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Kunst an der neuen Brücke
Wenn der Brückenpfeiler des Hochmoselübergangs wieder strahlt

Eindrucksvolles Foto: So sah  die Illumination im Mai 2017 aus.
Eindrucksvolles Foto: So sah die Illumination im Mai 2017 aus. FOTO: R. O. Schabbach
Zeltingen-Rachtig/Hundheim. Der Künstler R.O. Schabbach und seine Frau Sherri Tyler werben am 5. Oktober mit der Lichtkunstinstallation des Hochmoselübergangs für Frieden in der Welt. Tausende Zuschauer werden erwartet. Von Clemens Beckmann
Clemens Beckmann

Die Hochmoselbrücke bei Zeltingen-Rachtig sieht ihrer Vollendung entgegen. 2019 soll es so weit sein. Dass sie dem Frieden dienen könnte, erschließt sich dem Betrachter beim Blick auf den Koloss nicht. Für den Künstler R.O. Schabbach und seine Frau Sherri Tyler ist das aber so. Tyler ist Gründerin von „Love & Light for Word Peace“ (Liebe und Licht für den Weltfrieden). Ihr Mann lebt das in seinen Werken aus.

Im Mai 2017 hat er bereits einmal einen Pfeiler des Hochmoselübergangs illuminiert. Damals erhielt er den Kunstpreis des Landkreises Bernkastel-Wittlich. Er revanchierte sich mit der Anstrahlung von zwei Seiten des Pfeilers der auf der Zeltingen-Rachtiger Seite unmittelbar an der Mosel steht. „Das hat sich damals wie ein Lauffeuer herumgesprochen. Tausende Zuschauer standen in den Weinbergen und am Ufer“, erinnert er sich. Und weil die Resonanz so groß war, wird Schabbach die Aktion am Freitag, 5. Oktober, nach Sonnenuntergang wiederholen – allerdings in einem größeren Rahmen.

Er hat Sponsoren im Boot, es wird ein kostenloser Busshuttle aus Morbach (Busbahnhof) und Zeltingen-Rachtig (Brücke und Deutschherrenhof an der L 189) angeboten. Und wer will kann das Spektakel auch vom Schiff aus betrachten. Die Abfahrt erfolgt in Bernkastel-Kues. Für das leibliche Wohl ist auch gesorgt.

Damals waren nur zwei Seiten des Pfeilers  illuminiert. „Viele Leute haben deshalb nichts gesehen“, bedauert Schabbach. Das wird am Freitag bei Einbruch der Dunkelheit und bis weit in die Nacht anders sein. „Alle vier Seiten werden angestrahlt sein“, kündigt der in Hundheim lebende Künstler an. Das Ganze ist auch als Weltrekordversuch angekündigt. Schließlich ist der Pfeiler mehr als 150 Meter hoch.

2017 wurde  mit 20 umgebauten Diaprojektoren gearbeitet. In diesem Jahr wird LED-Technik eingesetzt. 16 000 Euro investiert Schabbach in das Projekt. „Das meiste davon kommt von mir“, sagt Schabbach. Bei der Technik arbeitet er mit dem Longkamper Unternehmer Alois Lehnen zusammen, der unter anderem mit Edelstahl zu tun hat. Beider Plan: die Entwicklung einer hochwertigen und gleichzeitig kostengünstigen Technik für solche Aktionen.

Auch das hat in Bezug auf die Hochmoselbrücke einen Hintergrund. Vor einigen Jahren haben R.O. Schabbach und lokale Kommunalpolitiker, Landrat Gregor Eibes, der Bürgermeister der Verbandsgemeinde Bernkastel-Kues, Ulf Hangert, und der Bundestagsabgeordnete Peter Bleser, im Verkehrsministerium in Berlin Gespräche über eine großflächige Illuminierung der Brücke geführt. Damals standen dafür Kosten in Höhe von sechs Millionen Euro im Raum. Dahinter stand der Wunsch, die Brücke, die nicht jedem gefällt, in ein besonderes Licht und in einen besonderen Wert zu setzen, damit die darunter lebenden Moselaner davon profitieren können.

Diese Gespräche scheiterten. Stattdessen wurde ein Architektenwettbewerb ausgeschrieben. Die Aufgabe: Die Hangkante auf der Hunsrückseite soll mit einer Attraktion ausgestattet werden. Es gewann ein Vorschlag, der unter anderem eine am Hang entlangführende Plattform beinhaltet (der TV berichtete). Für dieses Projekt spendiert der Bund etwa fünf Millionen Euro.

Schabbach geht zwar als Ideengeber für ein Projekt an der Brücke in die Annalen ein, hat aber bisher selbst nichts davon. Er berichtet, dass er mittlerweile mit wesentlich geringeren Beleuchtungskosten kalkuliert.Deshalb werde es auch noch einmal einen Vorstoß in Berlin geben. Das Projekt am Freitag könnte dafür Futter liefern. Langfristig könne eine zeitweilige Illumination der Brücke zu einer Touristenattraktion werden, ist sich Schabbach sicher. Dabei müsse niemand Angst haben, dass das Bauwerk jede Nacht und über Stunden angestrahlt werde. Das könnte vor Ort individuell entschieden werden.

Der Künstler hofft darauf, dass es am Freitag ein richtiges Happening gibt. Wichtig ist ihm und seiner Frau aber auch: „Wir wollen die Lichtkunst dem Frieden widmen.“