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Weinfreunde profitieren vom neuen Wir-Gefühl

Riesenandrang: Thomas Haag (links), Winzer des Jahres, hat keine ruhige Minute. TV-Fotos (2): Clemens Beckmann
Riesenandrang: Thomas Haag (links), Winzer des Jahres, hat keine ruhige Minute. TV-Fotos (2): Clemens Beckmann FOTO: (m_mo )
Bernkastel-Kues/Lieser/Graach/Maring-Noviand. Internationales Publikum, viele junge Leute: Die Top-Winzer der Region beweisen mit der Riesling-Reise Mythos Mosel einen guten Riecher. Der Rebensaft gewinnt weiter an Anerkennung, selbst in einem Weinland wie Italien. Clemens Beckmann

Bernkastel-Kues/Lieser/Graach/Maring-Noviand. Wer ein Geburtstagsgeschenk für einen Weinfreund sucht, sollte über eine Karte für Mythos Wein im Jahr 2016 nachdenken. Und am besten gleich auch ein Bändchen für sich reservieren. Andrea Strauch aus Fulda hat ihrem Mann Axel Bosold und sich selbst schon dieses Jahr ein solches Geschenk gemacht. "Ein Traum", sagt Bosold, "wir kommen wieder, vielleicht mit mehr Leuten."
Thomas Ludwig (Thörnich) und Axel Pauly (Lieser), zwei der vier Hauptorganisatoren der Mammut-Weinprobe, stehen daneben und hören es mit Freude. Pauly ist einer von 25 Winzern zwischen Kesten und Zeltingen-Rachtig, die als Gastgeber von bis zu vier weiteren Betrieben von Mosel, Saar und Ruwer fungieren. Thomas Ludwig ist bei ihm zu Gast. Bei der Premiere im Jahr 2014 lief die Veranstaltung zwischen Thörnich und Piesport. 2016 ist die Ecke zwischen Ürzig/Erden und Pünderich dran. Danach soll das Spiel wieder von vorne beginnen.
Wer ganz flott ist, kann zwei Tage lang etwa 540 Erzeugnisse von 90 Top-Winzern der Region probieren. Fast alles, was Rang und Namen hat, ist dabei. "Eine solche Veranstaltung ist ein Muss", sagt Thomas Haag (Weingut Schloss Lieser), amtierender "Winzer des Jahres". Er kommt kaum mit dem Ausschenken nach. Der Innenhof seines Anwesens ist rappelvoll. Bis 15 Uhr sind am Samstag bereits etwa 600 Besucher gezählt. "Und das sind längst nicht alle", sagt die junge Frau, die die Strichliste führt. Haag hat sich als Gast unter anderem das Weingut von Othegraven (Kanzem) eingeladen, das Günther Jauch gehört. Der Moderator ist zwar nicht vor Ort, doch Name und Wein ziehen auch so.
Andrea Schaefer (Weingut Willi Schaefer, Graach) schätzt die Besucherzahl allein für den Samstag auf 800. Zu ihren Gästen gehört das Weingut Joh. Jos. Prüm (Wehlen), sicherlich einer der weltweit bekanntesten Betriebe.
Im nach ökologischen Richtlinien (Ecovin) arbeitenden Betrieb von Timo Dienhart (Maring-Noviand) ist Holger Breit (Piesport) einer der Gastwinzer. Er gehört keiner der großen Vereinigungen an. "Es ist schön bei solch einer Veranstaltung auf Augenhöhe mit diesen Betrieben zu sein", sagt er. Mehrfach sind solche Sätze von Winzern zu hören. Es ist ein neues Zusammengehörigkeitsgefühl entstanden.
Auffallend viele junge Leute sind unter den Gästen und auch Leute aus Ländern, die man (noch) nicht mit deutschem Wein in Verbindung bringt. Roberto Noack führt in Mailand einen Weinhandel, Massimo Picardi ein Restaurant. Beide sind begeistert. "In Italien wird sehr positiv über deutschen Wein gesprochen", sagt Noack. Das Publikum ist fachkundig. "Gleich ist Schluss", sagt Ernst Loosen (Weingut Loosen, Bernkastel-Kues), Weltreisender in Sachen Wein. "Und schauen Sie. Keiner ist betrunken, keiner krakeelt."
Gibt es denn wirklich nichts auszusetzen? Doch. Der Buspendeldienst, im Eintrittspreis (30 Euro für einen Tag, 50 für beide Tage) funktioniert nicht wie geplant. Es gibt Klagen über zu lange Wartezeiten und Busse, die nicht anhalten, um Gäste aufzunehmen. "Das darf nicht passieren, vielleicht hätten wir am Samstag einen Bus mehr einsetzen müssen", sagt Thomas Ludwig, der umgehend mit dem Busunternehmer gesprochen hat.
Ihr Zeitplan sei durcheinander gekommen", sagt Martina Fuchs (Bernkastel-Kues). "Doch es war eine super Veranstaltung. Die Probleme mit dem Bus darf man nicht auf die Weingüter umlegen", sagt sie in der Hoffnung, dass niemand abgeschreckt wird.Meinung

Kompliment an die Organisatoren
Mythos Mosel - eine Riesling-Reise: Grundsätzlich ist diese Veranstaltung mit den Tagen der offenen Weinkeller zu vergleichen. Doch es die 1a-Version. Der Gast geht nicht in einen Betrieb, um vor allem einen geselligen Tag mit Wein, Spezialitäten aus der Winzerküche und Musik zu verbringen. Er hat die Chance Gast bei der Creme de la Creme zu sein, wo das Augenmerk allein auf dem Wein liegt. Dazu gehört auch, dass viele Betriebe sich baulich verändert haben und in ihnen vielfach die junge Generation das Ruder übernommen hat. Das Wort Kult sollte nicht überstrapaziert werden. Aber Mythos Mosel hat schon nach der zweiten Auflage das Zeug dazu. Kompliment an die Organisatoren. Das Problem mit den Bussen werden sie auch noch in den Griff bekommen. c.beckmann@volksfreund.de

Zufrieden: Thomas Ludwig (links) und Axel Pauly, zwei der Organisatoren.
Zufrieden: Thomas Ludwig (links) und Axel Pauly, zwei der Organisatoren. FOTO: (m_mo )