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Naturerlebnisführer
Führer durch die lebendige Landschaft

Die neuen Naturerlebnisbegleiter zusammen mit Staatssekretär Andy Becht (links), Landrat Gregor Eibes (zweiter von rechts), Moselweinkönigin Kathrin Hegner (Vordere Reihe rechts) sowie Vertretern des DLR.
Die neuen Naturerlebnisbegleiter zusammen mit Staatssekretär Andy Becht (links), Landrat Gregor Eibes (zweiter von rechts), Moselweinkönigin Kathrin Hegner (Vordere Reihe rechts) sowie Vertretern des DLR. FOTO: Christoph Strouvelle
Bernkastel-Kues. 25 Personen sind neu als Naturerlebnisbegleiter zertifiziert worden. Sie sind ein Baustein, mit dem das Moseltal mit seinem reichen Angebot stärker in Wert gesetzt werden soll. Von Christoph Strouvelle

Sie wollen zeigen, dass die Moselweinberge lebendig sind: In den Räumen des Dienstleistungszentrums ländlicher Raum (DLR) in Bernkastel- Kues haben Landrat Gregor Eibes und Andy Becht, Staatssekretär im Wirtschaftsministerium in Mainz, 25 Personen ihr Zertifikat als Naturerlebnisbegleiter überreicht. Sie haben sich in 80 Stunden Unterricht sowie Exkursionen in einer abschließenden Prüfung mit theoretischem und Praxisteil das Zertifikat verdient. Die neuen Naturerlebnisbegleiter haben jeweils ein einzelnes Projekt umgesetzt. Einige Beispiele dafür sind die Ausarbeitung von Themenwanderungen, der Bau von Insektenhotels, die Erstellung von Broschüren zur Weinbergsbegrünung oder die Konzeption eines ganzen Themenwegs.

Seit 2006 verfolge das DLR das Ziel, die Kulturlandschaft Mosel hervorzuheben, sagt Hubert Friedrich, Leiter des DLR Mosel. „Unser Pfund ist die Landschaft, und wir müssen alles daran setzen, sie in Wert zu setzen“, sagt er. Alle Akteure hätten erkannt, dass das Projekt Lebendige Moselweinberge ein elementarer Bestandteil der regionalen Identität sei, sagt Landrat Gregor Eibes. War diese bisher auf den drei Säulen Wein, Tourismus und Natur aufgebaut, komme jetzt die Kulturlandschaft hinzu. Mit dem Thema Artenvielfalt habe man sich bisher zu wenig auseinandergesetzt, sagt der Landrat. Umso wichtiger sei es, dass in der Vergangenheit bereits 121 Personen zu Naturerlebnisbegleitern zertifiziert worden sind und jetzt weitere 25 hinzukommen. „Leben müssen Sie das“, sagt er zu den neuen Akteuren.

Staatssekretär Becht sagt, die Flora und Fauna in der Region sei wichtig. Einige geschützte Arten gebe es nur an der Mosel. „Sie sind die Akteure, die die Leute mitnehmen in die Welt der Eidechsen und Turmfalken“, sagt er zu den Naturerlebnisbegleitern.

Was animiert gestandene Winzer, Lehrer, Käsesommeliers, Angestellte im öffentlichen Dienst, Flugbegleiterinnen, Goldschmiede und Geografen, erneut die Schulbank zu drücken, um sich für diese Aufgabe zertifizieren zu lassen?  „Ich war schon immer fasziniert, was es in den Weinbergen gibt und wächst“, sagt Claudia Müller aus Ürzig. Früher habe sie das Vogelzwitschern im Weinberg genossen. Heute wisse sie, wie wichtig das Habitat für die Tiere ist, sagt sie. Darüber hat sie in ihrem Weinbaubetrieb bereits mit auswärtigen Weinkäufern gesprochen. „Lebendige Moselweinberge sind spannend wie ein Krimi. Es ist aufregend, sie zu erleben“, sagt sie.

Herbert Becker aus Enkirch erzählt, er habe bereits als Jugendlicher großes Interesse an Flora und Fauna gehabt. Nach 48 Jahren Berufstätigkeit als Handwerker habe er Lust bekommen, sich erneut mit der Mosel zu befassen. Jetzt bietet er in den Weinbergen seines Heimatortes Erlebniswanderungen unter dem Motto Natur erleben mit Sekt und Sonnenuntergang an.