten der VVR zu informieren.

 Und so konnte die Vereinigte Volksbank Raiffeisenbank eG Wittlich über die Gründung einer eigenen Stiftung für wohltätige Zwecke im Geschäftsgebiet, weiter steigende Mitgliederzahlen und eine positive Entwicklung im Kundengeschäft informieren.

Zuvor gab ein kurzes Theaterstück einen Einblick in die Vielfalt der Genossenschaftswelt. Zum 200. Geburtstag von Friedrich Wilhelm Raiffeisen schlüpften zwei Schauspieler, Veronika Maruhn und Francesco Russo, in die Rollen von Raiffeisen und seiner Frau Amalie. Gemeinsam werfen sie einen Blick darauf, wie Genossenschaften die gesellschaftlichen und infrastrukturellen Herausforderungen lösen – von der Baufinanzierung bis zum Breitbandanschluss. Dabei ist das Motto von Raiffeisen „Was einer nicht schafft, das schaffen viele“ immer wieder zu hören.

Der Vorstand der Vereinigten Volksbank Raiffeisenbank kann die Mitglieder in der Vertreterversammlung erneut überzeugen. Mehr als 700 Millionen Euro an Krediten wurden vor allem an die regionale Wirtschaft vergeben. Mehr als vier Millionen Euro an Steuern zahlen die Bank und ihre mehr als 200 Mitarbeiter pro Jahr. 150 000 Euro spendet die Kreditgenossenschaft jährlich zur Förderung und Unterstützung sozialer Projekte. „Die Vereinigte Volksbank Raiffeisenbank versteht sich als Teil dieser Region und ist ein wichtiger Wirtschaftsfaktor“, sagte Vorstandssprecher Michael Hoeck.

Den Mitgliedern konnte sein Vorstandskollege Peter van Moerbeeck ein weiter positives Kundengeschäft präsentieren. Dabei stieg das betreute Kundenkreditvolumen um weitere 17 Millionen Euro auf 703 Millionen Euro, das betreute Kundenvermögen um 88 Millionen Euro auf fast 1,3 Milliarden Euro.

Das gesamte betreute Kundenvolumen der Bank wuchs im vergangenen Jahr damit um 5,5 Prozent auf zwei Milliarden Euro. Auch bei den Mitgliederzahlen zeigt sich Zuspruch: Mit 21 003 Mitgliedern erreicht die Bank einen neuen Höchststand. Allein in den vergangenen fünf Jahren hat sie 3544 Mitglieder hinzugewonnen. „Das zeigt, dass die Genossenschaftsidee und die Mitgliedschaft auch nach mehr als 150 Jahren sehr aktuell sind. Wir geben damit Antworten auf die Herausforderungen der Gegenwart“, sagte Hoeck.

Unterm Strich verzeichnete die Bank im vergangenen Jahr einen Bilanzgewinn von 1,87 Millionen Euro, was sich auf dem Niveau von 2016 bewegt. 370 000 Euro werden an die Mitglieder ausgeschüttet, wie die Delegierten der Vertreterversammlung beschlossen. Das entspricht einer Dividende von 5,5 Prozent. Vorstand und Aufsichtsrat wurden anschließend einstimmig entlastet.

Bei den Wahlen zum Aufsichtsrat wurden Dietmar Daniel, Hermann Friedrich und Frank Weigelt in ihrem Amt bestätigt. Der Aufsichtsrat besteht aus insgesamt acht Mitgliedern, Vorsitzender ist Gottfried Fischer. In der anschließenden Aussprache wird vor allem eine stärkere Beteiligung von Frauen in Führungspositionen gefordert.

Eine Büste von Friedrich-Wilhelm Raiffeisen schmückt die Versammlung der Bank.
Eine Büste von Friedrich-Wilhelm Raiffeisen schmückt die Versammlung der Bank. FOTO: TV / Hans-Peter Linz