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Wo Orient und Okzident sich treffen

Der Klang hilft dabei, Körper, Geist und Seele wieder in Harmonie zu bringen. Yogalehrerin Angelika Vortmüller spielt ihre fernöstlichen Klangschalen. Foto: Petra Geisbüsch
Der Klang hilft dabei, Körper, Geist und Seele wieder in Harmonie zu bringen. Yogalehrerin Angelika Vortmüller spielt ihre fernöstlichen Klangschalen. Foto: Petra Geisbüsch
WITTLICH. Dieser Tage feierte Yoga-Lehrerin Angelika Vortmüller ihr 20. Dienstjubiläum. Dass sie östliche und westliche Traditionen so gerne zueinander bringt, hängt mit ihrem persönlichen Lebensweg zusammen. ARRAY(0x1cef2eca8)

Zweifellos erleben wir gerade einen starken Trend hin zu östlichen Sport-, Ernährungs- und Therapieformen. Die Idee ist jedoch alles andere als neu. Schon Goethe formulierte seinerzeit: "Wer sich selbst und andre kennt - Wird auch hier erkennen - Orient und Okzident - Sind nicht mehr zu trennen. - Sinnig zwischen beiden Welten - Sich zu wiegen lass ich gelten - Also zwischen Ost und Westen - Sich bewegen, sei's zum Besten." Der deutsche Dichterfürst hat damit Angelika Vortmüllers Leitmotiv ausgedrückt. In der Mitte ihres Lebens geriet sie in eine tiefe gesundheitliche Krise, aus der die Schulmedizin ihr nicht mehr heraushelfen konnte. Damals begegnete ihr das Yoga. Erst mit Hilfe dieser uralten Meditationstechniken aus Indien gelang es ihr, gesund zu werden. "Danach beschloss ich, mein Wissen über Yoga zu vertiefen", erzählt Angelika Vortmüller. In einem Institut am Rhein absolvierte sie Mitte der 80er Jahre ihre ersten Ausbildungsgänge. Auf dem Pfad der östlichen Weisheiten

Ihr Weg des Lernens ging stetig weiter. Wer einmal den Pfad der östlichen Methoden eingeschlagen hat, entdeckt immer wieder Neues. Das Faszinierende ist das Zusammenwirken von Geist, Körper und Seele: Eines wirkt auf das andere, alles ist eins und beeinflusst sich gegenseitig. Wer als moderner, kritischer und schnelllebiger Geist mithalten will, vernachlässigt diese Binsenweisheiten im Alltag. Angelika Vortmüllers Stunden, die sie seit einigen Jahren über die Volkshochschule anbietet, halten die Erinnerung daran wach, trainieren den Umgang mit dem eigenen Inneren und mit dem Göttlichen. Wobei, frei nach den östlichen Lehren, ebenso wie nach dem christlichen Glauben, auch diese beiden Instanzen ineinander verwoben sind. Angelika Vortmüller ist gläubige Christin geblieben. Daran haben Praktiken aus Indien, China und Japan nichts geändert. Ohnehin bewegt sie sich sehr frei in den Kulturen. Es hätte Goethe gefallen, wie Angelika Vortmüller Elemente aus der christlichen Lehre, aus Farbenlehre und Augenschule oder beispielsweise das moderne Walken mit Yoga, Shiatsu, fernöstlicher Musik, mit ayurvedischen Reinigungsritualen und den Tönen von Klangschalen mischt. Dazu brennt meist eine Kerze, daneben duften frische Blüten, und in die eigene Mitte bewegen sich die Teilnehmer zu sanfter Musik. Klangschalen sind die neueste Leidenschaft der 59-Jährigen. In Japan wurde vor Jahren anhand wissenschaftlicher Versuchsreihen nachgewiesen, dass sich die Kristalle von Wasser je nach der energetischen Qualität, der es ausgesetzt ist, verändern. Positiv wirken die Töne von Klangschalen. Die Strukturen des sich darin befindenden Wassers ordnen sich beim Daranschlagen sofort, so dass sie Ähnlichkeiten mit einem Mandala haben: symmetrisch, ästhetisch, auf geheimnisvolle Art geordnet - mit einem Wort: schön. Auf dieser Erkenntnis basiert die Arbeit mit den klingenden Schalen. Das prägende Element der Erde wie auch des Menschen ist Wasser, womit wir wieder bei Goethe wären: "Alles ist aus dem Wasser entsprungen, alles wird durch das Wasser erhalten." Die Anthroposophen bezeichnen den Menschen als wandelnde Wassersäule. Es kann folglich nur gut sein, für eine schöne, geordnete kristalline Struktur des Wassers Sorge zu tragen. In der Wittlicher Synagoge gab Angelika Vortmüller vor wenigen Wochen ihr Können weiter. Gemeinsam mit Therapeuten-Freunden veranstaltete sie zwei umfassende Gesundheitstage, deren Erlös den Flutopfern Sri Lankas zugute kam. Es war ihr ein Bedürfnis, etwas von dem zurück zu geben in die Heimatregion des Yoga, das ihr so sehr geholfen hat. Da ist er wieder, der ewige Kreislauf, in dem auch Nehmen und Geben nur zwei Farben ein und derselben Sache sind.