1. Region

Neue Corona-Regeln: Ungeimpfte dürfen auch nicht mehr zum Friseur

Schutz vor Virus : Neue Corona-Regeln: Ungeimpfte dürfen auch nicht mehr zum Friseur

Aufgrund der weiter steigenden Corona-Zahlen werden die Maßnahmen strenger. Vor allem Ungeimpfte werden zunehmend von weiten Teilen des öffentlichen Lebens ausgegrenzt. Und das hat Folgen für deren Alltag.

Die Zahl der Corona-Neuinfektionen steigt unaufhörlich. Deutschlandweit wurden am Sonntag mehr als 42 000 neue Fälle gemeldet. Für Rheinland-Pfalz meldete das Landesuntersuchungsamt 857 Neuinfektionen, davon 178 in der Region. Die landesweite Inzidenz steigt auf 226,7.

Das Gesundheitsamt Trier schlägt Alarm. Man sehe eine deutliche Zunahme der Infektionen hauptsächlich im Grundschulalter und im Alter zwischen 10 und 19 Jahren, heißt es in einem Schreiben des Amtes an Schulen. Über die Kinder finde auch ein Eintrag in die Familien statt. „Im engen familiären Umfeld kann es dann bei hoher Viruslast dazu kommen, dass bereits Geimpfte angesteckt werden“, so der Leiter des Gesundheitsamtes, Harald Michels.

Der für die Corona-Maßnahmen entscheidende Wert der Hospitalisierungsinzidenz lag am Sonntag in Rheinland-Pfalz bei 3,7. Bund und Länder verständigten sich darauf, dass ab einem Wert von drei in einem Bundesland die sogenannte 2G-Regel gilt. Das bedeutet, dass Ungeimpfte von weiten Teilen des öffentlichen Lebens ausgeschlossen sind. Ab Mittwoch soll diese Regel in Rheinland-Pfalz gelten. Landesgesundheitsminister Clemens Hoch (SPD) will am Montag Eckpunkte der neuen Corona-Regeln vorstellen.

Ungeimpfte ab Mittwoch von vielen Aktivitäten ausgeschlossen

Ungeimpfte dürfen dann selbst mit einem negativen Test nicht mehr in Kneipen, Restaurants oder Kinos gehen. Aber auch von sogenannten körpernahen Dienstleistungen, wie etwa Friseuren, sind sie ausgeschlossen. Das sei ein „Schlag ins Gesicht“ der Branche, kritisiert der Landesinnungsmeister der Friseure, Guido Wirtz aus Körperich (Eifelkreis Bitburg-Prüm). Er befürchtet, dass es durch den Ausschluss der Ungeimpften vom Haareschneiden, erneut zu deutlichen Umsatzeinbußen für ihn und seine Kollegen kommen wird. Und das vor dem Hintergrund, dass wegen des monatelangen Lockdowns die Umsätze in diesem Jahr ohnehin deutlich unter denen „normaler“ Jahr lägen, sagt Wirtz. Er spricht sich für eine allgemeine Impfpflicht aus, nur so könne man langfristig die Pandemie bekämpfen.

Die Gastronomie hat offenbar weniger Probleme mit der 2G-Regel. Ein Restaurantbetreiber aus Trier-Saarburg, der schon seit ein paar Wochen ausschließlich Geimpfte und Genesene bedient, sagt, er habe gute Erfahrungen damit gemacht. Seine Gäste fühlten sich sicherer. 2G sei allemal besser als ein erneutes Schließen der Gastronomie, sagt der Präsident des rheinland-pfälzischen Hotel- und Gaststättenverbandes, Gereon Haumann. Auch wenn die Regel zu vereinzelten Umsatzeinbußen führe. Er wehrt sich allerdings gegen die Vereinbarung, dass ab einer Hospitalisierungsinzidenz von sechs in einem Bundesland, die sogenannte 2G-plus-Regel eingeführt wird. Ungeimpfte haben dann weiterhin keinen Zutritt, Geimpfte und Genesene müssen sich dann aber zusätzlich testen. Das sei ungerecht, da die Geimpften bereits Solidarität gezeigt hätten und nun nicht noch mit einer Testpflicht belastet werden dürfen, sagt Haumann.

Gastronomie muss auch bei steigenden Zahlen geöffnet bleiben

Angesichts der Situation auf den Intensivstationen sei es richtig, dass die Maßnahmen verschärft werden, sagt Tim Piepho, Chefanästhesist im Brüderkrankenhaus. Leider sei die Impfquote noch zu gering, „so dass 2G sinnvoll und notwendig ist“. Die Regel schütze auch die Ungeimpften und „regt sicherlich auch dazu an, sich mit dem Thema Impfung noch einmal ausführlich zu beschäftigen und über den Sinn und den Nutzen einer Impfung nachzudenken“, hofft Piepho.

Gastro-Chef Haumann fordert, dass die gesamte Gastronomie trotz immer weiter steigender Zahlen geöffnet bleiben müsse. Das gelte auch für Bars, Clubs und Diskotheken.

Der Direktor des rheinland-pfälzischen Landkreistags, Burkhard Müller, spricht sich hingegen aus, letztere zu schließen. Eine Auswertung von Daten der Kontakterfassungs-App Luca zeige, dass Bars, Clubs und Diskotheken Corona-Hotspots seien. Müller weist darauf hin, dass die Einhaltung der Regeln auch kontrolliert werden müsse.

Genau darin dürfte das Problem bei der Verschärfung der Maßnahmen liegen. Etwa bei der Einführung von 3G in Bussen und Bahnen. Ab Mittwoch müssen Fahrgäste nachweisen, dass sie geimpft, genesen oder negativ getestet sind. Man sehe diese Regel aufgrund der steigenden Infektionszahlen durchaus als gerechtfertigt an, sagte eine Sprecherin des Verkehrsverbunds Region Trier (VRT). Man gehe aber davon aus, dass nicht das Fahrpersonal für die Kontrolle zuständig sei, sondern – wie bei der Durchsetzung der Maskenpflicht auch – die Ordnungsämter und die Polizei. Diese Kontrolle könnte daher nur stichprobenartig geschehen. Auch die Gewerkschaft Verdi fordert, dass die Ordnungsämter und die Polizei für die Kontrolle der 3G Regel in Bus und Bahn zuständig sein müssten.

Für Kinder und Jugendliche gelten übrigens Ausnahmen bei den Corona-Regeln. Gesundheitsminister Hoch betonte, dass Kinder unter 12 Jahren von der 2G-Regelung generell ausgenommen seien und für ältere Kinder und Jugendliche bis einschließlich 17 Jahre Ausnahmen bei zusätzlicher Testung vorgesehen würden.