Nürburgring: Millionengrab für Steuerzahler

Nürburgring: Millionengrab für Steuerzahler

Das neue Freizeit- und Geschäftszentrum am Nürburgring wird bis zum Jahr 2020 mindestens 43 Millionen Euro Verlust verursachen. Das lässt sich aus dem internen Geschäftsplan der Nürburgring GmbH schließen, der dem TV vorliegt.

(fcg) Das laut Ministerpräsident Kurt Beck (SPD) „zentrale Zukunftsprojekt“ des Landes in der Eifel wird rund 300 Millionen Euro kosten. Das geht aus Zahlen hervor, die Beck genannt hat.185 Millionen Euro stemmt die zu 90 Prozent landeseigene Nürburgring GmbH. Die „private“ Seite um den Projektentwickler Kai Richter investiert 115 Millionen Euro. Allerdings finanziert davon wiederum die Landestochter RIM GmbH 85 Millionen. Welche Risiken sie damit trägt, bleibt offen.

Lange war geplant, dass die Nürburgring GmbH durch eine Privatfinanzierung an die von ihr benötigten 185 Millionen Euro kommt. Als dies aufgrund dubioser Geschäftspartner scheiterte, trat Ex-Finanzminister Ingolf Deubel am 7. Juli zurück. Deubel hat mit Verweis auf den internen Geschäftsplan mehrfach verkündet, die Nürburgring GmbH erziele 38 Millionen Euro Gewinn.

Der Plan, in dem die Umsätze und Kosten bis 2020 kalkuliert sind, weist diese Summe auch aus. Sie basiert aber auf einem Kreditbedarf von 134,5 Millionen Euro. Nun sind es 185 Millionen, wodurch jährlich drei Millionen Euro mehr für Zinsen und Tilgung als berechnet zu zahlen sind. Hinzu kommt, dass auch die Abschreibungen (Wertverlust) erwirtschaftet werden müssen. Bei einer Quote von zwei Prozent sind das 3,7 Millionen Euro pro Jahr. Insgesamt wird es damit entgegen allen bisherigen Beteuerungen der Landesregierung keine Gewinne, sondern 43 Millionen Euro Verlust geben.

Ring-Hauptgeschäftsführer Walter Kafitz lässt auf TV-Anfrage nur verlauten, zurzeit würden die Geschäftspläne „an die aktuelle Entwicklung angepasst“. Peter Pferdekemper, Geschäftsführer des Bundes der Steuerzahler, zürnt: „Unsere schlimmsten Befürchtungen bestätigen sich offenbar!“ Obwohl Ministerpräsident Beck öffentlich zurückweist, dass der Steuerzahler zur Kasse gebeten wird, scheint dies auch der Landesregierung klar: Sie gewährt der Nürburgring GmbH 2009 und 2010 aus dem Landeshaushalt je fünf Millionen Euro als Gesellschafterdarlehen.

Meinung

Was nun, Herr Beck?

Von Frank Giarra

Die Landesregierung verfolgt das Ziel, strukturschwache Gebiete wie die Eifel zu fördern. Das ehrt sie. Am Nürburgring hat sie sich jedoch in ein finanzielles Abenteuer gestürzt, das an Waghalsigkeit kaum zu überbieten ist. Das Mega-Projekt sollte nur unter der Bedingung gestartet werden, dass private Geldgeber einsteigen. Doch seriöse Investoren sind ferngeblieben. Alarmzeichen wie diese sind übersehen, Bedenken über Bord geworfen worden. Politisches Prestigedenken hat den gesunden Menschenverstand ersetzt. Das Risiko liegt nun zu rund 90 Prozent beim Land. Der Steuerzahler haftet.

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Die Staatskanzlei bastelt fleißig an der Mär, der aus der Kurve geflogene Finanzminister Ingolf Deubel habe sich in den Untiefen des Projekts verirrt. Er sei der alleinige Verantwortliche gewesen und habe mit seinem Rücktritt die Konsequenzen gezogen. Der interne Geschäftsplan der Nürburgring GmbH, deren Aufsichtsratschef Deubel war, beweist aber, dass dem keinesfalls so ist. Der Professor wusste um die unvermeidlichen zweistelligen Millionenverluste. Sie waren der Grund dafür, so lange das ominöse Privatfinanzierungsmodell mit dubiosen Geschäftspartnern zu verfolgen, denn die erhofften 50 Millionen Euro wurden dringend benötigt. Deubel machte lediglich seinen Job. Er folgte dem Auftrag seines Herrn und Meisters, Ministerpräsident Kurt Beck, und bemühte sich verzweifelt, zu retten, was zu retten ist. Wobei ihm der für den Geschäftsbetrieb zuständige Hauptgeschäftsführer der Nürburgring GmbH, Walter Kafitz, aus sicherer Deckung zusah.

Mag sein, dass nur der ehemalige Finanzminister alle Nuancen seiner gescheiterten Privatfinanzierung kannte. Über die Rahmendaten des Projekts, sprich die geschäftliche Entwicklung des Erlebniszentrums, muss aber auch der Regierungschef informiert sein. Schließlich verteidigt er die Investitionen stets vehement. Deshalb muss man die Frage stellen: Was nun, Herr Beck?

Jüngste öffentliche Andeutungen lassen Schlimmes befürchten: Die betriebswirtschaftliche Seite wird in den Hintergrund gedrängt, stattdessen wird auf die „grandiose“ volkswirtschaftliche Komponente mit 500 neuen Arbeitsplätzen und angeblichen zusätzlichen Millionen-Umsätzen für die Region verwiesen. Wo die herkommen sollen, wenn schon das Freizeitzentrum mit 15 bis 23 Millionen Euro Umsatz pro Jahr rechnet, bleibt das Geheimnis der Landesregierung.

Allerdings gibt es auch Bestrebungen, die Misere schonungslos offen anzugehen und die Kiste aus dem Dreck zu ziehen. Auf das Ergebnis darf man gespannt sein.

f.giarra@volksfreund.de