| 14:35 Uhr

Sammler
Weinetiketten erzählen Geschichten - Moselaner besitzt 35.000 Exemplare

Klaus Könen mit einer Auswahl seiner Sammlung.
Klaus Könen mit einer Auswahl seiner Sammlung. FOTO: TV / Winfried Simon
Osann-Monzel. Klaus Könen aus Osann-Monzel hat über 35000 verschiedene Exemplare gesammelt. Das älteste stammt aus dem Jahr 1811. Von Winfried Simon
Winfried Simon

Klaus Könen hat sich in seinem Haus in Osann-Monzel ein kleines, gemütliches Zimmer eingerichtet. Zwei Wände sind vollgestellt mit weißen Aktenordnern, an den anderen hängen eingerahmte, zumeist bunte Grafiken. Beim näheren Betrachten erkannt man, dass es sich um Weinetiketten handelt. Eines der „Bilder“ nimmt er von der Wand und sagt mit Stolz: „Das ist mein ältestes Etikett. Es stammt aus dem Jahr 1811.“ „Rüdesheimer Berg Orleans Wein“ steht auf dem leicht vergilbten Papier. Es zeigt eine Rheinansicht ohne Dampfschiff. Die gab es damals noch nicht. Auf einem anderen Etikett steht gedruckt: „1865er Rüdesheimer Rottland Cabinett - Drei Kaiser Wein“. Könen erklärt: „Diese Etikett bezieht sich als erstes „politisches Weinetikett“ auf das Dreikaiserabkommen von 1873 zwischen den Monarchien Russland, Österreich-Ungarn und dem Deutschen Reich.“ Etiketten erzählen Geschichten, spiegeln den Zeitgeist wider und sind ein Bestandteil der Weinkultur. Rund 35 000 Stück hat er inzwischen gesammelt, alle sorgfältig in Sichtfolien geklebt, die rund 130 Ordner füllen. Die Etiketten-Sammelleidenschaft hat Könen erst so richtig vor vier Jahren gepackt. Damals machte er mit Gattin Renate in Südafrika Urlaub und entdeckte in einem Weingut ein großes Poster mit verschiedenen Weinetiketten. Zuhause recherchierte er im Internet. Schnell stieß er auf den „Deutschen Freundeskreis Weinetiketten-Sammler“. Er knüpfte Kontakte zu Vereinsmitgliedern und bereits in kurzer Zeit erhielt er Briefe und kleine Päckchen mit alten Weinetiketten. Von eine älteren Dame konnte die komplette Sammlung erwerben. „Dann habe ich so richtig losgelegt“, erinnert sich der 63-jährige Rentner. Er fuhr die Mosel ab, besuchte Winzer, holte aus einer verfallenen Kellerei-Ruine einen ganzen Koffer mit alten Etiketten und besuchte Tauschbörsen. Bis zum Jahr 2000 hatte der ehemalige Berufssoldat noch selbst einen kleinen Weinbaubetrieb im Nebenerwerb. Die Ordner sind beschriftet mit Namen von Weinbauländern von Argentinien bis Australien, von deutschen Anbaugebieten von der Ahr bis Baden und von Weinorten - hauptsächlich von der Mosel. Eine Rarität, die er zeigt, ist ein sogenanntes Türchen-Etikett, das das ehemalige Traben-Trarbacher Weingut Giselher Castendyk verwendete. Ähnlich wie bei einem Adventskalender konnte man das Papier aufklappen und dahinter Wissenswertes über den Wein lesen. Von den bekannten Lagen wie Kröver Nacktarsch oder Zeller Schwarze Katz hat er gleich mehrere Ordner voll. Es tauchen Weinlagen auf, wie der Reiler Pfefferberg oder Brauneberger Pichter, deren Namen nach dem 1971er Weingesetz verschwanden. Die meisten Etiketten stammen aus den 60er und 70er Jahren, als der Weinflaschenhandel so richtig in Fahrt kam. Unzählige Etiketten stammen von Weinbaubetrieben, die es längst nicht mehr gibt. Allein in Osann und Monzel gab es einmal um die hundert Winzer, heute sind es vielleicht noch ein Dutzend.

Mit politischer Aussage: das Etikett des „Drei Kaiser Weins“.
Mit politischer Aussage: das Etikett des „Drei Kaiser Weins“. FOTO: TV / Winfried Simon
Das älteste Etikett der Könen-Sammlung zierte einen „1811er Rüdesheimer Orleans Wein“.
Das älteste Etikett der Könen-Sammlung zierte einen „1811er Rüdesheimer Orleans Wein“. FOTO: TV / Wilbert, Bianca
Dieses Etikett erinnert an das legendäre Saufbähnchen.
Dieses Etikett erinnert an das legendäre Saufbähnchen. FOTO: TV / Wilbert, Bianca