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Wie einst Otto Diesel

"Für Bauern das Bequemste, was es überhaupt gibt": Gerd Remmy schwört auf Rapsöl. Sein Audi fährt problemlos mit dem nachwachsenden Rohstoff.Fotomontage: TV-Grafik/Birgit Keiser
"Für Bauern das Bequemste, was es überhaupt gibt": Gerd Remmy schwört auf Rapsöl. Sein Audi fährt problemlos mit dem nachwachsenden Rohstoff.Fotomontage: TV-Grafik/Birgit Keiser FOTO: Martin Athenstädt (dpa)
HOXEL. (peg) Mit seinem Auto kann sich Gerd Remmy sehen lassen. Was keiner glaubt und dennoch stimmt: Sein Audi fährt mit Rapsöl. Und den Raps baut er auch noch selber an.

Gerd Remmy macht gerade die Probe aufs Exempel. Was für ihn längst Alltag ist, gilt bei den meisten noch als äußerst exotisch. So weiß er auch, dass viele nur darauf warten, dass sein Audi A6 stehen bleibt. Remmy fährt ihn mit Rapsöl, Marke Eigenanbau. Schließlich ist er Landwirt und benutzt den Rapskuchen sowieso als Energiefutter für seine 270 Rindviecher. Auch als Schmieröl nutzt er es schon seit Jahrzehnten. Da drängte sich das pflanzliche Öl als Treibstoff förmlich auf.Bayrische Werkstatt rüstet das Auto um

Der Wagen von Doris und Gerd Remmy hatte einen Dieselmotor, der wahlweise mit normalem oder Bio-Diesel gefahren werden konnte. Vor gut zwei Jahren ließen sie ihn umbauen. "1500 Euro hat das damals gekostet und lief über den Maschinenring", erinnert sich der Bauer mit dem Dickschädel. Alle Bekannten rieten ihm von diesem Schritt ab, er wagte ihn trotzdem. Seine älteste Tochter lebte zu der Zeit in Bayern und "überführte" den Audi eines schönen Tages in die Werkstatt im fernen Bundesland. Die Firma Elsbett hatte schon in den 50er Jahren Motoren gebaut, die mit pflanzlichem Brennstoff liefen. Fast nebenbei wirft Remmy ein sehr überzeugendes Argument in die Runde: "Otto Diesel baute seine Motoren in den ersten Jahren für Palmöl und Rapsöl." Die Urfassung des guten alten Diesels war also eine, die mit nachwachsendem Treibstoff fuhr. "Es ist alles nur eine Frage der Einspritzung", sagt Remmy. In Bayern baute die Werkstatt einige zusätzliche beziehungsweise abgeänderte Teile ein: Kraftstofffilter, Glühkerzen, einen extra Vorglüher - Rapsdiesel braucht etwas länger, um auf Temperatur zu kommen - eine Kraftstoffhandpumpe zum Entlüften und eine neue Einspritzdüse. In manchen Bundesländern, beispielsweise im benachbarten Saarland, wird dieser Umbau gefördert. Remmy wartete nicht, bis es auch hier so weit ist. Er hat den Umbau selbst finanziert, weil er ihn in vielerlei Hinsicht für sinnvoll hält, auch wenn viele Bekannte sich ins Fäustchen lachen würden, wenn der Wagen unwiderruflich liegen bliebe. Das geht so weit, berichtet Remmy, dass vor einigen Monaten, als er tatsächlich mit seinem Wagen in die Werkstatt musste, die Mechaniker eine geschlagene Woche die Ursache nicht fanden und stur in nur eine Richtung suchten. Für sie war völlig klar: Das konnte nur das "scheiß Rapsöl" gewesen sein. Die Blamage war später auf ihrer Seite. Es lag an etwas ganz anderem, etwas was in jedem Fahrzeug mal passiert. Die Remmys verstehen nicht, warum nicht mehr Bauern diese Lösung suchen. Auch ihre Schlepper fahren mit 20 bis 30 Prozent beigemischtem Raps, bisher sogar ohne eine bauliche Veränderung. Getankt wird auf dem eigenen Hof, wo eine große Rapsölpresse allen benötigten Sprit fördert. Viele Argumente sprechen ihrer Meinung nach für den Raps: Unabhängigkeit sowohl von amerikanischem Soja-Zusatzfutter, das meistens mit veränderten Genen gezüchtet wird, als auch von den beträchtlich schwankenden Spritpreisen an den Tankstellen. "Es ist für Bauern das Bequemste, was es überhaupt gibt", sagen die Remmys. Nur im Winter, wenn es sehr kalt ist, mischt Remmy etwa 20 Prozent Winterdiesel in den Tank - ein Tribut an die schlechtere Fließfähigkeit des Rapsöls Am Samstag, 30. April, findet der bundesweite "Tag der erneuerbaren Energien" statt. Die Agenda-Projektgruppe Energie/ökologisches Bauen des Kreises wird praxisnah vor Ort informieren. Von 13 bis 18 Uhr sollen sich die Türen im Kreis öffnen, um bestehende Anlagen wie Holzhackschnitzel- oder Pelletsheizung, Solaranlagen, energie-effiziente Neubauten und Altbausanierungen zu zeigen.