Neue Müllgebühren unter Dach und Fach - Für die meisten wird's teurer

Kostenpflichtiger Inhalt: Aus dem Archiv September 2019 : Neue Müllgebühren unter Dach und Fach - Für die meisten wird's teurer

Im neuen Jahr wird die Abfallentsorgung für die meisten Verbraucher teurer. Aber wer weniger Müll produziert, zahlt ab dann auch weniger.

Die Wortmeldung des Vulkaneifeler SPD-Politikers Thomas Regnery kam mit Ansage. Bereits im Vorfeld des Sitzung des Zweckverbands Abfallwirtschaft Region Trier (ART) hatte Regnerys Kreisvorsitzender Jens Jenssen angekündigt, dass der SPD-Vertreter der neuen Abfall- und Gebührensatzung nicht zustimmen werde. Der Grund: Den Bürgern der Vulkaneifel wird nach über 20 Jahren „ihre“ Biotonne genommen. Sie ist ein Opfer der regionalen Abfall-Harmonisierung. Danach soll die Müllabfuhr in der gesamten Region vereinheitlicht werden. Und ein Punkt ist bei diesem Harmonisierungskonzept eben die Dauner Biotonne. Sie soll weg, weil überall sonst die Biotüte eingeführt wurde – zumindest zunächst einmal. Wenn das Tütenmodell nämlich nicht funktioniert, soll die Biotonne in der gesamten Region eingeführt werden. Und genau deshalb sind einige Vulkaneifeler jetzt auf dem Bäumchen. Etwa Thomas Regnery.

Erwartungsgemäß stimmte der SPD-Politiker in der Verbandsversammlung am Dienstagabend gegen die neue Gebührensatzung. Es war ein symbolischer Akt. Denn der Dauner Kreistag hatte zuvor – wie auch die anderen drei Kreistage und der Trierer Stadtrat – die neue Gebührenstruktur bereits abgesegnet. Damit war die Abstimmung in der ART-Versammlung nur noch reine Formsache. Und für seinen Kreis stellte Landrat Heinz-Peter Thiel klar: „Die Vulkaneifel stimmt dafür.“

Mit dem Votum Thiels und der anderen Versammlungsmitglieder sind die neuen Müllgebühren nun endgültig unter Dach und Fach. Damit ändern sich zum 1. Januar in der gesamten Region die Müllgebühren. Für den Großteil der Verbraucher dürfte es damit teurer werden, auch wenn die Grundgebühren für die Tonnen sinken. Dafür sind auch nur 13 Leerungen jährlich enthalten. Wer seine Tonne häufiger vor die Tür stellt, zahlt pro zusätzliche Abfuhr extra. Heißt aber auch: Wer mehr Müll produziert, zahlt mehr – eines der Ziele der neuen Gebührenstruktur.

Unterm Strich verspricht sich der ART durch die in den letzten Monaten vor Ort teils heftig diskutierten Änderungen Mehreinnahmen in Höhe von 8,5 Millionen Euro. Derzeit liegen die jährlichen Gebühreneinnahmen bei 37 Millionen Euro. Macht ein sattes Einnahmeplus von rund 23 Prozent. Heißt aber auch: Im Durchschnitt dürften die Müllgebühren für die Verbraucher um rund ein Viertel steigen. Bei dem einen Haushalt wird es etwas mehr sein, bei dem anderen etwas weniger.

Wer es ein bisschen genauer haben will, kann virtuell – mit Hilfe einer neuen ART-App (art-trier.de) – oder handfest – mit einem demnächst an alle Haushalte verteilten Gebührenrechner – nachrechnen. Daneben gibt es noch in allen Kommunen Beratungstermine, bei denen ART-Experten Fragen zum neuen Müllsystem beantworten.

„Die Informationskampagne ist angelaufen“, sagt ART-Boss Maximilian Monzel, die bisherige Resonanz in der Vulkaneifel sei gut. „Uns sind keine Schläge angedroht worden“, witzelte Monzel in der Verbandsversammlung.

Verbale Schläge gab’s dafür schon aus der Vulkaneifel. Ein paar Stunden vor der ART-Sitzung drohte SPD-Vorsitzender Jens Jenssen indirekt mit rechtlichen Konsequenzen, sollte eines Tages die Biotüte doch wieder gegen die Tonne eingetauscht werden müssen. Dann stelle sich die Frage, ob die ART-Verantwortlichen „fahrlässig zum Nachteil der betroffenen Gebührenzahler in der Vulkaneifel gehandelt haben“, sagte Jenssen.

Worte, bei denen Zweckverbands-Geschäftsführer Max Monzel und Verbandsvorsteher Gregor Eibes wohl die Zornesröte ins Gesicht gestiegen sein dürfte. In der Dienstagabend-Versammlung blieb aber alles schiedlich-friedlich. Der Bitburg-Prümer SPD-Politiker Nico Steinbach und der Trierer Richard Leukefeld (Grüne) verwiesen noch einmal darauf, dass die Frage mit einem möglichen Windelbonus (Gebührennachlass für Familien mit Kindern) noch nicht abschließend geklärt sei. Und CDU-Mann Michael Billen sagte, dass ja kleinere Änderungen des Konzepts im Laufe der Zeit immer möglich seien. Darüber hinaus riet der schlachterprobte Eifeler Christdemokrat zur Gelassenheit: „Wenn wir ein halbes Jahr älter sind, hat sich der Rauch verzogen.“

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