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Jugendhilfe
Zähne, Sport und Instrumente

Jürgen Weisensell (links) und Andreas Reinhard arbeiten eng zusammen, um den Kindern im Jugendhof eine Zukunft zu bieten.
Jürgen Weisensell (links) und Andreas Reinhard arbeiten eng zusammen, um den Kindern im Jugendhof eine Zukunft zu bieten. FOTO: Christina Bents / TV
Traben-Trarbach/Wolf . Der Förderverein Jugendhof Wolf ist einzigartig in Deutschland, denn viele Mitglieder sind selbst ehemalige Heimkinder. Sie helfen den Jugendlichen auf vielfältige Weise. Von Christina Bents

Sie wissen, wie es ist, wenn man von seinen Eltern getrennt in einem Heim lebt: Die Mitglieder des Fördervereins Jugendhof Wolf, denn die meisten von ihnen haben selbst einige Zeit in eben diesem gelebt.

Bei einem Ehemaligentreffen ist unter ihnen die Idee entstanden, den Kindern, die heute in der Einrichtung leben, Hilfe zu geben. Daraus ist der Förderverein Jugendhof Wolf entstanden.

So sah es früher im Jugendhof Wolf aus, der als Wolfer Kinderheim 1891 gegründet wurde.
So sah es früher im Jugendhof Wolf aus, der als Wolfer Kinderheim 1891 gegründet wurde. FOTO: privat

Jürgen Weisensell, aktuell erster Vorsitzender des Vereins, erklärt: „Das ist einmalig in Deutschland, dass bei einem Förderverein für eine Heimeinrichtung, die meisten der Mitglieder dort selbst einmal gelebt haben.“ Sie sehen darin einen Vorteil, denn sie wissen, wie sich die Heimkinder fühlen. „Die emotionalen Dinge wie die Trennung von den Eltern, die fehlende Bezugsperson und die Wärme einer Familie oder dass es einem manchmal einfach nicht gut geht unter diesen Umständen: Das haben wir alle selbst erlebt“, sagt Weisensell. Mit dem Förderverein, der seit 2010 besteht, haben sie schon einiges erreicht. Seit 2011 haben die Vereinsmitglieder 70.000 Euro für Projekte zugunsten der Kinder ausgegeben. Die Waldhütte, die für die Erlebnispädagogik sehr wichtig ist, haben sie zum Beispiel wiederaufgebaut. „Sie war in einem schlechteren Zustand, als es auf den ersten Blick schien und wir mussten sie erneuern“, erklärt der erste Vorsitzende.

Die Jugendlichen haben mitgeholfen, den Hausbau zu realisieren. Bei der Arbeit haben sich die Mitglieder des Fördervereins und die Jugendlichen kennengelernt. Fast das gesamte Material wurde damals dank Sponsoren, die der Förderverein gefunden hat, angeschafft.

Daneben spendet der Verein Geld für einzelne Kinder: Wenn diese beispielsweise musikalisch sehr begabt sind, finanziert der Verein ein Instrument. Jürgen Weisensell berichtet: „Wir überprüfen die einzelnen Fälle, ob das Anliegen in unsere Satzung passt, und entscheiden dann, ob wir die Kosten übernehmen.“

Ein anderer Fall, der dem über 70-jährigen Vorsitzenden sehr zu Herzen gegangen ist, war ein Junge, der eine extreme Zahnfehlstellung hatte und deren Korrektur die Krankenkasse aber nicht übernommen hat. „Das haben wir gezahlt, denn das Kind hatte sowieso schon ein schweres Schicksal, und dann noch die Zahnfehlstellung, die zu Hänseleien geführt hat, da sahen wir uns in der Pflicht.“

Inzwischen ist die Behandlung abgeschlossen und jedes Mal, wenn Jürgen Weisensell dem Jungen begegnet, kommt er auf ihn zugelaufen und umarmt ihn. Drei Jungs haben vom Verein eine Fahrt nach Spanien in ein Fußballcamp bezahlt bekommen. „Sie sind begabte Fußballer und der Verein hat dort an einem Turnier teilgenommen. Da sollten sie die Möglichkeit haben, mitzufahren, um ihre Kontakte, die sie außerhalb des Jugendhofs haben, zu festigen.“

Sehr wichtig ist den Förderern die gute Beziehung zur Heimleitung. „Wir haben eine enge Kommunikation, damit wir effektiv helfen können und unsere Arbeit auch unterstützt wird“, sagt Weisensell.

Beim Jugendhof hat der Förderverein ebenfalls einen hohen Stellenwert. Andreas Reinhard, Einrichtungsleiter, erklärt: „Es ist wichtig, dass einer den Anfang macht und sich für unsere Kinder und Jugendlichen einsetzt. Das macht der Förderverein. Dann folgen oft auch andere.“

Aktuell hat der Förderverein 27 Mitglieder, vier davon sind im Vorstand. „Aber wir sind alle um die 70 Jahre alt und wohnen über ganz Deutschland verteilt. Wir brauchen Verstärkung, besonders bei der Vorstandsarbeit. Es wäre sehr wichtig für den Fortbestand, dass sich Menschen aus der Region finden würden“, appelliert der erste Vorsitzende. Wer den Verein näher kennenlernen möchte, kann das beim Weihnachtsdorf am ersten Advent tun. Dann ist der Vorstand mit einem Stand auf dem Wolfer Weihnachtsmarkt rund um die Kirche vertreten.

Weitere Informationen unter www.foerderverein-jugendhof-wolf.de

DER JUGENDHOF IN WOLF

Im Jugendhof Wolf leben aktuell 157 Kinder und Jugendliche bis 20 Jahre. Sie leben in Wohngruppen bis zehn Kinder pro Gruppe. Die Kinder und Jugendlichen haben traumatische Erlebnisse hinter sich. Es gibt zudem Familienunterstützung sowie Mutter-Kind Gruppen, in denen das Zusammenleben trainiert wird. Leiter der Einrichtung ist Andreas Reinhard. Der Jugendhof Wolf gehört zur Rheinischen Gesellschaft für Innere Mission.