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| 16:04 Uhr

Weinbau
Winzertausch an der Mosel: Experiment im Wingert

Steiles Gelände: Julian (hinten) und Nadine Haart (vorne) zeigen Klaus Peter und Julia Keller die Piesporter Schubertslay.
Steiles Gelände: Julian (hinten) und Nadine Haart (vorne) zeigen Klaus Peter und Julia Keller die Piesporter Schubertslay. FOTO: / Klaus Peter Keller
Piesport. Julian und Nadine Haart aus Piesport übernehmen einen Weinberg im rheinhessischen Flörsheim-Dalsheim. Im Gegenzug bearbeitet die Winzerlegende Klaus Peter Keller mit seiner Frau Julia einen Wingert an der Mosel. Von Clemens Beckmann
Clemens Beckmann

Der bisherige Berufsweg von Julian Haart ist durchaus ungewöhnlich. Zuerst erlernte er den Beruf des Kochs bei Sternekoch Harald Rüssel in Naurath (Kreis Trier-Saarburg). Anschließend arbeitete er bei Rüssels Sternekollegen Klaus Erfort (Saarbrücken).

Die Karriere am Herd schien vorgezeichnet. Doch dann entschied sich der Piesporter dazu noch eine Winzerlehre dranzuhängen. Auch dabei kleckerte er nicht. Er lernte bei berühmten Winzern: Reinhard Löwenstein in Winningen, Egon Müller in Wiltingen und Klaus Peter Keller im rheinhessischen Flörsheim-Dalsheim.

Bei Keller blieb er eineinhalb Jahre. Und als er wieder ging, waren Lehrherr und Auszubildender die besten Freunde geworden. Klaus Peter Keller und seine Frau Julia waren Trauzeugen als Julian Haart seine Nadine heiratete. Keller ist auch Pate von Ellie, der mittlerweile ein Jahr alten Tochter der Haarts.

Die Verbundenheit geht aber noch weiter. Die Kellers bearbeiten ab sofort einen Weinberg der Haarts. Quasi im Gegenzug übernehmen die Moselaner eine Fläche in Flörsheim-Dalheim – allerdings keine der Kellers.

Julian Haart, einer der Aufsteiger an der Mosel, hat während seiner Lehre den Kalksteinboden im Flörsheimer Frauenberg schätzen gelernt. „Eine Spitzenlage für trockene Weine“, sagt er.

Klaus Peter Keller schätzt die Weine von Mosel, Saar und Ruwer. Seine im Jahr 2000 verstorbene Mutter stammt aus Nittel (Obermosel). Sie brachte Rebenklone von der Mosel mit nach Rheinhessen. Kellers Eltern bewirtschafteten auch vor Jahren einen Weinberg in der Lage Kaseler Kehrnagel an der Ruwer.

„Als Kind war ich viel an der Mosel“, erzählt der 44-Jährige. Und später lernte er dann den Mosel in flüssiger Form schätzen und lieben. Wobei sich diese Liebe auch auf die Nebenflüsse Ruwer und Saar erstreckt.

Keller ist nicht nur in Rheinhessen schon eine lebende Legende. Er gilt als einer der weltbesten Riesling-Winzer, hat in allen gängigen Weinführern die höchstmögliche Punktzahl. Der Winzer könnte viel mehr als die derzeit etwa 20 Hektar bewirtschaften. „Aber dann könnten meine Frau und ich nicht mehr selbst im Weinberg arbeiten“, erzählt er. Und auf diese Arbeit legt er viel Wert.

Julian Haart geht es genauso. Der 31-Jährige und seine Frau sind ein eingespieltes Team im Weinberg. Beide legen Wert darauf das Schneiden und Binden der Reben selbst zu übernehmen. Nur bei der Lese greifen die Besitzer eines derzeit 4,5 Hektar großen Betriebes auch auf Saisonkräfte zurück.

Bei einem guten Glas Wein, wo auch sonst, schwärmten Haart und Keller vom Anbaugebiet des jeweils anderen. Und aus der Idee entstand der Entschluss sich auch im jeweils anderen Gebiet zu engagieren – wenn auch nur auf kleiner Fläche.

Die Piesporter Schubertslay, von der Haart den größten Teil gepachtet hat, umfasst insgesamt weniger als einen Hektar. „Julian hat da 2017 530 Liter geerntet“, erzählt Keller. Haarts neue Parzelle in Rheinhessen ist einen halben Hektar groß.

„Für uns ist das eine Ehre und ein großes Kompliment, dass Kellers Wahl auf die Schubertslay gefallen ist“, erzählt Julian Haart. Und weiter: „Die kalkreichen Böden im Frauenberg faszinieren uns. Und wir freuen uns darauf, nun auch dort große Rieslingweine zu produzieren.“

Am vergangenen Wochenende waren die Haarts in ihrer zweiten Heimat. Die Kellers werden demnächst wieder an die Mosel kommen. Die Hauptarbeit wird ihr Sohn Felix leisten, der den Winzerberuf erlernt.

Was schätzt Keller an Haart? „Er ist begeisterungsfähig und bei seiner Arbeit  leidenschaftlich.“ Und umgekehrt? „Er hat eine große Konstanz beim Anbau, ist ehrgeizig und großzügig“, sagt Haart. Keller habe sein Wissen schon  an Dutzende von Lehrlingen und Praktikanten weitergegeben. Und zwar nicht nur die Theorie. Er lasse sie auch die Spitzenweine von Kollegen probieren um ihnen die ganze Geschmacksvielfalt näher zu bringen.