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Zu guter Letzt gibt's doch noch ein bisschen Eiswein

 Mit einer kleinen Korbkelter pressen Benedikt (links) und Gerd Steffen die gefrorenen Trauben. Ob der Most für Eiswein geeignet ist, wird sich erst später herausstellen. TV-Foto: Winfried Simon
Mit einer kleinen Korbkelter pressen Benedikt (links) und Gerd Steffen die gefrorenen Trauben. Ob der Most für Eiswein geeignet ist, wird sich erst später herausstellen. TV-Foto: Winfried Simon
Maring-Noviand. So spät kam der Frost noch nie. Entsprechend lange mussten die Winzer auf die Eisweinlese warten. Gestern Morgen erntete Winzer Gerd Steffen aus Maring-Noviand 450 Weinstöcke in einem Weinberg im Liesertal. Minus sieben Grad zeigte das Thermometer am frühen Morgen um sechs Uhr an. Ob es für die Erzeugung von Eiswein reicht, weiß Steffen noch nicht.

Maring-Noviand. In den vergangenen Tagen hat Gerd Steffen genauestens die Wettervorhersage verfolgt. Er weiß: Wenn diese Woche die Temperatur im Weinberg in der Maringer Sonnenuhr nicht auf mindestens minus sieben Grad fällt, kann er die Trauben gänzlich abschreiben. Denn für Donnerstag ist erneut Regen und Wärme vorhergesagt. Danach die Trauben reinzuholen, hält er für sinnlos.
Am Montagabend entschied er gemeinsam mit Sohn Benedikt, am frühen Dienstagmorgen die Trauben zu ernten. Minus sieben Grad zeigte das Thermometer im Weinberg, innerhalb von dreieinhalb Stunden hatten Vater und Sohn die Trauben von 500 Rebstöckeb gelesen. Der Scheinwerfer des Traktors sorgte für Helligkeit. Schon um 10 Uhr lief der dunkelbraune Most von der kleinen Korbpresse. Am Ende waren es 90 Liter, die er in einen kleinen Stahlbehälter füllte.
Gespannt blickten die beiden Winzer auf die Spindel, an der das Mostgewicht, sprich der Zuckergehalt, abzulesen ist. 150 Grad Oechsle zeigte das Instrument an - ein Wert, der für die Eisweinerzeugung ausreicht.
Dennoch weiß Steffen noch nicht, ob er den Most, wenn er nach vielen Wochen endlich vergoren ist, als Eiswein vermarktet. Denn nicht alleine das hohe Mostgewicht macht den Charakter eines Eisweins aus, vielmehr muss auch die Fruchtsäure einen relativ hohen Wert haben (siehe Extra). Mindestens elf Gramm pro Liter, meint Steffen, sollten es schon sein. Erst dann schmeckt der Wein eisweintypisch.
Die Säurewerte sind allerdings in den vergangenen Wochen stetig gefallen. Steffen gibt jetzt eine Mostprobe an ein weinchemisches Labor. Dort lässt er den exakten Wert ermitteln. Steffen: "Vielleicht wird\'s auch eine ganz besondere Auslese."
Ein ideales Eiswein-Jahr wäre 2010 gewesen, denn Anfang Dezember fielen die Temperaturen unter zehn Grad minus. Doch 2010 war die Gesamterntemenge äußerst gering, nur ganz wenige Winzer ließen Trauben hängen, um Eiswein zu erzeugen. Auch Gerd Steffen wollte das Risiko nicht eingehen.
Zuletzt hatte das Weingut Steffen-Prüm im Jahr 2003, wie 2011 ein Spitzenweinjahr, Eiswein geerntet. Seinerzeit erreicht der Zuckergehalt 170 Grad Oechsle. Das edle Getränk füllte Gerd Steffen in kleine 0,375-Liter-Flaschen. Der Preis: 45 Euro.
Die Partie ist längst ausverkauft. simExtra

Um Eiswein lesen zu können, müssen die Trauben richtig durchgefroren sein. Erst dann tritt der Effekt ein, dass beim Keltern nur der hoch konzentrierte Traubensaft abläuft und das gefrorene Wasser in der Kelter übrig bleibt. Das ergibt Weine mit außergewöhnlich hohen Mostgewichten und Aromawerten. Sie besitzen in der Regel eine kräftige Säure, die ein Gegengewicht zur intensiven natürlichen Süße dieser Weine bildet. Haben die Trauben die Vollreife erreicht, werden sie in Folie eingepackt. Diese dient in erster Linie dem Schutz vor Vogelfraß. Ohne den Folienschutz würden bis Dezember oder gar Januar keine Trauben mehr am Stock verbleiben. 2011er Eisweine: Gestern meldeten weitere Winzer ihre Ernteergebnisse. Das Weingut Karthäuserhof in Trier-Eitelsbach erntete 200 Liter mit einem Mostgewicht von 150 Grad Oechsle, das Weingut Peter Jostock 80 Liter mit 140 Grad Oechsle im Leiwener Klostergarten und das Weingut Peter Terges in Olewig 120 Liter mit 140 Grad Oechsle. sim

 Obwohl schon reichlich lädiert, lassen sich die Trauben noch zu Eiswein verarbeiten. TV-Foto: Frank Göbel
Obwohl schon reichlich lädiert, lassen sich die Trauben noch zu Eiswein verarbeiten. TV-Foto: Frank Göbel