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Justiz
Tödlicher Unfall an der Mosel: Prozess gegen Hot-Rod-Fahrer begonnen

FOTO: Friedemann Vetter
Bernkastel-Kues. Das Schöffengericht Bernkastel-Kues verhandelt den Tod zweier Motorradfahrer. Der angeklagte Fahrer eines Hot Rods kann sich an das Geschehen nicht erinnern. Von Clemens Beckmann
Clemens Beckmann

Es ist der erste schöne Tag im Jahr 2017. Am 11. März, einem Samstag, machen viele Motorradfahrer die erste Ausfahrt. Für zwei von ihnen, Vater und Sohn, endet sie tragisch. Sie sterben auf der B 53 zwischen Bernkastel-Kues und Andel. Die Sozia auf der Maschine des Sohnes überlebt schwerverletzt. Die Motorräder sind in die Beifahrerseite eines entgegenkommenden Autos gekracht. Dessen Fahrerin wird verletzt. Mutmaßlicher Unfallverursacher ist ein Mann aus Bernkastel-Kues, der mit einem Hot Rod, einem 430 PS starken Gefährt, in Richtung Andel unterwegs ist. Er soll, nachdem er die Motorräder überholt hat, so stark beschleunigt haben, dass das Heck seines Wagens ausbricht. Es kommt zur Kollision mit dem Auto einer Frau. Ihr Fahrzeug stellt sich quer. Die Biker können nicht ausweichen und prallen dagegen. „Der Unfall wäre vermeidbar gewesen“, sagt Staatsanwältin Susanne de Renet vor dem Schöffengericht Bernkastel-Kues. „Der Angeklagte hat die Freude am schnellen Fahren über die Sicherheitsbedürfnisse anderer gestellt.“

„Ich empfinde tiefes Mitgefühl und Mitleid“, sagt der 35-Jährige. „Ich denke jeden Tag an das Geschehen.“ Er hätte auch gerne ein Gespräch mit den Angehörigen geführt. Das hätten die aber nicht gewollt.

Der Unfallhergang aus seiner Sicht: Er sei an der Ampel am Burgbergtunnel hinter den Bikern gewesen. In der Folge hätte ihn einer der beiden dreimal mit der Hand zum Vorbeifahren aufgefordert. Zweimal sei die Sicht schlecht gewesen. Schließlich habe er aber überholt. Was dann geschehen sei, wisse er nicht mehr. Sein Erinnerungsvermögen habe erst wieder eingesetzt, als er zum Stehen gekommen sei und den Notruf betätigt habe. „Ich glaube aber, dass ich das Fahrzeug nicht extrem beschleunigt habe“, sagt er. Er sei auf einer Probefahrt gewesen, weil er das Gefährt verkaufen wollte. Der Heizungsbauer betreibt noch einen Autohandel.

Die Sozia tritt als Nebenklägerin auf. Beide Motorräder seien langsam gefahren, sagt sie. Hinter der Ampel habe der Angeklagte begonnen zu drängeln und den Motor mehrfach aufheulen lassen. Weder sie noch ihr Freund noch dessen Vater hätten Zeichen zum Überholen gegeben. Vor dem Überholvorgang sei der Angeklagte dicht aufgefahren und auch sehr schnell gewesen.

Sie habe sich schwere Verletzungen zugezogen und könne ihren Beruf nicht mehr ausüben, berichtet die junge Frau. Außerdem habe ihre Psyche stark gelitten. Sie sei seither in Behandlung. Auch die Ehefrau und Mutter tritt als Zeugin auf, obwohl sie bei dem Unfall nicht dabei war. „Das Leben hat sich grundlegend geändert. Es fehlen zwei Menschen“, sagt sie gefasst. Sie sei noch nicht in der Lage auf das Gesprächsangebot des Angeklagten einzugehen. Genauso hatte sich die Freundin ihres toten Sohnes geäußert.

Auch die Fahrerin des entgegenkommenden Autos war in psychiatrischer Behandlung. Das Heck des Wagens des Angeklagten sei ausgebrochen, berichtet sie. „Ich konnte nicht mehr ausweichen.“ Sie habe nach dem Zusammenstoß versucht vor der Leitplanke zum Stehen zu kommen. „Dann habe ich nur noch einen Knall mitbekommen.“ Das war der Aufprall der Motorräder.

Eine vor ihr fahrende Frau berichtet, der Wagen des Mannes sei ihr „entgegengeflogen“. Sie habe nach rechts steuern müssen, um einen Zusammenstoß zu vermeiden. Sie habe es krachen hören und im Rückspiegel eine Rauchwolke gesehen

Lange beschäftigt sich das Gericht mit dem Geschehen an der Ampel. Der Angeklagte sei ganz nahe an die Biker herangefahren. Sein Verhalten habe provozierend gewirkt, das Szenario bedrohlich, sagen Zeugen. Das Auto sei sehr laut gewesen, aber sonst habe es nichts Auffälliges gegeben, sagen andere. Die einen sagen, die Ampel hätte Grün gezeigt, die anderen wollen Rot gesehen haben. Alkohol sei nicht im Spiel gewesen, sagt der Polizist, der als einer der Ersten am Unfallort gewesen ist.

Der Prozess wird am  25. Mai  fortgesetzt. Dann kommen ein Gutachter und ein Sachverständiger zu Wort.