Kriminalität: Nach halsbrecherischer Flucht klicken die Handschellen

Kriminalität : Nach halsbrecherischer Flucht klicken die Handschellen

Die Panzerknacker sind schwer zu schnappen. Aber manchmal gelingt es dennoch.

Die halsbrecherische Verfolgung ging durch mehrere Bundesländer und endete nach mehreren Stunden an einem frühen Freitagmorgen Ende Mai  in der Nähe von Worms. Nachdem das Fluchtauto mit einem Polizeiwagen kollidiert war, konnten die beiden Gangster geschnappt werden. Sie hatten gegen 4 Uhr im 300 Kilometer entfernten bayerischen Fürth einen Geldautomaten gesprengt und waren mit der Beute in einem dunklen Fahrzeug Richtung Autobahn geflüchtet. Die von Anwohnern alarmierte Polizei verfolgte die Panzerknacker mit mehreren Streifenwagen und einem Hubschrauber. Letztlich erfolgreich, wie die Festnahme bei Worms zeigt.

Es ist eine Ausnahme. Denn in den meisten Fällen gelingt den Automatenknackern die Flucht; wie in der Nacht zum 22. Mai in Salmtal (Kreis Bernkastel-Wittlich) oder eine knappe Woche zuvor in Trier-West. Dort hatten unbekannte Täter im Eingangsbereich des Edeka-Marktes einen Geldautomaten in die Luft gejagt und waren danach in einem silberfarbenen Fluchtfahrzeug Richtung Autobahn davongebraust. Dabei hatten die Gangster noch Glück, dass sie einer entgegenkommenden Polizeistreife entwischen konnten.

Für die meisten Sprengungen in der Region werden Banden aus dem nordafrikanischen Raum verantwortlich gemacht, deren Mitglieder überwiegend in den Niederlanden leben. Auch die bei Worms festgenommenen Tatverdächtigen sollen nach Informationen unserer Zeitung in Holland leben. Die wegen ihres Hangs zu schnellen Autos auch Audi-Bande genannte Gruppierung hat nach Erkenntnissen der Ermittler gut 200 Mitglieder. In Mainz wird derzeit laut Landeskriminalamt einer Gruppe Niederländer der Prozess gemacht, die zahlreiche Geldautomaten in Rheinland-Pfalz, Hessen und Baden-Württemberg gesprengt haben sollen.

Dennoch sind Ermittlungserfolge gegen die Panzerknacker eher die Ausnahme. Und nach Festnahmen in den Panzerknackerbanden frei werdende Stellen würden rasch wiederbesetzt, sagen Fahnder. Umso wichtiger sei es, dass alles unternommen werde, um den Gangstern das Handwerk zu erschweren. „Genau daran hapert’s“, kritisieren nahezu einmütig die rheinland-pfälzischen Polizeigewerkschaften.

Viele Banken unternähmen längst nicht alles, um die Sicherheit ihrer Geldautomaten zu erhöhen, sagt etwa der Vize-Chef der Polizeigewerkschaft GdP, Bernd Becker. Er fordert, dass die sogenannte Einfärbetechnik zur Standardausrüstung der Automaten gehöre müsse. Weil sie aber teuer sei, machten die Banken davon nur zurückhaltend Gebrauch, vermutet der GdP-Vize. Auch DPolG-Landesvorsitzender Benno Langenberger plädiert für den Einsatz sogenannter Security Packs (Sicherheitspäckchen), die das Geld beim Sprengen oder Aufbruch des Geldautomaten unbrauchbar machten.

Zudem sollten alle Bankomat-Standorte mit kamera­unterstützten Alarm- und Überwachungsanlagen ausgerüstet werden, deren Aufzeichnungen bei rund um die Uhr mit Personal besetzten Stellen aufliefen. Von dort könnten dann rasch Abwehrmaßnahmen ausgelöst werden, sagt Gewerkschaftsfunktionär Bernd Becker.

Der Bund Deutscher Kriminalbeamter fordert darüber hinaus, dass Geldautomaten nur noch in verschließbaren Räumen aufgestellt werden dürfen, die „in tatkritischen Zeiten“, also zwischen 3 und 5 Uhr,  auch wirklich abgeschlossen werden, so bdk-Landesvorsitzender Christian Soulier. Um Geld zu sparen, würden die Banken immer mehr Filialen schließen und die Geldautomaten irgendwo frei­stehend aufbauen. Damit hätten die Panzerknacker oftmals leichtes Spiel.

Die Banken weisen solche Vorwürfe zurück. Laut Cornelia Schulz vom Bundesverband der Deutschen Volks- und Raiffeisenbanken gehören Sicherungsmaßnahmen wie Einbruchmeldetechnik, Videoübertragung, Vernebelungsanlagen oder Einfärbesysteme längst zum Standard. Ebenso die nächtliche Schließung besonders gefährdeter Standorte, sagte Schulz unserer Zeitung.

Auch der rheinland-pfälzische Sparkassenverband verweist darauf, dass schon heute Selbstbedienungsfoyers an besonders gefährdeten Standorten in der Nacht geschlossen würden.

Foto: TV/Florian Blaes

Die Panzerknacker lassen sich von solchen Maßnahmen aber kaum abhalten: In Salmtal und auch andernorts schlugen oder rammten die Täter die Eingangstüren einfach ein, um sich anschließend um den Automaten zu kümmern.

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