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Von Querköpfen und Quereinsteigern

Um "Querköpfe und Quereinsteiger — Die anderen Unternehmer" haben sich die Gespräche des jüngsten Forums für Führungskräfte in Himmerod gedreht. Die vorgestellten Biografien zeigten vor allem eines: Selbst im Scheitern der vorgezeichneten Lebenspläne können ungeahnte Chancen für Erfolg und Selbstverwirklichung liegen. Von unserer Mitarbeiterin Angelika Koch

Himmerod. Von der Tennis-Profispielerin und Fernseh-Moderatorin zur Chefin eines metallverarbeitenden Betriebs in Hillesheim, von der Augenoptikerin zur Dachdeckermeisterin, vom IT-Spezialisten und von der Steuergehilfin aus Frankfurt zum Inhaberpaar einer Kaffeerösterei in Daun: Die von Moderator und Unternehmensberater Ekkehard Nau eingeladenen Talk-Gäste kamen zum Himmeroder Forum ohne glatte Karrieren. Mal aus Liebe, mal wegen eines Todesfalls in der Familie und mal zur Verwirklichung eines Kindheitstraums verließen Karin Oster, Petra van Oyen sowie Heike und Hans Richartz-Hilberg die vorbestimmten Pfade. Einig waren sie sich in der Bewertung des Wagnisses, das sie mit dem Neustart in anderen Berufen und teils auch einer neuen Heimat eingingen: "Ich wäre sonst unglücklich", brachte es Heike Richartz-Hilberg auf den Punkt angesichts der Frage, wie ihr Leben verlaufen wäre ohne den "Bruch". Ihr Mann und Partner im Geschäft realisierte mit dem Aroma-Café und der Kaffeerösterei eine tiefe Sehnsucht nach Selbstständigkeit in einer Branche, die mit Genuss und Lebensmitteln zu tun hat. Petra van Oyen, die das Unternehmen "Pavoy" nach dem Tod ihres Vaters und in kritischer Marktlage übernommen hatte, beeindruckte durch ihren Mut und ihre Fähigkeiten als Führungskraft, in einem ihr völlig fachfremden Metier nun erfolgreich zu sein und den Betrieb auf Wachstumskurs zu bringen. "Das Kämpferische, was sicher dazu gehört, habe ich aus dem Sport mitgebracht", schilderte sie eine Eigenschaft, die im früheren Berufsleben als Tennisspielerin wie im jetzigen benötigt wird. Eine gewisse Kontinuität nannte auch Karin Oster: "Die Präzision, die ich mir als Augenoptikerin aneignete, kommt mir auch im Handwerk als Dachdeckermeisterin zugute." Das Fazit des Forums konnte jungen und älteren Menschen Mut machen, ihrem Lebensweg eine andere Richtung in punkto Selbstständigkeit zu geben und ihre ureigensten Talente auszuleben oder auch große überraschende Herausforderungen anzunehmen. Keiner der "Querköpfe und Quereinsteiger" hat den Schritt ins Ungewohnte bereut oder würde rückblickend darauf verzichten wollen.