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Zähes Öl für warme Nächte

Warten oder den Tankwagen bestellen? Jedes Jahr stehen Heizöl-Käufer vor der Frage, wann sie sich mit dem begehrten Brennstoff eindecken sollen.Foto: TV -Archiv/Klaus Kimmling
Warten oder den Tankwagen bestellen? Jedes Jahr stehen Heizöl-Käufer vor der Frage, wann sie sich mit dem begehrten Brennstoff eindecken sollen.Foto: TV -Archiv/Klaus Kimmling
WITTLICH. Heizöl ist so teuer wie selten zuvor. In der Hoffnung auf niedrigere Preise warten viele Hausbesitzer noch mit dem Kauf. Doch Experten raten: Die Tanks besser rechtzeitig füllen. ARRAY(0x15e0c4990)

Der Sommer ist vorbei: Wenn die Blätter an den Bäumen gelb werden und die Nächte kälter, denken viele Hausbesitzer an ihren Öltank - den fast leeren Öltank. "Jetzt kaufen oder noch warten?", fragen sie sich angesichts hoher Ölpreise. Die Entscheidungen fallen unterschiedlich aus. "Wir haben viele Anfragen, aber nicht so viele Bestellungen", sagt ein Wittlicher Mineralölhändler. "Manche Leute bestellen schon, aber 60 bis 70 Prozent warten noch." Während der vergangenen Tage wurden die Unentschlossenen durch steigende Preise enttäuscht: Kosteten 100 Liter Heizöl bei Abnahme von 3000 Litern bei Wittlicher Händlern Ende vergangener Woche noch rund 43,50 Euro, so kletterten sie zu Wochenbeginn auf teilweise über 45 Euro. So viel verlangten die Mineralölhändler zuletzt im August, als der bisherige Spitzenwert für das laufende Jahr erreicht wurde. Lohnt es sich, noch zu warten? "Es ist schwer, einen Ratschlag zu geben", sagt der Händler. "Es wird sehr viel spekuliert, man rechnet aber nicht damit, dass Heizöl in Kürze massiv billiger wird." Das sieht auch Hans-Jürgen Funke, Geschäftsführer des Verbands für den Energiehandel Südwest-Mitte, so: "Günstigere Preise kann ich mir im Moment nicht vorstellen. Wir erwarten zum Winter einen Preisschub nach oben." Grund sei der Nachholbedarf vieler Haushalte. Funke: "Bislang wurden 20 Prozent weniger Heizöl verkauft als im Vorjahr." Manche Hausbesitzer kaufen in Erwartung niedrigerer Preise nur kleine Mengen Heizöl, 1000 Liter beispielsweise. Doch, wer nur eine kleine Menge Öl bestellt, zahlt einen höheren Literpreis. Als Ausgleich für die Mehrkosten der ersten Bestellung müssten die Preise bis zur zweiten Lieferung jedoch recht stark fallen. "Wir empfehlen, mindestens so viel zu kaufen, dass man über den Winter kommt", sagt Funke. "Wer 3000 Liter braucht und einen 10 000 Liter-Tank hat, braucht den natürlich nicht ganz voll zu machen." Lohnt es sich, eine Sammelbestellung mit den Nachbarn zu organisieren? "Kaum", sagt der Händler. "Da muss schon ein ganzer Tankzug in zwei benachbarten Straßen weggehen." Öl günstiger zu kaufen, versuchen manche Verbraucher über das Internet. 2500 Liter Öl sucht etwa ein Interessent aus Kröv bei der Auktionsplattform www.heizoelboerse.de, 7000 Liter ein Interessent aus Wittlich. 35 000 Liter Heizöl will ein potenzieller Käufer aus Irsch geliefert haben, abzuladen an zwei Stellen. Doch, bislang hat keine Firma den Kaufwilligen ein Angebot gemacht. Im Kölner Raum dagegen hat fast jeder Interessent ein Angebot erhalten - teilweise um einen Euro pro 100 Liter günstiger als beim Wittlicher Händler. Trotzdem rät Hans-Jürgen Funke vom Kauf per Internet ab. "Die regionalen Preisunterschiede sind nicht sehr groß", sagt er.Wittlicher profitieren vom milden Klima

Ursache seien im Wesentlichen die Transportkosten von der Raffinerie zum Kunden. Der Service eines vertrauten Händlers sollte den Kunden seiner Ansicht nach ein bis zwei Cent mehr pro Liter Heizöl wert sein. "Dann weiß man auch, dass das Rosenbeet nicht zertrampelt wird." Immerhin: Freuen können sich die Wittlicher über das milde Klima in der Wittlicher Senke. Nach einer Untersuchung der Techem AG verbrauchten die Wittlicher in der Heizperiode 2002/03 durchschnittlich nur 12,85 Liter Öl pro Quadratmeter Wohnfläche - macht Platz zwei bundesweit. Die Firma, die den deutschen Heizenergieverbrauch seit 1978 untersucht, wertete die Daten von 206 000 Wohnungen in 129 westdeutschen Städten aus. Der durchschnittliche Verbrauch der untersuchten Haushalte lag bei 16,25 Litern, die Menschen in Langenhagen bei Hannover brauchten fast doppelt soviel Öl wie die Wittlicher: 23,52 Liter pro Quadratmeter.