| 21:31 Uhr

Werbeträger für die Festung Mont Royal

Altstadtfest, Moselwein-Festival, Nachtwächter-Führungen – das im Juni 2006 gegründete Dragonercorps tritt immer öfter in Erscheinung und sorgt in seiner schmucken Infanterie-Uniform mit den anderen Vereinen der Stadt für ein lebendiges Bild. Hier hat die Gruppe beim Trarbacher Altstadtfest Stellung bezogen (von links) Britta Bremer, die erste Vorsitzende Irina Jüttner, Thorsten Jüttner, Dirk Somerlad (verdeckt), Detlef Konczok und das jüngste Mitglied Ramon Jüttner (8), der als Corpskoch der Gruppe angehört. TV-Foto: Gerda Knorrn-Belitz
Altstadtfest, Moselwein-Festival, Nachtwächter-Führungen – das im Juni 2006 gegründete Dragonercorps tritt immer öfter in Erscheinung und sorgt in seiner schmucken Infanterie-Uniform mit den anderen Vereinen der Stadt für ein lebendiges Bild. Hier hat die Gruppe beim Trarbacher Altstadtfest Stellung bezogen (von links) Britta Bremer, die erste Vorsitzende Irina Jüttner, Thorsten Jüttner, Dirk Somerlad (verdeckt), Detlef Konczok und das jüngste Mitglied Ramon Jüttner (8), der als Corpskoch der Gruppe angehört. TV-Foto: Gerda Knorrn-Belitz
"Legionäre des Rheinheeres Mont Royal, 159. Leibregiment Vauban", so lautet der offizielle Titel, den sich das im Juni 2006 in Traben-Trarbach gegründete Dragonercorps gegeben hat. Die Gruppe sieht sich als Werbeträger für die Festung, setzt sich für deren Erhalt ein und möchte, dass sie nicht in Vergessenheit gerät. Von unserer Mitarbeiterin Gerda Knorrn-Belitz

Traben-Trarbach. (GKB) "Die Idee, ein Dragonercorps zu gründen, stammt von meiner Frau Irina und von Dirk Sommerlad", erzählt Thorsten Jüttner im Vereinsraum, und interessiert verfolgt Sohn Ramon (8) das Geschehen. Er ist Corpskoch und der Jüngste in der Truppe. Mit der Festung Mont Royal und seinem Erbauer Vauban hat sich der in Wittlich geborene Thorsten Jüttner "schon immer beschäftigt", und auch seine aus dem Ruhrgebiet stammende Ehefrau war von der Anlage hoch über der Mosel fasziniert. "Wir haben uns da richtig reingehängt", sagt der zweite Vorsitzende, der den Verfall der Festung sehr bedauert. Das Corps möchte, dass sie unter den Touristen bekannter wird und, wie Stadtführer Jürgen Hey immer sagt, "aus dem Dornröschenschlaf erweckt wird", so Jüttner. Wenn Hey die Touristen über den Mont Royal führt, stehen die Dragoner in ihren schmucken Uniformen hinter Mauervorsprüngen. Das sorgt für Atmosphäre und erfreut die großen und kleinen Gäste.

Zu den Vorräten gehörten auch 2000 Fuder Wein

Ein Blickfang sind sie allemal, auch wenn ihre Gruppe noch klein ist und derzeit nur sechs aktive und acht inaktive Mitglieder umfasst. Zuwachs wird dringend gesucht, denn der Verein möchte sich als gemeinnützig eintragen lassen, "und dazu müssen wir sieben Aktive sein", sagt Jüttner. Der Monatsbeitrag liegt bei drei Euro, allerdings sind 180 Euro für Ausrüstung und Uniform selbst zu tragen. Nach historischen Vorbildern ließen sie in Köln ihre Infanterieuniformen aus dem 17. Jahrhundert schneidern. "Die Dragoner des Rheinheeres trugen blau-weiße Uniformen mit silberner Litze", weiß Jüttner, der im Mittelmosel-Museum recherchiert hat und eng mit TTA und anderen Vereinen der Stadt sowie Heimatforscher Willi Westermann zusammenarbeitet. Weiße Reiterhandschuhe mit hohem Überschlag gehören ebenso zur Ausstattung wie schwarze Hüte mit Straußenfedern, schwarze Lederstiefel mit Stulpen und ein Gürtel mit Munitionstasche. "Die Schützen und Unteroffiziere haben Gewehre, die Offiziere einen Reitersäbel und eine Pistole". Letztere sind Original-Nachbauten, bei den Gewehren handelt es sich um Holzattrappen. Die Marketenderinnen sind ebenfalls nach historischen Vorbildern gewandet und auch der kleine Ramon, der mit Kochjacke, Schürze und Hut die Truppe begleitet, bekommt demnächst ein Holzgewehr. "Der Koch hatte bei den Dragonern einen militärischen Rang", weiß sein Vater. Vier Dragoner-Regimenter seien einst auf dem Mont Royal stationiert gewesen, und auch zu Friedenszeiten sei ihr Leben sehr spannend und aufregend gewesen. Das Traben-Trarbacher Corps will aktiv mit anpacken und TTA beim Freischneiden der Wege helfen, aber auch ein Biwak schwebt den engagierten jungen Leuten vor. Dann soll es eine "Schlacht" mit den Sponheimer Musketieren auf dem Mont Royal geben.

Wer Mitglied werden möchte oder Fragen hat, kann sich an Thorsten Jüttner wenden, Telefon 06541/818372.

Mont Royal

1687 begann Frankreich mit der Errichtung der Versorgungsfestung Mont Royal zur Beherrschung des mittleren Rheinlandes. Länger als zehn Jahre wurde an der Zwingfestung gearbeitet, doch fertiggestellt wurde sie nie. Ihr Erbauer Vauban benötigte Millionen französischer Staatsmittel und deutsche Zwangsgelder, um die Anlage mit 8000 Fronarbeitern zu erschaffen. Die Mittelachse umfasste mit fünf Kilometern das gesamte Hochplateau des Berges, den Kern der Festung bildete eine 500 000 Quadratmeter große und 20 Meter hohe Felszitadelle. Sie war umschlossen von einem 2,9 Kilometer langen und bis zu 30 Meter hohen Hauptwall mit fünf Bastionen und drei Bollwerken. 1690 gab es eine Kampfbesetzung von 14 Regimentern mit insgesamt 8450 Mann, 155 Geschützen und großen Vorräten wie 2000 Fuder Wein. Geplant waren Waffenarsenale und Unterkünfte für noch mehr Soldaten, doch die kostenintensive Festung, die weitab vom Mutterland lag, konnte von Frankreich nicht gehalten werden. 1698 erging vom Sonnenkönig Ludwig XIV. der Befehl, den Mont Royal schleifen zu lassen. (GKB)