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Wie Frauen den feinen Rebensaft schmecken, wenn die Herren nicht dabei sind

Sommelière Esther Scheidweiler (stehend) bei der Weinprobe der Sinne. TV-Foto: Claudia Szellas
Sommelière Esther Scheidweiler (stehend) bei der Weinprobe der Sinne. TV-Foto: Claudia Szellas
Bernkastel-Kues. Ob mit UTA, einem untypischen Alterungston, oder einer vollbusig-wohl-anschmiegsamen Note: Das persönliche Empfinden auf sinnlicher Ebene war ein wichtiger Zusatzstoff der Weinprobe von Frauen für Frauen im historischen Säulenkeller der Mosel-Vinothek in Kues.

Bernkastel-Kues. "Wie Wein ausgebaut, gelesen und verarbeitet wird, das wissen die meisten. Wie ich als Frau mal mit Kenntnissen bei einer Weinprobe was Geschultes und Witziges auftischen kann, das möchte ich hier erfahren", sagt Evelyne Keifer aus Wehlen. Deshalb ist sie zur Weinprobe von Frauen für Frauen in die Mosel-Vinothek gekommen.
Sommelière Esther Scheidweiler aus Rivenich hatte die Idee für so einen Abend ohne die Herren: "Ich beobachte immer wieder, dass Frauen mit ihrer besseren Hälfte bei Weinverkostungen nur schweigend daneben stehen. Meist aus Angst, was Falsches zu sagen." In einer reinen Frauenrunde sei dies anders, weiß Scheidweiler: "Hier trauen sie sich, auch Fragen zu stellen und ihren Geschmack bewusst emotional auszudrücken."
So ist es denn der weibliche Blick und die Intuition, der eine neue Form der Wein-Bewertung eröffnet. Die Blumenwiese mit viel Sonne, die ein Cremant-Sekt hervorruft oder einfach die Aussage: "Mit diesem Getränk könnte ich den ganzen Abend verbringen", als ein 2010er Sekt verkostet wird. Wie aber kann man/frau gewisse Wertigkeiten selbst erkennen? "Beim Sekt schauen wir, wie die Perlage ist: Sind viele, feine Perlen im Glas, handelt es sich um eine Flaschengärung." Alle Anwesenden heben die Gläser und betrachten ganz genau, was so langsam aufsteigt. Über den Körper und die Kraft der Weine, fruchtige wie rauchige Aromen und einen Schaum, der anhält, wird nach dem ersten Schluck geredet - aber: Mund geschlossen halten und durch die Nase ausatmen, das verstärkt das Geschmackserlebnis. "Gut im Abgang", sagt jemand. Halt, Stopp! "Abgang sagt man nicht mehr, auf keinen Fall", insistiert die Sommelière. Nachhall, so heißt es jetzt. Auf den Gesichtern breitet sich ein zufriedenes Grinsen aus: "Da wissen wir mal was mehr als die Herren", sind sich alle einig.
Bei den Weinen aus unterschiedlichen Schieferlagen ist "punkten" ganz einfach: Sind die Vorderzähne nach dem Schluck "belegt", ist das ein Beleg für eine hohe Mineralität. Wenn es hinten kribbelt, deutet dies auf Weinsäure hin, Apfelsäure ist spitz und kribbelt vorne an der Zunge. Unangenehm wird es erst mit UTA: "Wenn Weine diese untypische Altersnote haben, dann schmecken sie wie Bohnerwachs, nasser Hund oder dreckige Wäsche." Diese Assoziation kennen die Damen, aber so einen Wein, den haben alle - Gott sei Dank - noch nie trinken müssen. Elena Belcheva fasst den Abend treffend zusammen: "Ich habe viel Interessantes über Moselweine gelernt und es hat einfach Spaß gemacht" - mal so ohne Männer. jo