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Onsdorf/Trier: CDU-Politiker Günther Schartz gestorben

Onsdorf/Trier: CDU-Politiker Günther Schartz gestorben

Der langjährige Präsident der Landwirtschaftskammer Rheinland-Pfalz, Günther Schartz, ist tot. Der 76-jährige CDU-Politiker starb gestern nach schwerer Krankheit, wie der CDU-Landesverband mitteilte. Schartz war mehr als zwei Jahrzehnte Abgeordneter für die Christdemokraten im Bundestag und im rheinland-pfälzischen Landtag. 18 Jahre lang führte er als Präsident die Landwirtschaftskammer.

Seine letzte Ratssitzung in Onsdorf ist gerade mal sechs Wochen her. Da ergriff Günther Schartz, sichtlich von seiner langen, schweren Krankheit gezeichnet, das Wort zu einer Art von lokalpolitischem Testament. Er mahnte an, um welche Angelegenheiten man sich kümmern müsse, zog eine emotional gefärbte Bilanz von 43 Jahren Ortsbürgermeister-Tätigkeit in "seiner" Gemeinde. Vielen der Anwesenden schnürte es die Kehle zu, war ihnen doch klar, dass es sich um eine Abschiedsrede handelte. Und dann leitete Schartz mit einem schallenden "So!" zur Tagesordnung über, weitere Wortmeldungen in eigener Sache gar nicht erst zulassend.
Sein letzter öffentlicher Auftritt entsprach recht genau dem Stil des Menschen und des Politikers Schartz. Der mit viel Herzblut geführte Einsatz für die Sache, sein Widerspruch nur ungern duldendes "Basta", das Hintanstellen der eigenen Person: Solche Charakteristika zogen sich durch eine lange Karriere als Politiker und Verbandsfunktionär.

Dabei war er nach eigener Aussage "ein urtümlicher Bauer, der durch alle möglichen unabsehbaren Umstände im Bundestag gelandet ist". Ein Unterstatement, das er gerne pflegte und das - vielleicht zu seinem Amüsement - dazu führte, dass ihn mancher unterschätzte. Aber wer mit 30 in den Kreistag und mit 40 in den Landtag einzieht, ist kein Zufalls-Politiker. Günther Schartz war ein begnadeter Lobbyist für den Bauern- und Winzerstand, ein beinharter Verhandler und, wenn es denn sein musste, auch ein cleverer Taktierer. Und in Zeiten, da es noch klare Stammwähler-Zuordnungen gab, war einer wie er eine Wahlkampf-Bank für die Konservativen. So stark war seine Position, dass selbst ein aufstrebender, von Helmut Kohl geförderter Jung-Politiker namens Christoph Böhr in den 80er-Jahren den Aufstand gegen den Inhaber des Trierer Bundestagsmandates nicht wagte.
Damals, so glaubten jedenfalls viele, hätte er auch Staatssekretär oder gar Minister werden können. Aber dann wäre Schluss gewesen mit der Verbands- und Kammerarbeit. Und auf die mochte der Vorzeige-Landwirt so wenig verzichten wie auf den ehrenamtlichen Bürgermeister-Sessel in seinem 175-Seelen-Heimatdorf.

In der Politik fand er rechtzeitig den Absprung: 1994 verzichtete er, nach 18 Bundestagsjahren, auf eine Wiederbewerbung. Der zu erwartende Rummel in Berlin wäre seine Sache auch kaum gewesen.

Von der Standesvertretung zu lassen, fiel ihm entschieden schwerer. Dass man ab und zu versuchte, ihn in den Ruhestand zu drängen, machte ihn nur noch kampfeslustiger. Dann konnte er seine internen Widersacher genau so aus dem Weg poltern wie dermaleinst im Wahlkampf die linken Protestler. Seinen Abschied wollte er selbst bestimmen, so blieb er an der Spitze der Landwirtschaftskammer bis zu seinem 75. Lebensjahr.

Über seine Gesundheit konnte er nicht selbst bestimmen. Seit Jahren litt er an Krebs, was er der Öffentlichkeit auch nicht vorenthielt. Die unübersehbaren Zeichen der Behandlung hielten ihn nicht davon ab, seinen Aufgaben nachzukommen. In den letzten Jahren war das häufig die Entgegennahme von Ehrungen. Mit seiner Meinung über die Themen, die ihn bewegten, hielt er auch nach der aktiven Zeit nicht hinterm Berg, wenn man ihn bei den seltener werdenden Anlässen fragte. Er war eben einer, dem die Dinge nie egal waren.