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Feuerwehr
Veldenz: Ein Feuerwehrauto auf Abwegen

FOTO: Frank Göbel / TV
Veldenz. Vier Personen entwenden den Mannschaftswagen der Veldenzer Feuerwehr und machen eine Spritztour in die Pfalz. Anschließend stellen sie das Gefährt wieder im Ortswald ab. Von Clemens Beckmann
Clemens Beckmann

Was für eine skurrile Geschichte! Vier Personen, drei Männer und eine Frau, haben in Veldenz einen Mannschaftswagen, kein Löschfahrzeug, der freiwilligen Feuerwehr entwendet und damit eine Spritztour unternommen. Diese führte das Quartett in die Westpfalz – ins etwa 70 Kilometer entfernte Selchenbach bei Kusel.

Nach Angaben der Polizei haben Spaziergänger die Insassen nebst Wagen in einem Wald bemerkt. Offenbar in gemütlicher Runde mit Alkohol und Grillgut. Die Spaziergänger wunderten sich allerdings über das Kennzeichen des Feuerwehrautos: BKS für Bernkastel-Kues.

Sie informierten die örtliche Polizei. Die wiederum setzte sich mit den Kollegen in Bernkastel-Kues in Verbindung. Und die, so Leiter Klaus Herrmann, bestätigte den Verlust des Gefährts. Das wiederum war in Selchenbach aber nicht mehr auffindbar. Stattdessen wurde es am Abend des gleichen Tages im Veldenzer Wald aufgefunden. Das hat Norbert Sproß von der Kriminalpolizei in Wittlich dem TV bestätigt. Sproß ist quasi ein Insider, denn er ist auch der Ortsbürgermeister von Veldenz.

Die Kripo ermittelt nun wegen Fahrzeugdiebstahl. Die mutmaßlichen Täter sind alle aus Veldenz. „Sie sind amtsbekannt“, sagt Sproß. Um gleich allen Spekulationen einen Riegel vorzuschieben: Es handele sich, so der Ortsbürgermeister, nicht um Flüchtlinge sondern um deutsche Staatsbürger.

Wieso sind die in die Westpfalz gefahren? „Es gibt offenbar Beziehungen dorthin“, erläutert Sproß. Und wie sind die Diebe in den vorübergehenden Besitz des Fahrzeuges gekommen. Hat vielleicht eine Tür offen gestanden? Dazu will der Polizist aus ermittlungstaktischen Gründen derzeit nichts sagen. Tatsache sei aber, dass der Schlüssel im Zündschloss steckte. Das sei, so Sproß, aber bei Feuerwehrautos die Regel.Sie müssten immer einsatzbereit sein.

Ob eine Tür offen stand oder nicht abgeschlossen war, weiß der Veldenzer Wehrführer Sascha Dansauer nicht. Das Feuerwehrhaus sei gleichzeitig auch Gemeindehaus und werde von Vereinen und Bürgern  genutzt, sagt er.  Es gebe eine Verbindungstür zwischen Gemeindehaus und Gerätehaus.

Er habe durch eine Anwohnerin davon gehört, dass das Fahrzeug fehle. „Ich habe mich dann gleich mit meinem Stellvertreter in Verbindung gesetzt und ihn gefragt, ob es in der Werkstatt sei.“ Dem sei aber nicht so gewesen. Durch einen Polizisten, der auch Feuerwehrmann ist, habe er von dem Treiben in Selchenbach erfahren.

Um dem Ganzen eine Krone aufzusetzen: Als sich Feuerwehrleute vor dem Gerätehaus berieten, kam die Nachricht, dass der Mannschaftswagen wieder in Veldenz gesichtet worden sei.

Die Wehrleute sprangen in die Autos und machten sich auf die Suche. Da war der aber schon im Wald verschwunden. Dort sei er, so Dansauer, dann wenig später oberhalb des Friedhofes gefunden worden: vorschriftsmäßig abgeschlossen.

Die Polizei ließ den Wagen abschleppen. Ob er Schäden aufweist, wusste Sascha Dansauer am Donnerstagnachmittag noch nicht.

Da machte er sich auf den Weg zur Kripo nach Wittlich. „Die Geschichte hat schon einen lustigen Beigeschmack“, sagt er, „aber es ist trotzdem ärgerlich.“