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Zeltingen-Rachtig
Weltenbummler in Sachen Wein

 Irmi und Karl-Heinz Griebeler daheim in Zeltingen-Rachtig. Zahlreiche Reisen in die Weinanbaugebiete der Welt haben ihnen die Erkenntnis gebracht: Das Anbaugebiet Mosel ist das schönste und natürlichste.
Irmi und Karl-Heinz Griebeler daheim in Zeltingen-Rachtig. Zahlreiche Reisen in die Weinanbaugebiete der Welt haben ihnen die Erkenntnis gebracht: Das Anbaugebiet Mosel ist das schönste und natürlichste. FOTO: Christina Bents
Zeltingen-Rachtig. Irmi Griebeler und ihr Mann Karl-Heinz bereisen die ganze Welt. Dabei legen sie ein besonderes Augenmerk auf die Weinanbaugebiete. Neben vielen Anregungen haben die Winzer eine wichtige Erkenntnis mit nach Hause gebracht.

Von der Sonne verwöhnt, so werden kalifornische Weine in Deutschland beworben. Auch Weine aus Chile, Georgien, Israel, Australien und anderen warmen Ländern  kann man hierzulande kaufen. Irmi Griebeler aus Zeltingen-Rachtig, die zusammen mit ihrem Mann ein Weingut besitzt, das inzwischen ihre Söhne bewirtschaften, hat sehr viele internationale Weingüter gesehen. Denn die Griebelers nutzen ihre Urlaube, um Weinanbaugebiete der Welt zu besuchen, deren Weingüter zu besichtigen und die Weine zu probieren.

Irmi Griebeler sagt: „Von hier aus sieht das alles oft ganz toll aus, aber wenn man mal da war, merkt man, dass die Winzer dort auch Probleme haben, oft andere als wir, aber es geht auch dort nicht alles von alleine.“

Als Beispiel dafür nennt sie Australien. Dort ist Sonne pur, die Reben werden künstlich bewässert. Was Irmi Griebeler und ihrem Mann aber aufgefallen ist: „Der Wein schmeckt jedes Jahr gleich, und es gibt Probleme mit dem Wasser, denn das Grundwasser kommt aus dem Meer nach, die Böden werden sehr salzhaltig, so dass hier nicht ewig Weinbau möglich sein wird.“

Im Gegensatz dazu sehen sie an der Mosel: „Wir kommen hier mit natürlichem Wasser aus, die Weine schmecken durch verschiedene Witterungen in jedem Jahr unterschiedlich. Und wir nehmen der Landwirtschaft keine Flächen weg. Da wo in den Steillagen Weinberge sind, wären ansonsten Hecken oder Wald.“ Zudem sei die Vegetationszeit in den sonnigen Ländern im Vergleich zu Deutschland kurz.

Karl-Heinz Griebeler erklärt: „Dadurch haben die Weine oft viel Alkohol, aber es fehlt ihnen an Geschmack. Wir hingegen können mit der Zeit spielen, haben keine Staunässe und rund 130 Tage von der Blüte bis zur Ernte.“ Durch ihre vielen Reisen  merkten sie auch, wie luxuriös die Infrastruktur an der Mosel ist. „Wenn wir hier ein Ersatzteil brauchen, fahren wir zum nächsten Landmaschinenhändler, wenn einem in Amerika etwas kaputt geht, ist erst einmal Pause angesagt, denn es dauert oft Tage, bis ein Ersatzteil da ist. Wir sind hier mitten im Verbrauchergebiet.“

Bei ihren Reisen haben sie auch Dinge gesehen, die sie als sehr unkonventionell einschätzen. Da wurden beispielsweise nachts Trauben gelesen, weil sie dann kühler sind. Etwas Ähnliches haben sie jetzt an der Mosel beobachtet, allerdings mit einem anderen Hintergrund. Hier hat ein Winzer nachts seine Reben ge­spritzt, weil sein Weinberg an einem Radweg liegt und er dauernd Erklärungen abgeben musste, was er macht und ob das nötig sei.

Was in anderen Ländern völlig fehle, sei eine Weinbautradition oder Weinromantik, wie sie hier in Deutschland gepflegt wird. „Es sind oft große Betriebe, tolle Weingüter, oft Prestigegüter von reichen Leuten, aber es sind nur Maschinen im Einsatz. Weinfeste, Weinköniginnen oder Weinlieder kenne man im Ausland nicht. Man wollte uns auf einer Reise mal eine Freude machen und hatte ein deutsches Lied einstudiert und es kam „Backe, backe Kuchen“ und „Oh du lieber Augustin“.

Aber auch Anregungen haben sie von ihren Reisen mitgebracht. Beispielsweise waren sie 1999 mit die ersten an der Mosel, die eine Vinothek gebaut haben. Den Anstoß dazu haben sie in Kalifornien in den „Wine Tastingrooms“ bekommen.

Wein ist für die beiden Weinweltenbummler Lebensqualität und sie ziehen das Resümee aus ihren Reisen, dass die Mosel das schönste Weinanbaugebiet der Welt ist. Denn: „Die Mosel ist vielseitig, hat Tradition in Einklang mit der Natur und mit geprüfter Qualität, was für den Verbraucher gut ist.“