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"Weißt du noch, damals…?"

Drei aus dem Jahrgang 1943, die das Wiedersehen genossen: Willi Kipp, Hans Schuh und Günter Scherren (von links nach rechts).Foto: Petra Geisbüsch
Drei aus dem Jahrgang 1943, die das Wiedersehen genossen: Willi Kipp, Hans Schuh und Günter Scherren (von links nach rechts).Foto: Petra Geisbüsch
GREIMERATH. Ihre Kirmes nahmen die Greimerather zum Anlass, wieder einmal Einladungen an ehemalige Bürger zu verschicken. Die feierten im Bürgerhaus ein fröhliches Wiedersehen. ARRAY(0x17536208)

"As et en oda as et en nit?" Diese Frage stellte sich Bürgermeister Walter Schuh am Wochenende häufiger in Greimerath. Manche hatten sich Jahrzehnte lang nicht gesehen. Höchste Zeit also für ein Stelldichein an der Stelle, wo man seine Kindheit verbracht, oder - wie Willi Kipp aus Diefenbach - zumindest die Schule besucht hatte. "Acht Jahre lang bin ich jeden Morgen fünf Kilometer zu Fuß gegangen und mittags dieselbe Strecke wieder zurück", erinnert sich der Mann, den es in die Nähe von Jünkerath verschlagen hat. Morgens sei er immer schwer in Eile gewesen, aber nach dem Unterricht war es egal, ob er ein bisschen langsamer unterwegs war: Zeit genug also, um hier und da ein paar Forellen aus dem Bach zu fischen. Schöne Erinnerungen hat er auch an das alljährliche Kirschenpflücken beim Herrn Pastor. Kipp ist nur einer aus dem Jahrgang 1943, der sich im Bürgerhaus wieder komplett zusammenfand. Günter Scherren, heute Einwohner von Kenn, war bereits 1958 mit den Eltern nach Trier gezogen. Obwohl er noch immer zwei-, dreimal im Jahr nach Greimerath kommt, hat er den Kipp seit 40 Jahren nicht mehr gesehen. Zwei andere Mitschüler sitzen auch am Tisch: der Hayer-Karl und der Wohner-Hansi, benannt nach den Hausnamen, die früher viel wichtiger waren als der Familiennamen eines Menschen. Wie prägend ein Lehrer sein kann, beweist besonders die Lebensgeschichte des Hayer-Karl. "Der Lehrer Haller hat uns ja damals ziemlich getriezt, was die deutsche Geografie betrifft, wisst ihr das noch?", fragt er mit unverkennbar bayrischem Einschlag in der Sprache. Besonders die deutsche Küste und sämtliche Seen habe er sie auswendig lernen lassen. Ausgewandert ist er nach einem kurzen Intermezzo in München, dann an den Starnberger See.Schwelgen in Erinnerungen

Und noch ein Greimerather des Jahrgangs 1943 ist dabei: Von Rottenburg her kam der Wohner Hans, weißbärtiger Theologe und der Bruder des Ehrenbürgers und ehemaligen Bürgermeisters Josef Schuh. Heute mal aus einem erfreulichen Anlass in Greimerath zu sein, und nicht nur im Falle des Ablebens eines Freundes oder Verwandten, gefällt auch seiner Gattin vom Bodensee. Lang sitzen sie an diesem Tag zusammen auf den selbst gestrickten Kissen des Bürgerhauses, lassen sich den unschlagbar guten, selbst gebackenen Kuchen schmecken. Sie machen einen kleinen Rundgang durch ihren Heimatort, bewundern die Dias, die Hermann Haller, Sohn des legendären Lehrers, ihnen zeigt, besichtigen die alte Schule, die sie alle verbindet. Auch Anneliese Kessel, die Einzige aus des Ehrenbürgers Jahrgang 1932, die Greimerath verlassen hat, wenn auch nur bis Platten. Hat sie Erinnerungen an Josef Schuh? "Von den Jungen war er der Schlauste in der Klasse." Organisiert hat das Wiedersehen der alten Freundinnen und Freunde hauptsächlich Werner Fries, der die fröhliche Stimmung selbst ausgiebig genoss und alle an die immer noch obligatorische Kirmesmesse erinnerte.