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Zwei Bank-Chefs nehmen Abschied Auf Bilanzen folgen Bücher Noten und Fahrpläne statt Zahlen

Die Anzugszeit ist für Manfred Günter bald vorbei. 1965 startet er seine Karriere mit einer Banklehre. TV-Foto: Sonja Sünnen
Die Anzugszeit ist für Manfred Günter bald vorbei. 1965 startet er seine Karriere mit einer Banklehre. TV-Foto: Sonja Sünnen
Generationswechsel bei den beiden Genossenschaftsbanken des Kreises Bernkastel-Wittlich: Heute werden mit Manfred Günter (Vereinigte Volksbank Raiffeisenbank Wittlich) und Hubert Hill (VR-Bank Hunsrück-Mosel) gleich zwei Bankvorstände verabschiedet, die die Geschicke ihrer Geldinstitute über Jahrzehnte gelenkt haben. Von unserer Redakteurinnen Ilse Rosenschild und Sonja Sünnen

Bernkastel-Wittlich. Wie es der Zufall will: Am heutigen Freitag endet für Manfred Günter, Vorstandssprecher der Vereinigten Volksbank Raiffeisenbank Wittlich und für Hubert Hill, seinen Amtskollegen bei der VR-Bank Hunsrück-Mosel, das Berufsleben an der Spitze zweier Genossenschaftsbanken.

Zusammengerechnet waren die beiden Männer mehr als ein halbes Jahrhundert Führungspersönlichkeiten der Geldinstitute der besonderen Art, der Genossenschaftsbanken. Beide haben Geschäftsstellenschließungen, Krisen und Fusionen erlebt.

Manfred Günter beispielsweise, der 1982 geschäftsführendes Vorstandsmitglied der damaligen Raiffeisenbank Wittlich wurde, begleitete acht Fusionen.

Das waren die mit Altrich, Landscheid, Bombogen, Bernkastel-Kues, Kröv, Reil-Burg, Alftal und Cochem. Zum Vergleich: 1982 war er für 2460 Mitglieder, 20 Geschäftsstellen und 15 Warenlager bei einer Bilanzsumme von 95 Millionen D-Mark zuständig. Heute zählt die Genossenschaftsbank 15 527 Mitglieder und hat in der Region verteilt 21 Geschäftsstellen, sechs SB-Geschäftsstellen und eine Bilanzsumme von 755 Millionen Euro.

Hubert Hill wurde 1981 einer von zwei hauptamtlichen Vorsitzenden. Er war für 1366 Mitglieder, eine Hauptstelle, fünf Zweigstellen und fünf Warenlager zuständig. Die Bilanzsumme betrug damals 37,6 Millionen DM. In seine Amtszeit fielen die Fusionen mit Gonzerath, Thalfang, Grafschaft (Veldenz), Traben-Trarbach, Zeltingen-Rachtig und Neumagen-Dhron. Heute liegt die Bilanzsumme bei 304 Millionen Euro. Es gibt 13 Geschäftsstellen (inklusive Morbach) und rund 6500 Mitglieder.

Für Hill gibt es übrigens keinen direkten Nachfolger. Von nun an leitet mit Markus Bäumler, August Bollig und Kurt Pfeiffer ein Dreierteam die Bank mit Hauptsitz in Morbach. Bei seiner Verabschiedung erhielt der Wahl-Altricher die Ehrennadel in Gold des Deutschen Genossenschafts- und Raiffeisenverbandes.

Hubert Hill hat heute, Freitag, seinen letzten Arbeitstag. Manfred Günter feiert heute offiziell seinen Abschied. Wittlich. (sos) Das Deutsche Eck im Rücken: Das Bild seiner Koblenzer Heimat hängt hinter Manfred Günters Schreibtisch. Es wird ihn auch im Ruhestand begleiten, der für den 63-Jährige ab Montag beginnt. Und der Mann, dessen Terminkalender stets gefüllt war, plant erstmal nichts - außer einer Ostseekreuzfahrt mit seiner Frau. "Ich hatte immer Pläne. Jahrespläne, Ablaufpläne. Jetzt will ich alles ohne Termindruck auf mich zukommen lassen", sagt Manfred Günter.

