| 17:21 Uhr

Zwei neue Pächter in legendärer Bernkasteler Weinlage "Bernkasteler Doctor"

FOTO: Clemens Beckmann
Bernkastel-Kues. Weine aus dem Bernkasteler Doctor sind eine Besonderheit – nicht nur, was die Historie anbelangt. Alle neun Jahre kann ein kleines Stück gepachtet werden. Für die neuen Besitzer auf Zeit ist es eine Ehre dort tätig sein zu dürfen. Sie zahlen auch einiges dafür. Schließlich gilt die Lage als teuerster Weinberg Deutschlands. Clemens Beckmann

"Hier ward ein Kurfürst am Weine gesund." Wäre diese Aussage wissenschaftlich belegbar, wäre die 3,25 Hektar umfassende Weinlage "Bernkasteler Doctor" unbezahlbar. Denn dem Wein aus dieser Lage eilt der Ruf voraus im Jahr 1360 Kurfürst Boemund geheilt zu haben, der zu dieser Zeit krank auf der Burg Landshut daniederlag und dem scheinbar nichts helfen konnte.

"Dies ist der wahre Doctor", soll er nach seiner Genesung ausgerufen haben. Seither heißt der Wein aus der Lage so. Die erste urkundliche Erwähnung stammt allerdings erst aus dem Jahr 1677.

Königliche Medizin

Verbürgt ist, dass Edward VII. (1841-1910), König von Großbritannien und Kaiser von Indien, den Wein als Medizin zu sich nahm. Gesichert ist auch, dass Geheimrat Julius Wegeler, Mitinhaber der Sektkellerei Deinhard, im Jahr 1900 eine Parzelle zum Preis von 100 Goldmark pro Rebstock erwarb. Seither gilt der Doctor als teuerster Weinberg Deutschlands.
Nur einige wenige Betriebe verfügen in dem Gelände oberhalb der Bernkasteler Altstadt über Besitz. Seit dem 18. Jahrhundert gehört auch die Heilig-Geist-Stiftung dazu, deren Wurzeln bis ins 14. Jahrhundert zurückgehen.

Sie verpachtet die etwa 2600 Quadratmeter große Parzelle in zwei Stücken. Aktuell geschieht dies alle neun Jahre.
Nun bekamen zwei Topwinzer den Zuschlag und können ab dem 1. Januar 2016 frisch ans Werk gehen. Thomas Haag (Weingut Schloss Lieser, Lieser) steigerte das größere Stück, Markus Molitor (Haus Klosterberg, Wehlen) den kleineren Teil. Interessant wird es beim Preisvergleich: Vor neun Jahren ging die größere Einheit für 5,50 Euro pro Quadratmeter weg, die kleinere für 5,30 Euro. Dieses Mal sind es acht beziehungsweise 7,50 Euro. Ein klares Indiz für die Bedeutung der Lage und den Wunsch dort Trauben zu ernten.

Thomas Haag muss nun neun Jahre lang jeweils mehr als 11.000 Euro an die Heilig-Geist-Stiftung überweisen. Bei einem von ihm errechneten Ertrag von 800 bis 1000 Flaschen pro Jahr ist eines schon klar: Für zehn Euro wird der Wein bei keinem der Winzer zu haben sein. Da müssen sicher noch ein paar Scheine draufgelegt werden.

Gerade das ist es aber, was die Heilig-Geist-Stiftung nach den Worten ihres Vorsitzenden Wolfgang Port auch will: Winzer, die nicht nur sehr guten Wein machen, sondern auch das Renommee haben, problemlos so viel Geld zu bekommen.
"Wir wollen, dass der Name hochgehalten wird", sagt Port. Als Stadtbürgermeister ist er auch automatisch Vorsitzender des elfköpfigen Verwaltungsrates der Stiftung.

Thomas Haag und Markus Molitor spielen in der höchsten Liga. Sie gehören zu den besten Rieslingproduzenten überhaupt, werden mit Auszeichnungen überhäuft und genießen Weltruf. Sie werden für den Doctor Spitzenpreise erzielen.

Schon viele Rückmeldungen

"Der Doctor ist eine absolute Legende. Es ist eine Ehre dort Weinberge zu haben", sagt Markus Molitor fast ehrfürchtig.
Thomas Haag denkt ähnlich. "Der Ruf der Lage wird weltweit transportiert", sagt er. Kaum sei die Meldung von der Versteigerung bekannt gewesen, habe er schon viele Rückmeldungen und erste Reservierungsanfragen bekommen.
Der Winzer sieht das aber ganz nüchtern und entspannt. "Erst einmal muss ich in den Weinberg, den Stil und das Terroir kennenlernen", sagt er. Vor dem Lohn komme die gewissenhafte Arbeit. Und die wird in der Lage fast ausschließlich per Hand gemacht. Ein großer Maschineneinsatz ist nicht möglich.

Die Heilig-Geist-Stiftung tut mit den Pachteinnahmen übrigens viel Gutes. Sie setzt das Geld für caritative Zwecke ein und hilft bedürftigen Menschen. Auch die Heilig-Geist-Kirche im Stadtteil Bernkastel und ein Wohnhaus werden aus Mitteln der Stiftung unterhalten.