Nach Kampfjet-Absturz in Zemmer: Schäden wohl größer als bisher bekannt

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Der zuständige Förster befürchtet Belastungen von Holz und Boden durch ausgetretene Gefahrstoffe. Unklar ist, ob der hochgiftige Hydrazin-Tank tatsächlich verbrannt ist.

Möglicherweise sind die Schäden nach dem Absturz eines US-Kampfjets Anfang Oktober bei Zemmer-Rodt (Trier-Saarburg) größer als angenommen. Fast ein Kilometer lang ist die Schneise, die die F-16 in das Waldstück geschlagen hat. Zwei Hektar Wald sind zerstört worden, zahlreiche Bäume sind verbrannt, als der von der US-Airbase Spangdahlem gestartete Kampfjet nach dem Absturz zerschellte und in Flammen aufging. Der Pilot hatte sich zuvor mit dem Schleudersitz gerettet, die Maschine ist dann fast zehn Kilometer führerlos weitergeflogen, bis sie in den Wald stürzte. Warum es zu dem Unglück kam, ist weiter unklar. Laut Auskunft der Airbase verfügte das Flugzeug über eine Boden-Kollisions-Warnung.

Der zuständige Revierförster Thomas Grünhäuser vermutet, dass über 1000 Festmeter Holz zerstört worden sind. Und nicht nur das: Er befürchtet, dass die bei den Aufräumarbeiten abgesägten Stämme durch Rückstände wie Öl oder Kerosin verunreinigt sein könnten. In diesem Fall müssten das Holz und die restlichen Baumstümpfe als Sondermüll entsorgt werden.

„Wer trägt die Kosten dafür?,“ fragt der Ortsbürgermeister von Zemmer-Rodt, Edgar Schmitt. Möglicherweise müsse auch der Boden an der Absturzstelle abgetragen werden, meint Ralf Karst. Der Inhaber eines Ingenieurbüros in Bitburg vertritt die Interessen der zwölf Besitzer von Waldflächen, darunter auch die Gemeinde Zemmer-Rodt und der Landesforst, an der Absturzstelle. Sie befürchten, dass der Boden verunreinigt sein könnte. Karst geht davon aus, dass es sich um mehrere Hundert Kubikmeter Erde handelt, die dann womöglich jahrelang mit unzähligen LKW abtransportiert werden müsste.

Die US-Airbase hat am Waldrand neben der Absturzstelle eine Box aufgestellt, in die gefundene Flugzeugteile eingeworfen werden sollen. Foto: Bernd Wientjes

Obwohl ein Gutachten der Bundeswehr nur geringe Spuren des in F-16-Kampfjets als Nottreibstoff verwendeten hochgiftigen Hydranzis nachgewiesen haben, bezweifeln die Waldbesitzer das. An der Absturzstelle selbst ist auch zwei Monate nach dem Unglück noch immer ein starker Geruch von Öl oder Treibstoff wahrzunehmen. Unklar ist auch, ob der Hydrazin-Tank – wie in dem Gutachten geschildert – tatsächlich verbrannt ist.

Das Gutachten beruft sich dabei auf Aussagen der Feuerwehr. Doch laut Jürgen Cordie, Wehrleiter der Feuerwehr Trier-Land, war keine deutsche Feuerwehr an der Absturzstelle, diese sei den Einsatzkräften zunächst gar nicht bekannt gewesen. Daher sei es möglich, dass sich der Hydranzintank noch im Boden an der Absturzstelle befindet, meint Karst.

Schmitt kündigt an, das die Gemeinde eigene Bodenproben nehmen will. „Wir wollen wissen, ob es Belastungen gibt, und wie gefährlich die möglicherweise sind.“ Die Kreisverwaltung Trier-Saarburg sieht nach dem Gutachten der Bundeswehr keinen zusätzlichen Handlungsbedarf für Wasser- oder Bodenproben.

Die Waldbesitzer fordern eine Entschädigung. Zuständig dafür ist laut Nato-Truppenstatut der Bund, genauer gesagt die Schadensregulierungsstelle der Bundesanstalt für Immobilienangelegenheiten (Bima). Sollten  Verunreinigungen des Bodens oder des Holzes, „die eindeutig auf den F-16-Absturz zurückzuführen sind“, nachgewiesen werden, würden auch diese Schäden „selbstverständlich“ berücksichtigt, teilte die Bima auf TV-Anfrage mit.  

Eine Schneise der Verwüstung hat die F 16 beim Absturz in einem Wald in der Gemeinde Zemmer-Rodt hinterlassen. Foto: Privat

Obwohl das Waldstück Ende Oktober wieder freigegeben worden ist, befinden sich wohl immer noch Trümmerteile der F 16 dort. Daher hat die Airbase Spangdahlem am Waldrand an der Kreisstraße 34 eine orangefarbene Box aufgestellt, in die gefundene Flugzeugteile eingeworfen werden sollen.