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Kommunalpolitik
Wird Flußbach ein Stadtteil von Wittlich?

Wird Flußbach Wittlichs sechster Stadtteil? Die Ortsgemeinde will sich eventuell aus der Verbandsgemeinde Traben-Trarbach verabschieden.
Wird Flußbach Wittlichs sechster Stadtteil? Die Ortsgemeinde will sich eventuell aus der Verbandsgemeinde Traben-Trarbach verabschieden. FOTO: Klaus Kimmling
Flußbach. In der Gemeinde gibt es Bestrebungen, die Verbandsgemeinde Traben-Trarbach zu verlassen. Der Gemeinderat diskutiert am Dienstag über Anträge der zwei Fraktionen. Von Winfried Simon
Winfried Simon

Die Sitzung des Gemeinderates Flußbach am kommenden Dienstagabend, 20 Uhr, im Bürgerhaus könnte in die Geschichte des Ortes eingehen. Geht es doch um nicht  weniger als um die Frage, ob Flußbach die Verbandsgemeinde Traben-Trarbach verlassen und sich im Gegenzug der Stadt Wittlich angliedern soll. Es könnte der Beginn eines Prozesses sein, an dessen Ende die Stadt Wittlich einen Stadtteil mit 450 Einwohnern dazu gewinnt und die VG Traben-Trarbach eine Ortsgemeinde mit 450 Einwohnern verliert.

Die beiden einzigen im achtköpfigen Gemeinderat Flußbach vertretenen Fraktionen, die Freie Bürgerliste, FBL (sechs Ratsmitglieder), und die Freie Wählergemeinschaft Gemeinsame Zukunft, FWG (zwei Ratsmitglieder), plädieren für eine Eingliederung in die Stadt Wittlich. In den Anträgen beider Fraktionen steht die Forderung an die Ortsgemeinde, diese solle eine amtliche Bürgerbefragung durchführen. Die Verbandsgemeindeverwaltung Traben-Trarbach solle zeitnah eine solche Befragung in die Wege leiten.

Der Vorsitzende der FBL, Manfred Schmitt, begründet den Antrag mit dem Bürgerwillen. Innerhalb der Bürgerschaft herrsche eine tiefe Unzufriedenheit. Schmitt: „Ein Aufgeben der wirtschaftlichen und politischen Selbstständigkeit und eine Eingliederung in die Stadt Wittlich ist eine vernünftige Lösung für Flußbach.“

Klaus Herrig, Vorsitzender der FWG, verweist in dem Antrag seiner Fraktion auf die geografische Nähe zu Wittlich. Herrig: „Zu über 90 Prozent ist das tägliche Leben der Flußbacher nach Wittlich ausgerichtet. Das betrifft Arbeitsplätze, Schulen, Vereine, Einkaufen, Apotheken, Ärzte, Heilberufe, Krankenhaus, Handwerker, Dienstleister, Kirchengemeinden und so weiter.“

Die Flußbacher pflegten vielfältige soziale Kontakte mit Menschen aus der Stadt Wittlich oder aus den an Flußbach unmittelbar angrenzenden Stadtteilen von Wittlich. Herrig: „Wir müssen immer häufiger wahrnehmen, dass viele Flußbacher emotional sehr bewegt sind, wenn es um Fragen der Orientierung, Zuordnung und Zugehörigkeit unseres Heimatortes geht. Sie stellen die Frage: ‚Wieso gehört Flußbach nicht zu Wittlich?‘“

Ortsbürgermeister Hans-Josef Drees will gegenüber dem TV vorab keine Stellungnahme abgeben.  Er bestätigt, dass es bereits Gespräche mit dem Bürgermeister der Stadt Wittlich Joachim Rodenkirch und dem Bürgermeister der VG Traben-Trarbach, Marcus Heintel, gegeben habe.

Rodenkirch: „Ich habe die Fraktionen informiert. Sie haben alle grundsätzlich ihre Bereitschaft signalisiert, Flußbach in die Stadt einzugliedern. Ich kann auch die Flußbacher verstehen, denn sie sind in den meisten Bereichen nach Wittlich hin orientiert.“ Rodenkirch macht aber auch deutlich: „Die Initiative geht von Flußbach aus. Und entscheidend ist auch, wie sich die VG Traben-Trarbach in der Sache verhält.“

Der Traben-Trarbacher VG-Chef Marcus Heintel sieht das Bestreben der Flußbacher kritisch. Änderungen an der Struktur einer Verbandsgemeinde seien lediglich aus Gründen des Gemeinwohls möglich. Die Ortsgemeinde Flussbach leiste mit ihrer Zugehörigkeit zur Verbandsgemeinde einen nicht unerheblichen Beitrag zu diesem Zweck.

Die Ortsgemeinde Flußbach existiere seit jeher als natürlicher Nachbar der Stadt Wittlich, sowohl als Teil des Amtes Bausendorf als auch der Verbandsgemeinde Kröv-Bausendorf und auch der heutigen Verbandsgemeinde Traben-Trarbach. Die natürliche nachbarschaftliche Entwicklung, auch Bindungen, seien durch die Zugehörigkeit zu anderen Gebietskörperschaften nicht gestört worden. Auch habe sich die Situation der Gemeinde seit der Fusion der Verbandsgemeinden zum 1. Juli 2014 nicht verändert.

Heintel: „Wir möchten mit der Ortsgemeinde Flußbach nach Lösungen für die vielfältigen Probleme, die sie mit den anderen Gemeinden gemeinsam hat, suchen. Diese erledigen sich  auch bei einer Eingliederung nach Wittlich nicht, sondern werden allenfalls verlagert. Trotz  aller Schwierigkeiten gibt es keine demokratischere Struktur, was Mitbestimmung und Entscheidungen vor Ort anbetrifft, als die einer Ortsgemeinde. Diese Möglichkeit wäre bei einer Eingemeindung unwiederbringlich passé.“