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Nach der Amokfahrt in Trier - Wir trauern gemeinsam

Leitartikel nach der Amokfahrt in Trier : Eine Stadt unter Schock – Wir trauern gemeinsam

Es ist schwer, eigentlich fast unmöglich nach solch einem Tag die richtigen Worte zu finden. Eine furchtbare Tat hat mindestens fünf Menschenleben gefordert. Andere kämpfen im Krankenhaus. Und wir hoffen gemeinsam vor allem darauf, dass sie diesen Kampf gewinnen.

Unser erster Gedanke gilt daher den Opfern und ihren Liebsten, den Verletzten und allen, die immer noch geschockt sind. Wir trauern mit Ihnen!

Fünf Menschen sind tot. Ein Baby, eine junge Frau (25), ein Mann (45), eine Frau (52) und eine Seniorin (73) – am Abend gab die Polizei bekannt, dass es ein weiteres Opfer gibt, hier sind noch keine weiteren Informationen bekannt. Sie alle waren an einem Tag in der Innenstadt unterwegs. In der Fußgängerzone, normalerweise einer der sichersten Orte in der Stadt Trier. Ich will an dieser Stelle einfach nicht über den Täter schreiben, obwohl es journalistisch angebracht ist, die Hintergründe aufzuklären und darüber zu berichten. Natürlich sehen wir dies als unsere Aufgabe an und wir erfüllen diese, selbst wenn es meinen Kolleginnen und Kollegen und mir selbst schwer fällt. Wenn Sie sich dafür interessieren, finden Sie mehr dazu etwa hier.

Wie gehen wir alle mit solchen Nachrichten um? Oberbürgermeister Wolfram Leibe sprach heute von dem „schwärzesten Tag“ in Trier seit dem Zweiten Weltkrieg. Dem Stadtchef war die Betroffenheit anzumerken. Als er am Nachmittag über den Tod des jungen Mädchens sprach, stockten ihm mehr als nachvollziehbar die Worte. Er trauerte sichtlich und er bedankte sich für die Solidarität, für die herzlichen Worte und Hilfsangebote etwa aus Luxemburg und Saarbrücken. Damit fand er die richtigen Worte an einem solch schweren Tag.

Gerade mit Blick nach vorne kann die Gemeinsamkeit helfen. Gemeinsam reden, weinen, schweigen – all dies sollten wir in diesen Tagen, Wochen, Monaten zulassen. Was wir nicht zulassen sollten, ist nun überall Gefahren zu vermuten. So seltsam es nach einem solchen Tag klingt: Wir leben in einer Gegend, die liebens- und lebenswert ist. Wir leben in einer Gegend, in der wir glücklicherweise selten über schwere Gewalttaten berichten müssen. Es zeigt sich an einem Tag wie heute, dass es keine absolute Sicherheit gibt. Wer jetzt darüber sinniert, dass die Innenstadt besser geschützt werden muss, muss eines bedenken. Es wird immer Lücken geben, wenn jemand etwas Furchtbares im Sinn hat.

Die Tat muss und wird aufgearbeitet werden. Die Ermittler haben dazu über Stunden die Spuren gesichert. Möglicherweise wird mehr über die Hintergründe bekannt, vielleicht bleibt vieles aber ebenso ungewiss – und belastet uns weiter. Mir ist es wichtig, Ihnen an dieser Stelle eines zu versichern: Wir werden nicht über haltlose Spekulationen berichten. Unser Auftrag ist es, selbst nach solch einem schrecklichen Tag sachlich zu informieren. Er ist es aber etwa nicht, jedes Bild zu veröffentlichen. Wir haben uns heute sehr schwer getan, die Fotos auszuwählen. Einerseits halten wir es für richtig zu zeigen, welche Spuren die Tat hinterlassen hat. Andererseits gibt es Details, die nicht gezeigt werden müssen. Richtig und falsch – das gibt es gerade jetzt bei solchen Fragen nicht. Und auch in den nächsten Tagen werden wir – ebenso wie alle, die gerade ihrer Arbeit nachgehen – nicht alles richtig machen.

Und dennoch: Wenn wir alle gemeinsam in dieser schweren Zeit miteinander respektvoll umgehen und uns immer wieder daran erinnern, wie wichtig dies für unser Miteinander und unser Seelenheil ist, werden wir einerseits immer wieder traurig an die Opfer denken und doch der Wut, die gerade durchaus verständlich ist, keinen Raum geben. Ganz in in diesem Sinne gab es heute Abend schon einen Gottesdienst. Und ganz in diesem Sinne wird es in den nächsten Tagen an der Porta Nigra eine Möglichkeit geben, der Trauer Raum zu geben. Das ist der richtige Weg, um respektvoll mit Blick auf die Opfer zurückzublicken, und dennoch zusammen zu stehen.

In diesem Sinne wünsche ich allen, die es gerade besonders benötigen, viel Kraft!

t.roth@volksfreund.de