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Wissenswertes rund um den Wein

Einem mittelalterlichen Folterinstrument ähnelt das eiserne Handrührgerät, das Helmut Goldschmidt hier vorführt und das einst im Holzfass zum Einsatz kam. Zusatzstoffe konnten damit aufgelöst werden, und auch der Weinstein ließ sich so losschlagen. Foto: Gerda Knorrn-Belitz
Einem mittelalterlichen Folterinstrument ähnelt das eiserne Handrührgerät, das Helmut Goldschmidt hier vorführt und das einst im Holzfass zum Einsatz kam. Zusatzstoffe konnten damit aufgelöst werden, und auch der Weinstein ließ sich so losschlagen. Foto: Gerda Knorrn-Belitz
KRÖV. "Meine Liebe gehört dem Wein", sagt Helmut Goldschmidt, der als Nebenerwerbswinzer in Kröv tätig ist und seine Gäste im Probierraum neben dem Holzfasskeller zum Staunen bringt. Unzählige Geräte und Utensilien, die einst in Weinbau und Landwirtschaft gebraucht wurden, hat der 53-Jährige in drei Jahrzehnten zusammengetragen. ARRAY(0x1d352ae58)

"Ich sammele weiter, auch wenn der Platz fehlt", sagt Goldschmidt lachend. An seinem kleinen Museum hat er sichtlich Freude, und viel weiß er zu erzählen vom Wein und seiner Herstellung einst und jetzt. Der gebürtige Briedeler erlernte den Beruf des Winzers beim Vater und wurde später Gas- und Wasserinstallateur. Heute ist er im Amt für Geoinformationswesen beschäftigt, seine Freizeit widmet er dem Wein. Stolz zeigt er drei alte Schröterhämmer in verschiedenen Größen und demonstriert am Holzfass, wie früher damit der Spund hineingeschlagen wurde. Das Fass konnte nun gerollt werden, und mit dem Gewinde am unteren Ende des Hammers wurde der Spund später wieder herausgedreht. Beachtlich auch seine Sammlung von Fassansteckhähnen aus Holz, Gusseisen und Messing. Der älteste ist aus Bronze und wurde im Jahr 1798 gefertigt. An der Kellerdecke hängt eine 85 Jahre alte Weinpumpe, "das ist die einzige hier im Dorf", weiß Goldschmidt. In der tiefsten Eifel hat er sie entdeckt und erworben. Den Wein- und Schnapsfilter aus dem Jahr 1940 hat er selbst restauriert und das Gerät wieder funktionstüchtig gemacht. Seine Besucher kommen aus Kröv und ganz Deutschland, auch aus den USA, England und Belgien. Die ausländischen Touristen interessieren sich besonders für die alten Gerätschaften und wollen deren Einsatz ganz genau erklärt haben. An der Wand hängen zwei schwere Batteriespritzen aus Messing, "die billigen waren aus Kupfer", sagt Goldschmidt. Sie wurden in den 30er-Jahren gefertigt und mit Spritzmittel und Luft befüllt. Der Winzer konnte mit einer Füllung bis zu 250 Weinstöcke behandeln. Schwer hatte er daran zu tragen, 40 Kilogramm schleppte er auf seinem Rücken durch den Weinberg. Aus Pünderich, Neef, Briedel und Zell kommen die Traubengreifer, die zum Teil handgeschmiedet sind und alle etwas unterschiedlich aussehen. Aus der Zeit des Ersten Weltkriegs stammt die Traubenkiepe, die innen mit Pech bestrichen war, "damit nichts auslaufen konnte". In jeder Ecke des Kellerraums gibt es etwas zu entdecken: alte Fassleuchten, Spritzpistolen, Schwefelgeräte, Gärspunde, einen Großfilter, einen Dampferzeuger der Firma Hans Dampf zum Sterilisieren der Fässer. "Das ist der erste in viereckiger Form, der in Rheinland-Pfalz verkauft wurde", freut sich Goldschmidt über das 1972 erworbene Gerät. Mit der hölzernen Handkorkmaschine zeigt er, wie die Flaschen einst verkorkt wurden, und gleich daneben kann er demonstrieren, wie die Etiketten früher auf die Flaschen kamen. Einem mittelalterlichen Folterinstrument ähnelt das Handrührgerät mit seinen Eisenketten. Im Fass wurden so die Zusatzstoffe aufgelöst, und der Weinstein konnte damit losgeschlagen werden. Proben davon besitzt Goldschmidt in verschiedenen Ausformungen aus mehreren Jahrzehnten. "Nach alter Väter Sitte" baut er seine Weine aus, und die feinen Tropfen genießt er selbst auch gerne. "Ich bin keiner, der viel Bier trinkt", sagt er, aber den einen oder anderen Schnaps will er sich bald mal zu Gemüte führen. Schwiegervater Josef Beth hat ihn einst hergestellt, und seit einem Vierteljahrhundert wartet die hochprozentige Riege darauf, endlich verkostet zu werden.