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Hochschule
Zu wenig Geld für die Philosophie?

 Im ehemaligen Hotel Drei Könige in Kues zieht demnächst die Verwaltung der Cusanus Hochschule ein. 
Im ehemaligen Hotel Drei Könige in Kues zieht demnächst die Verwaltung der Cusanus Hochschule ein.  FOTO: klaus kimmling (kik), klaus Kimmling
Bernkastel-Kues/Wehlen. Kommunalpolitiker bleiben dem Jahresempfang der Cusanus Hochschule aus Protest gegen die geplante neue Ausrichtung fern. Jetzt äußert sich die kommissarische Präsidentin. Von Clemens Beckmann
Clemens Beckmann

Auch einem halbwegs gebildeten Menschen fällt es nicht leicht, all das intellektuell zu verarbeiten, was studierte Ökonomen und Philosophen von sich geben. Sätze wie „Hoffentlich geht es hier weiter“ und „Die Hochschule steht auf dem Spiel“ versteht aber jeder. Sie kommen beim Jahresempfang der Cusanus Hochschule aus den Mündern zweier Absolventen: von Leon Pelzer, Master im Studiengang Philosophie, und von Sarah Mewes (Master-Studiengang Ökonomie). Da horcht der Zuhörer auf. Dazu kommt, dass Studierende in einem Rollenspiel quasi einen Kampf um die Philosophie austragen und dafür Ovationen im Stehen bekommen.

Wer immer noch an Zufälle glaubt, wird beim Blick auf die erste Stuhlreihe im Kloster Machern eines Besseren belehrt. Die Plätze von Alex Licht, Gregor Eibes, Ulf Hangert und Wolfgang Port bleiben leer. Wie bereits kurz berichtet, gibt es offenbar Differenzen zwischen den Kommunalpolitikern, allesamt Förderer der 2014 gegründeten Hochschule, und deren Leitung in Person der kommissarischen Präsidentin, Prof. Silja Graupe. Dabei geht es um die zukünftige Ausrichtung der Hochschule. Bisher haben die beiden angebotenen Studiengänge Ökonomie und Philosophie offiziell den gleichen Stellenwert. Nach Auskunft von Alex Licht, dem Vorsitzenden der Kueser Akademie für Europäische Geistesgeschichte, dem Vorläufer der Hochschule, will Silja Graupe ihrem Spezialgebiet Ökonomie in Zukunft mehr Geltung verschaffen. Das, so Licht, widerspreche den vereinbarten Grundsätzen der Hochschule. Da es im Vorfeld  zu keiner Verständigung gekommen sei, seien er, Landrat Gregor Eibes sowie die Bürgermeister Ulf Hangert und Wolfgang Port dem Jahresempfang  ferngeblieben. Alle vier gehören dem 13-köpfigen Kuratorium der Hochschule an. Es soll für die gesellschaftliche und akademische Vernetzung der Hochschule sorgen und begleitet ihre inhaltliche Entwicklung.

Graupe will sich direkt nach der Veranstaltung zu den Gründen der Differenzen mit den Kommunalpolitikern nicht näher äußern. „Wir sind in einer Findungsphase“, sagt sie. Der Bestand der Hochschule sei aber nicht gefährdet. Am Montag folgt eine weitere Stellungnahme von ihr. Es handele sich um „interne und teils vertrauliche Hochschulprozesse“, heißt es da. Sie setze als kommissarische Präsidentin auf interne Kommunikation und das direkte Gespräch mit den Beteiligten.

„Die Cusanus Hochschule blickt auf fünf Jahre erfolgreichen Aufbau zurück“, sagt sie. „Zugleich muss sie nun den Blick auf die kommenden fünf Jahre richten, in denen ihre dauerhafte Etablierung und institutionelle Akkreditierung in der deutschen Hochschullandschaft zu sichern ist. Dafür müssen wir uns weiter professionalisieren. Es ist menschlich, dass dieser Prozess auch Sorgen auslöst“, sagt sie. Konkreter wird Graupe nicht.

Am 1. April tritt der neue Präsident sein Amt an. Reinhard Loske kommt von der Universität Witten-Herdecke an die Mittelmosel. Alex Licht berichtet, dass er mit Loske bereits ein „vertrauliches Gespräch“ geführt habe.

Ulf Hangert, Bürgermeister der Verbandsgemeinde Bernkastel-Kues, verteidigt den Boykott des Jahresempfangs.

„Ich will nicht in der ersten Reihe sitzen und beklatscht werden. Ich will wissen, was da läuft“, sagt er auf TV-Anfrage. Er wisse nur über Dritte, was geplant sei. Für die Hochschule sei das nicht förderlich, ihr guter Ruf könne leiden. „Schade, dass mit uns nicht geredet wird“, sagt Hangert, der genau wie Alex Licht und Wolfgang Port zu den etwa 40 Gründungsinitiatoren der  in freier Trägerschaft geführten Hochschule gehört.

Hangert kann auch nicht nachvollziehen, dass offenbar vor der Amtsübernahme des neuen Präsidenten weitere Fakten geschaffen werden sollen. Er hat Informationen, dass derzeit überhaupt keine Philosophie-Studenten mehr angenommen werden. Hintergrund sei das Geld. Ihm sei gesagt worden, dass die notwendige Finanzierung durch Drittmittel (Spenden und Forschungsaufträge) nur im Studiengang Ökonomie gewährleistet sei.