Nach Kampfjet-Absturz in der Eifel: Giftiger Treibstoff im Boden?

Kostenpflichtiger Inhalt: Verunreinigung : Nach Kampfjet-Absturz in der Eifel: Giftiger Treibstoff im Boden?

Nach dem Absturz eines US-Kampfjets bei Zemmer-Rodt im Kreis Trier-Saarburg hat lange Zeit Rätselraten geherrscht, ob der Boden und das Wasser in dem Waldgebiet möglicherweise verunreinigt sind. Dort war am 8. Oktober die von der Airbase Spangdahlem gestartete F 16 zerschellt.

Das von der Bundeswehr unmittelbar nach dem Unglück in Auftrag gegebene Gutachten sollte zwar an die zuständigen deutschen Stellen gehen. Doch zunächst wurden die Ergebnisse unter Verschluss gehalten „zum Zwecke der Beweisaufnahme und Sicherung“, wie es seitens der Bundeswehr heißt.

Zwar gaben die Trierer Stadtwerke relativ schnell Entwarnung, was deren Trinkwasserbrunnen in unmittelbarer Nähe der Absturzstelle angeht. Die Laboruntersuchungen durch den Wasserversorger konnten keine Belastung des Trinkwasser nachweisen. Auch die Werke der Verbandsgemeinde Trier-Land haben, laut Bürgermeister Michael Holstein, seit dem Absturz fortlaufend Wasserproben entnommen. Man habe keine ungewöhnlichen Veränderungen in der Trinkwasserqualität oder im Grundwasser feststellen können, sagt Holstein gegenüber unserer Zeitung. „Unser Trinkwasser entspricht nach wie vor der Trinkwasserverordnung.“ Die Verbandsgemeinde werde auch weiterhin Trinkwasseruntersuchungen kontinuierlich durchführen, „um bei Auffälligkeiten direkt reagieren zu können“

Der 13 Seiten umfassende  „umweltgeologische Kurzbericht“ der Bundeswehr, der unserer Zeitung vorliegt, zeigt aber, dass es doch zu, wenn auch geringen, Verunreinigungen gekommen ist. Das hochgiftige Hydrazin konnte in einer Bodenprobe nachgewiesen werden, ein „minimal erhöhter“ Wert sei gemessen worden, heißt es in dem Bericht.

Kampfjets vom Typ F 16 führen einen Tank mit dem hochgiftigen, ätzenden Stoff an Bord. Er dient als Ersatztreibstoff, wenn bei einem Notfall alle Systeme ausfallen. Mit Hydrazin wird Notstrom erzeugt, um die Steuerungsfähigkeit des Flugzeuges für bis zu zehn Minuten zu erhalten. Der General Flugsicherheit der Bundeswehr hatte nach dem Absturz das bundeswehreigene Zentrum für Geoinformationswesen in Euskirchen damit beauftragt, den Boden und das Wasser in dem Waldgebiet bei Zemmer-Rodt zu untersuchen. Wie aus dem Bericht hervorgeht, wurden diese Proben an drei Tagen genommen und durch ein Umweltlabor in Trier ausgewertet. Insgesamt seien sieben Wasser- und sechs Bodenproben (diese im Radius von 300 Metern um die Absturzstelle) genommen worden. Die Ergebnisse der Wasserproben hätten „keine bedenklichen Messwerte“ ergeben, alle Werte lägen unterhalb der Bestimmungsgrenze des Labors, heißt es in dem Bericht.

Laut dem Bundeswehrgutachten wurde der Kampfjet bei dem Absturz „in kleinste Einzelteile zerlegt“. Diese seien „überall in dem Bereich der Absturzstelle“ auf einem Gebiet von zwei Quadratkilometern verstreut gewesen. Der Hydrazintank sei nach Aussagen der zuständigen Feuerwehr und der Militärpolizei der US-Airbase Spangdahlem vollständig verbrannt. Um die Freisetzung des giftigen Stoffes einzudämmen, hätten Kräfte der Airbase Spangdahlem nach dem Absturz ein Bindemittel versprüht. Auch Messungen auf radioaktive Stoffe in der Luft seien durchgeführt worden. Trotzdem konnten in einer Bodenprobe 0,012 Milligramm pro Liter nachgewiesen werden. Und das könnte, so das Gutachten, durchaus auch zu einer Gefährdung des Trinkwassers führen.

Unmittelbar an der Absturzstelle fließt der Winterbach, dieser mündet in die Kyll. Aus dieser beziehen die Trierer Stadtwerke einen Teil ihres Trinkwassers. Unmittelbar an die Absturzstelle grenzen zwei Trinkwasserzonen. Das Gutachten schließt eine „minimale Gefährdung des Grund- und Oberflächenwassers durch Hydrazin“ nicht aus und empfiehlt eine „langfristige Studie über eine weitere mögliche Kontaminationsausbreitung in Boden und Gewässer“. Sollte eine Verunreinigung Wochen nach dem Absturz nachgewiesen werden, so sollten Grundwasser- und Bodenluftmessstellen errichtet werden.

Der Bund für Umwelt- und Naturschutz (BUND) Rheinland-Pfalz warnt vor weiteren Umweltgefahren durch den Absturz. Er fordert eine gründliche Untersuchung auf alle möglichen Verunreinigungen. Agnes Tillmann-Steinbuß, für die Region Trier zuständiges BUND-Vorstandsmitglied, fordert eine öffentlich zugängliche genaue Rekonstruktion des Unfallhergangs, um Folgen zukünftiger Abstürze besser vorbeugen zu können. Es dürfe nichts vertuscht werden.

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