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Zu Gast in Schloss Lieser: Luxushotel bald fertig

Lieser. Der Umbau von Schloss Lieser zu einem Luxushotel schreitet voran. Läuft alles nach Plan, kann im Spätsommer dieses Jahres das Haus eröffnet werden. Der Niederländer Piet Killaars investiert rund zwölf Millionen Euro in das an der Mosel einzigartige Projekt. Winfried Simon

Lieser. Betritt man die Eingangshalle von Schloss Lieser, braucht man schon viel Vorstellungskraft, um zu erahnen, dass in dem ehrwürdigen zwischen 1884 und 1887 erbauten Gebäude bald gut betuchte Gäste ein- und ausgehen, dort edel speisen und in luxuriösen Suiten übernachten.
30 Handwerker, die meisten kommen aus den Niederlanden, sind derzeit im Schlossinnern damit beschäftigt, das einstige Anwesen der Familie Schorlemer-Puricelli in ein Fünf-Sterne-Luxus-Hotel zu verwandeln. Maler streichen Decken und Wände, Elektriker verlegen Leitungen, Installateure bauen Heizungs- und Lüftungsanlagen ein, Fliesenleger kacheln Badezimmer und Schwimmbad, und Restauratoren sanieren die zahlreichen Wandbilder und Deckengemälde. Rick Gubbels koordiniert die Arbeiten.Wellness und Luxus


Der Niederländer leitet von Beginn an das einzigartige Millionenprojekt. Seit fast fünf Jahren wohnt er in Lieser, während der Woche sitzt er zumeist in einem eigens eingerichteten Büro in Schloss Lieser, an den Wochenenden fährt er zurück in die Heimat. Schlossherr Piet Killaars aus den Niederlanden vertraut dem jungen Mann. Killaars selbst ist eher selten in Lieser. Vor mehr als einem Jahr hat der Unternehmensberater im Gespräch mit dem Trierischen Volksfreund die Investitionssumme mit zwölf Millionen Euro angegeben.
Eigentlich sollte das Luxushotel bereits Ende 2014 öffnen, doch es gab einige Verzögerungen. "Unser Konzept hat sich etwas geändert, alles ist noch etwas größer geworden", sagt Bauleiter Gubbels. Unter anderem ist der Wellnessbereich mit Saunen, Schwimmbad, Ruhe- und Behandlungsräumen geräumiger geworden.
Die Bauarbeiten an dem 160 Meter langen und 17 Meter breiten geschichtsträchtigen Gebäude hatten im Jahr 2010 begonnen. Erst danach hatte sich Killaars entschieden, eine Tiefgarage mit 36 Stellplätzen zu bauen. Das ebenerdige Dach der Tiefgarage wird künftig als große Terrasse mit Pavillon genutzt - zum Beispiel als Ort für hochkarätige Open-Air-Musikveranstaltungen. Außerdem musste hinter dem Schloss zum Hang hin eine meterhohe Stützmauer versetzt werden, damit Feuerwehrfahrzeuge im Notfall nahe genug an das Gebäude heranfahren können.
Einheimische Unternehmen wie die Firma Gebrüder Keller Hoch- und Tiefbau in Bernkastel-Kues waren tätig. Die meisten bleiverglasten Fenster restaurierte die Schreinerei Luxemburger in Mülheim.
Zurzeit ist Restaurator Ferdinand Lawen aus Briedel dabei, die zahlreichen Wandgemälde aufzuarbeiten und aufzufrischen - unter anderem in der Schlosskapelle, die später als Hochzeitskapelle dienen soll.
Der genaue Eröffnungstermin für das Luxushotel Schloss Lieser steht noch nicht fest. Gubbels hofft, dass im Sommer dieses Jahres die ersten Gäste dort übernachten und in einem der drei Restaurants edel speisen können.
50 Zimmer von 32 bis mehr als 100 Quadratmeter wird das Hotel haben. Die besonders geräumige und luxuriöse Hochzeitsuite befindet sich im ehemaligen Kaminzimmer im ersten Stock.
Laut Gubbels liegt für das Objekt derzeit noch kein fertiges Marketingkonzept vor. Was eine Übernachtung kostet, welche Speisen angeboten werden, wer das Hotel managen soll - dies alles, so Gubbels, werde noch überlegt.Extra

Schloss Lieser wurde zwischen 1884 und 1887 vom Frankfurter Architekten Heinrich Theodor Schmidt erbaut. 1895 wurde die Anlage erweitert. Schloss Lieser war der Familiensitz des Industriellen Eduard Puricelli, der im Gasgeschäft tätig war. Puricellis beide Söhne verstarben früh, seine Tochter Maria heiratete 1880 den hohen preußischen Beamten Clemens Freiherr von Schorlemer-Lieser. Kaiser Wilhelm II. schätzte Clemens Freiherr von Schorlemer-Lieser sehr und war 1906, 1911 und 1913 zu Besuch auf Schloss Lieser. Das Anwesen diente der Familie von Schorlemer-Puricelli als Wohnsitz. Letzte Bewohnerin war die Witwe Freifrau von Schorlemer-Lieser, Marliese Rheinen. 1981 kaufte die Gemeinde Lieser das Anwesen für 600 000 Mark von der Familie Schorlemer-Lieser. Anschließend stand das Gebäude mehr als zehn Jahre leer, wurde aber einmal jährlich für das zu Pfingsten stattfindende Schlossfest genutzt. Die Gemeinde verkaufte das Gebäude 2001 für 1,1 Millionen Euro an einen Unternehmer aus Bad Salzuflen (Nordrhein-Westfalen), der in wirtschaftliche Schwierigkeiten geriet und es 2007 an den jetzigen Besitzer, Piet Killaars, weiterveräußerte. sim