1. Region

Nach AKK-Rückzug - Das sagen die regionalen CDU-Parteimitglieder nach der Hiobsbotschaft

Katerstimmung bei der CDU : Nach AKK-Rückzug - Das sagen die regionalen Parteimitglieder nach der Hiobsbotschaft

Die Nachricht schlug am Montag ein wie eine Bombe: CDU-Parteichefin Annegret Kramp-Karrenbauer wird den Parteivorsitz zurückgeben. Wir haben die regionale Parteiprominenz gefragt, wie sie den angekündigten AKK-Rückzug kommentiert.

Vor einem Monat schien die Welt noch in Ordnung: Als Annegret Kramp-Karrenbauer beim Neujahrsempfang der Bitburg-Prümer Christdemokraten auftrat, war der Andrang groß. Über 800 Zuhörer ließen das Bitburger Hotel Eifelbräu buchstäblich aus den Nähten platzen. Die Stimmung war gut, die CDU-Bundesvorsitzende plauderte aus dem privaten Nähkästchen und erzählte von ihren jährlichen Aufenthalten als Kind  in der Vulkaneifel.

Gut vier Wochen später ist die Laune bei Kramp-Karrenbauer und weiten Teilen der Partei im Keller. Mit ihrer Rücktrittsankündigung sorgte die 57-jährige Saarländerin am Montag für die politische Schlagzeile zu Wochenbeginn. Mit diesem Schritt hatten wohl nur die wenigstens in der CDU gerechnet. Der Eifler CDU-Landtagsabgeordnete Michael Billen schon. „Ich war von der Entscheidung nicht überrrascht“, sagt Billen unserer Zeitung. AKK habe erkannt, dass es nicht der richtige Job für sie ist, sagt der Bitburg-Prümer Kreisvorsitzende, der Kramp-Karrenbauer Respekt zollt.Billens Forderung: Kanzlerkandidatur und Vorsitz gehörten in eine Hand. Und: Freie Abgeordnete ließen sich von eienr Partei nicht bevormunden, sagt der scheidende Landtagsabgeordnete mit Blick auf die Situation in Thüringen.

Mit Respektbekundungen und mahnenden Worten reagierten CDU-Politiker aus der Region  am Montag auf die Rücktrittsankündigung von Parteichefin Annegret Kramp-Karrenbauer.

Der Trier-Saarburger Bundestagsabgeordnete Andreas Steier sagte unserer Zeitung, er habe größten Respekt vor der Leistung Kramp-Karrenbauers als Parteivorsitzende und ihrer Entscheidung. Steiers Forderung: „Wir müssen eine klare bundespolitische Linie finden.“ Die Thüringen-Debatte habe gezeigt, dass die CDU Einigkeit herstellen müsse. Das gehe nur in der innerparteilichen Debatte zu Sachthemen und zum grundsätzlichen Umgang mit Populisten. Namen für die Nachfolge wollte Steier nicht nennen. Grundsätzlich sei er aber fest davon überzeugt, dass die Menschen in Deutschland die ständigen Personal-Debatten satt hätten und lieber wissen wollten, wofür welche Partei stehe.

Der Cochemer CDU-Bundestagsabgeordnete Peter Bleser sagt, mit ihrer Entscheidung zeige Annegret Kramp-Karrenbauer Größe. Sie stelle die CDU über ihre eigenen Interessen. „Ich hoffe, dass wir jetzt einen Konsenskandidaten finden, der mit deutlicher Sprache unsere politischen Ziele formuliert und weiterhin klar von der AfD abgrenzt“, sagte Bleser.

Nach Meinung des Vulkaneifeler Landtagsabgeordneten Gordon Schnieder wurde in den letzten Wochen zunehmend erkennbar, dass AKK nicht den nötigen Rückhalt in der Partei habe. Dennoch habe ihn der Zeitpunkt der Rücktrittsankündigung überrascht. Schnieder sagte, jetzt sei nicht der Zeitpunkt, um über mögliche Favoriten zu spekulieren. „Wir brauchen jetzt eine inhaltliche Konstante und einen klaren Zusammenhalt, um die anstehenden Fragestellungen zu klären.“ Was die CDU jetzt nicht brauche, seien andauernde und öffentliche Personaldiskussionen.

Der stellvertretende CDU-Vorsitzende im Eifelkreis Bitburg-Prüm, Michael Ludwig, sagte, die Entscheidung von AKK zum jetzigen Zeitpunkt halte er für falsch und für die Partei höchst unglücklich. Es sei sehr bedauerlich, dass die unseligen Ereignisse in Thüringen offensichtlich so weitreichende Konsequenzen hätten. Nach Meinung Ludwigs darf es nicht sein, dass Personaldiskussionen das politische Handeln in unserem Land lähmten.

Der Trierer CDU-Vorsitzende Thorsten Wollscheid spricht von einem „überraschenden Schritt“ Kramp-Karrenbauers. „Deswegen tun wir als CDU gut daran, eine kurze Atempause einzulegen, um einen geordneten Übergang zu schaffen. Wollscheid ist dafür, dass Parteivorsitz und Kanzlerkandidatur in einer Hand liegen.

Die rheinland-pfälzische CDU-Vorsitzende Julia Klöckner, zugleich Bundes-Vize ihrer Partei, und Landesfraktionschef Christian Baldauf veröffentlichten am Montag eine gemeinsame Erklärung zum angekündigten Rücktritt AKKs. Darin wird der Entschluss Kramp-Karrenbauers, nicht als Kanzlerkandidatin anzutreten und den Prozess der Findung zu steuern, als souverän bezeichnet. Die scheidende Vorsitzende habe die Schwesterparteien CDU und CSU wieder näher zusammengebracht und klar ihre Position formuliert: Mit der CDU Deutschlands gebe es weder eine Zusammenarbeit mit der AfD noch mit der Linkspartei. Das haben die Bundesgremien nach Angaben von Klöckner und Baldauf am Montag heute nochmals einstimmig unterstützt. Wer die Union in die kommende Bundestagswahl führen werde, bestimme die Partei in Ruhe auf einem Bundesparteitag. „Wir werden deutlich machen, was christdemokratische Politik für die Gesellschaft und ihren Zusammenhalt leistet“, betonten die beiden rheinland-pfälzischen CDU-Spitzenpolitiker. Empfehlungen aus der SPD nehme man mit Humor zur Kenntnis.  Wer so häufig seine Vorsitzenden wechsele, könne schwer als Ratgeber ernstgenommen werden.