1. Region

Nach der Amokfahrt in Trier: Wie können wir damit umgehen?

Die Woche im Blick : Nach vorne schauen – ohne die Opfer jemals zu vergessen

Einige Tage sind vergangen. Tage, in denen die Gedanken kreisten: Warum? Wieso? Können wir das vergessen? Wie kann eine Stadt, eine Region damit umgehen?

Es gibt viele Fragen, und die meisten kann jeder nur für sich selbst beantworten. Etwa, wie es sich anfühlt, nun in Trier unterwegs zu sein. Meine eigene Antwort darauf: Am Abend nach der Tat lief mir ein Schauer über den Rücken beim Anblick der Markierungen. Die Erinnerung an die Opfer, an das Leid ließ mir die Tränen in die Augen fahren. In den nächsten Tagen spürte ich einen bemerkenswerten Zusammenhalt. Gemeinsames Trauern kann helfen – selbst wenn es mit Menschen ist, die einem zum ersten Mal begegnen.

Habe ich mich unsicher gefühlt in der Fußgängerzone? Nein, kein bisschen. Ich persönlich fühle mich gut aufgehoben in dieser Stadt, dieser Region, tagsüber und nachts. Aber es ist verständlich, wenn es Menschen derzeit anders geht. Jeder muss für sich entscheiden, wann er wo unterwegs ist. Ein Händler in der Innenstadt erzählte mir mehr über die Ängste der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, aber ebenso die eigenen, auch wegen der ausbleibenden Geschäfte. Er hat aber ebenso Verständnis für die Menschen gezeigt, die derzeit nicht kommen. Es macht das Einfühlungsvermögen Betroffener deutlich. Und es ist nun einmal so, wie es Pater Aloys Hülskamp bei uns gesagt hat: „So, wie Sie jetzt empfinden, dürfen Sie empfinden“.

Wir als Redaktion denken darüber nach, welche Rolle wir einnehmen. Und wir wollen Ihnen dies offen erläutern: Zu allererst sind wir die sachlichen Begleiter. Wir informieren, was passiert ist. In diesem Sinne können Sie bei uns lesen, wie der Polizeieinsatz erfolgte – und damit ebenso, wie die Tat ablief. Wir haben mit uns gerungen, wie wir mit diesem Text umgehen, haben Details weggelassen, aber den Artikel als wichtig eingeordnet.

Wir sind aber ebenso die empathischen Einordner, zumindest versuchen wir das. Der Blick auf den Umgang mit dem Leid, die Hilfsangebote, die Frage, wie Eltern über das Ereignis mit ihren Kindern sprechen können. All dies fanden oder finden Sie bei uns, gedruckt und zum Nachlesen auf volksfreund.de

Aber sollten wir als Medienhaus die Stimmung bewusst beeinflussen? Ist es unsere Aufgabe, nur noch nach vorne zu blicken? Ich bin da zurückhaltend – obwohl klar ist: Wir sind nicht immer die rein sachlichen Nachrichtenmenschen, und es ist gut, wenn wir immer wieder das Positive suchen und Haltung zeigen. Wir versuchen auch Antworten zu finden. Wie kann die Region, wie kann Trier nach vorne schauen? Die Adventszeit wird eine ruhigere werden, ruhiger noch als sie coronabedingt sowieso schon gewesen wäre.

Aber was kommt dann? Wie etwa gehen Sie, liebe Leserinnen, liebe Leser, mit dem Erlebten um? Wir werden Sie in den nächsten Tagen einladen, uns zu schreiben, was sie bewegt, wie sie diese Tage verarbeiten, was Ihnen Mut macht? Wenn Sie wollen, können Sie uns dazu an echo@volksfreund.de mailen. Und vielleicht finden wir gemeinsam Ideen zum Austausch?

Das ist übrigens ausdrücklich keine Aufforderung, das Geschehene zu vergessen oder gar die Opfer aus dem Blick zu lassen. Dies werden wir alle niemals zulassen. Ich bin mir aber umso sicherer: Diese Region, diese Stadt ist stark genug, um diese furchtbaren Tage durchzustehen und nicht aufzugeben. Lassen Sie sich nicht unterkriegen und bleiben Sie vor allem immer eines: Menschen mit Gefühlen und Emotionen und mit Herz!

t.roth@volksfreund.de