"Projekte, Maßnahmen", diese Worte sollen in seinem Privatleben nach der erfolgreichen Karriere nicht mehr wichtig sein. Letztere brachte ihn nach Wittlich. Nach der Banklehre in Koblenz, Bundeswehr und Betriebswirtschaftsstudium wurde Manfred Günter Bankenprüfer in Bonn. Von Kiel bis München war er eingesetzt. "Dann habe ich geheiratet. Wir haben zwei Kinder und es war nicht mehr so optimal, das mit dem Reisen." Klar war für ihn und seine Frau, die aus Moselkern stammt: Das Zuhause sollte im Rheinland sein. Wittlich hat er dazu gezählt. Der Start in der Raiffeisenbank Wittlich 1982 war extrem: Die Bank stand vor der Pleite. "Eineinhalb Jahre war ich allein Vorstand. Das war eine harte Zeit", sagt der Wahl-Wittlicher. Er hat sie gemeistert, und er bleibt "durch und durch Genosse". Er sagt: "Kundengelder in der Region einsammeln, hier wieder ausleihen. Es gibt kein besseres Geschäftsmodell. Man sieht überall, was wir finanziert haben. "

Und was hat er sich vom ersten eigenen Geld finanziert? "Ein Grundig Satellit, ein riesiges Radio mit Langwellenempfang", sagt er. Jetzt will er viel lesen. Vielleicht findet er wieder zur Fotografie, die seit vier Jahrzehnten als Hobby ruht. Der Abschied von der Berufskleidung Anzug fällt ihm nicht schwer. "Die fünf Dunklen kann ich weghängen." Und wie steht's mit dem Kopfrechnen? "Prozentrechnen, das kann ich." Morbach. (iro) Der Schreibtisch ist aufgeräumt. Die Akten sind weitergereicht. Heute schließt Hubert Hill, Vorstandssprecher der VR-Bank Hunsrück-Mosel, zum letzten Mal seine Bürotür hinter sich. Nach 45 Jahren im Bankfach, davon 30 Jahre im Vorstand der VR-Bank, früher Raiffeisenbank Morbach, scheidet der 62-Jährige aus dem aktiven Dienst aus.

An den Tag, an dem er sich im August 1979 in Morbach bewarb, kann er sich noch gut erinnern. Er sollte einen kleinen Vortrag halten, wie er sich eine moderne Genossenschaftsbank vorstellt. Er sprach damals von "Selbsthilfe, Selbstverantwortung und Selbstverwaltung". Den damaligen Vorstands- und Aufsichtsratsmitgliedern muss das Plädoyer für den Genossenschaftsgedanken gefallen haben. Hill wurde zunächst Assistent des Vorstands und 1981 einer von zwei hauptamtlichen Vorständen. Die einschneidendsten Veränderungen in den 45 Jahren Berufsleben waren für ihn die Einführung der elektronischen Datenverarbeitung und des Internets. Dennoch ist für den gebürtigen Piesporter ein "Gespräch durch keine Technik zu ersetzen".

Ein Meilenstein in seiner Laufbahn stand 2001 an: eine Fusion mit der Volksbank Traben-Trarbach, der Raiffeisenbank Zeltingen-Rachtig und der Raiffeisenbank Neumagen-Dhron. Wie bei allen Fusionen galt es aus seiner Sicht, "Kurs zu halten". Diese Fusion von vier Partnern, die innerhalb von sechs Monaten ausgehandelt wurde, sei für ihn die "größte Herausforderung" gewesen. Dass er künftig mehr Zeit für Ehefrau Edith, seine drei erwachsenen Kinder und - vor allem - seine fünf Enkel hat, darauf freut er sich. Statt Bilanzen sollen künftig Noten und Fahrpläne eine größere Rolle in seinem Leben spielen. Er will künftig wieder häufiger mit seiner Bass-Stimme den Männergesangverein in Altrich unterstützen, reisen und schreiben.

Zum letzten Mal nimmt Hubert Hill heute an seinem Schreibtisch in der VR-Bank Platz. TV-Foto: Klaus Kimmling
Zum letzten Mal nimmt Hubert Hill heute an seinem Schreibtisch in der VR-Bank Platz. TV-Foto: Klaus Kimmling