Obwohl Notfallsanitäter entsprechend ausgebildet sein, dürfen sie offiziell keine ärztliche Maßnahmen durchführen.

Serie Hauptsache gesund : Warum bei Notfallsanitätern Hilfe strafbar werden kann

Obwohl Notfallsanitäter entsprechend ausgebildet sind, dürfen sie offiziell keine ärztliche Maßnahmen durchführen. Das soll sich ändern.

Wenn ein Rettungswagen zu einem Notfalleinatz gerufen wird, kann die Besatzung unterschiedlich sein. Es kann ein Rettungssanitäter, ein Rettungsassistent oder ein Notfallsanitäter an Bord sein. Die jeweiligen Helfer sind unterschiedlich ausgebildet, entsprechend unterscheiden sich auch deren Kompetenzen. Während die Ausbildung zum Rettungssanitäter drei Monate dauert, werden Notfallsanitäter drei Jahre lang ausgebildet. Rettungsassistenten wurden zwei Jahre lang ausgebildet. Mittlerweile gibt es diese Ausbildung aber nicht mehr, seit es seit 2014 das Berufsbild des Notfallsanitäters gibt.

Notfallsanitäter haben eine umfassende medizinische Ausbildung, immerhin müssen sie während der drei Jahre 720 Stunden im Krankenhaus arbeiten. Trotzdem ist es bisher nicht vorgeschrieben, dass bei Rettungseinsätzen unbedingt ein Notfallsanitäter an Bord ist. Laut einer Sprecherin des zuständigen rheinland-pfälzischen Innenministeriums sei es nach aktueller Rechtslage ausreichend, wenn ein Rettungsassistent dabei sei. Rheinland-Pfalz will nun aber im Landes-Rettungsdienstgesetz festlegen, dass bei Notfalleinsätzen auf jeden Fall ein Notfallsanitäter dabei sein muss. Damit und mit weiteren, geplanten Änderungen in dem Gesetz, soll „das bereits hohe Qualitätsniveau des Rettungsdienstes noch weiter ausgebaut“ werden, sagte eine Ministeriumssprecherin unserer Zeitung.

Die Ankündigung des Gesetzentwurfes erfolgte ein paar Tage nachdem Rheinland-Pfalz gemeinsam mit Bayern und Schleswig-Holstein erfolgreich eine Initiative für mehr Kompetenz von Notfallsanitätern eingebracht haben. Damit soll deren Arbeit „entkriminalisiert“ werden, wie ein Vertreter des Innenministeriums im März bei einer notfallmedizinischen Tagung in Baden-Baden die Gesetzesinitiative begründet hat.

Im Notfallsanitätergesetz ist die Aufgabe des Notfallsanitäters folgendermaßen festgelegt: „Durchführen medizinischer Maßnahmen der Erstversorgung bei Patientinnen und Patienten im Notfalleinsatz und dabei Anwenden von in der Ausbildung erlernten und beherrschten, auch invasiven Maßnahmen, um einer Verschlechterung der Situation der Patientinnen und Patienten bis zum Eintreffen der Notärztin oder des Notarztes oder dem Beginn einer weiteren ärztlichen Versorgung vorzubeugen, wenn ein lebensgefährlicher Zustand vorliegt oder wesentliche Folgeschäden zu erwarten sind.“ Solche invasiven Maßnahmen sind etwa das Spritzen von Notfallmedikamenten.

Allerdings, so heißt es auf der Internetseite des DRK-Rettungsdienstes Eifel-Mosel-Hunsrück: „Eine rechtliche Regelung für diesen Bereich ist allerdings nicht genau definiert, deshalb sind mögliche Verfahren gegen das Personal nicht auszuschließen.“ Denn solche medizinischen Maßnahmen sind laut dem Heilpraktikergesetz nur Ärzten vorbehalten. Wer sich nicht dran hält, macht sich strafbar. Und das soll, geht es nach der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie, so bleiben. Diese spricht sich gegen die Kompetenzerweiterung der Notfallsanitäter aus und verweist auf „juristische Konsequenzen“.

Die Gesellschaft hatte sich beim Inkrafttreten des Notfallsanitätergesetzes im Jahr 2013 dagegen ausgesprochen, dass Notfallsanitäter „eigenverantwortlich medizinische Maßnahmen der Erstversorgung bei Patienten im Notfalleinsatz“ durchführen sollen. Sie befürchtete, dass das neue Berufsbild Notfallmediziner eine Mogelpackung sei, um damit einen Mangel an Notärzten zu kompensieren.

Der rheinland-pfälzische Innenminister Roger Lewentz (SPD) hat  aber deutlich gemacht, dass mit der Änderung des Notfallsanitätergesetzes keinesfalls der Notarzt abgelöst werden soll. Der Arzt werde weiterhin als medizinisch höchst qualifizierte „Fach- und Aufsichtsperson“ bestehen bleiben. Die Notärzte selbst begrüßen die Gesetzesinitiative. Aus Sicht der Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin bestehe keine Gefahr, „dass das Notarztsystem ausgehöhlt werden könnte“.

Es sei nicht vermittelbar, dass entsprechend ausgebildete und fortlaufend geschulte Notfallsanitäter keine lebensrettenden Maßnahmen ergreifen sollen, solange der Notarzt nicht eingetroffen sei. Auch der Präsident der Landesärtzekammer, Günther Matheis,  befürwortet, die Deligierung ärztlicher Aufgaben auf Notfallsanitäter. „Sie können durchaus medizinische Maßnahmen der Erstversorgung an Patienten im Notfalleinsatz einsetzen, die sie in ihrer Ausbildung erlernt haben und beherrschen.“

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