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Wurzelpeter soll auch den Wessis schmecken

TRABEN-TRARBACH. Nach der Wende stürmten die Ex-DDR-Bürger die westdeutschen Supermärkte. Ihre eigenen, meist biederen und wenig ansprechenden Produkte blieben zunächst wie Blei in den Regalen liegen. Doch jetzt erleben im Zuge der "Ostalgie-Welle" viele Artikel wie Spreewälder Gurken oder Florena-Creme eine Renaissance. Das Traben-Trarbacher Unternehmen Langguth ist mit dem Kräuterlikör "Wurzelpeter" erfolgreich. Von unserem Redakteur <br>WINFRIED SIMON

Wurzelpeter- noch ist der Name bei Spirituosenliebhabern im Westen Deutschlands relativ unbekannt. Wer an Kräuterlikör denkt, dem fallen zuerst Jägermeister, Kümmerling oder Ramazotti ein.Wurzelpeter ist in Ostdeutschland aber ein Begriff und mindestens so bekannt wie der Ostsekt "Rotkäppchen". Wurzelpeter war bis zur Wiedervereinigung d i e Kräuterlikör-Marke der DDR schlechthin. 97 Prozent aller Bürger zwischen Rügen und Thüringer Wald kennen den urigen Namen.Einen höheren Bekanntheitsgrad und vor allem Umsatzzuwächse erhofft sich Brandmanager Dirk Gennrich von der Firma Langguth, Traben-Trarbach, jetzt auch bundesweit.1991 kaufte Langguth, das mit seinen "Erben-Weinen" und "Medinet-Weinen" im internationalen Weingeschäft sehr erfolgreich ist, von der Treuhand den Spirituosenhersteller Berliner Bärensiegel, der neben dem Kräuterlikör Wurzelpeter noch den Weinbrandverschnitt Goldkrone und die Wilthener Goldkrone produziert. Bis Mitte der 90er Jahre lief die Produktion gut, weil ein Großteil der Spirituosen nach Russland ging. Doch als 1996 Russland sozusagen über Nacht Zölle erhob, brach dieser Markt vollkommen zusammen.Die Entscheidung der Unternehmensführung: Wir müssen uns verstärkt auf den deutschen Markt, vor allem auf den westdeutschen Markt konzentrieren.Zur Zeit arbeiten in Berlin 20 Mitarbeiter bei Bärensiegel in der Produktion. Vertrieb und Marketing werden von Traben-Trarbach aus gesteuert. Das Ziel, das die Unternehmensleitung vorgibt, ist ehrgeizig. Der Umsatz von Wurzelpeter, der jetzt bei 2,6 Millionen Flaschen (0,7 Liter) pro Jahr liegt, soll bis zum Jahr 2005 verdoppelt werden.Die aktuellen Umsatzzahlen bestätigen dieses optimistische Ziel: Im ersten Halbjahr 2003 legte "Wurzelpeter" in den alten Bundesländern um 32,6 Prozent zu und im Stammgebiet der neuen Bundesländer konnte der Umsatz um 14 Prozent gesteigert werden. Zur Zeit liegt Wurzelpeter im gesamtdeutschen Markt der Halbbitter auf Platz 5.Zielgruppe sind 30 bis 65-jährige Männer und Frauen. Die Botschaft, die von Wurzelpeter ausgehen soll, lautet: "Früher oder später trinken Freunde Wurzelpeter".Der Kräuterlikör sponsert zum Beispiel den Deutschen Volkssportverband, der große Wanderveranstaltungen ausrichtet. Langguth erwartet von diesen Sponsoraktivitäten seines Kräuterlikörs eine hohe Anzahl von Endverbraucherkontakten, denn rund 250 000 Volkssportler sind bundesweit in mehr als 1100 DVV-Mitgliedsvereinen organisiert.Das Sortiment des 32-prozentigen Kräuterlikörs umfasst die Flaschengrößen 0,02, 0,1, 0,35, 0,7 und 1-Liter-Flaschen. Die genaue Zusammensetzung ist wie bei den meisten Likören geheim. Wichtige Gewürze sind Nelke, Stern-Anis und Zimt. Für den feinen bitteren Geschmack sorgt die Enzianwurzel.