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Opferbeauftragter Placzek über Hilfe für Betroffene der Amokfahrt Trier

Amokfahrt : Opferbeauftragter über die Trierer Amokfahrt: Rasche Hilfe und noch offene Fragen

Zwei Monate nach der Amokfahrt ziehen Triers Oberbürgermeister und der Opferbeauftragte Zwischenbilanz. Und sie blicken nach vorne.

Den 1. Dezember vergangenen Jahres wird der Trierer Oberbürgermeister Wolfram Leibe wohl nie wieder vergessen. Nachdem ein Amokfahrer in der Innenstadt eine Spur des Todes, Leides und der Verwüstung hinterlassen hatte, war der von seinem Feuerwehrchef alarmierte OB einer der ersten vor Ort.

„Ich habe abgedeckte Körper gesehen und schwer verletzte Menschen, die links und rechts lagen. Es war so furchtbar still. Niemand hat geschrien“, erinnerte sich Leibe einige Tage später im Gespräch mit unserer Zeitung an die Szenerie.

So wie dem Oberbürgermeister erging es an diesem Dienstagmittag Anfang Dezember vielen Menschen, die das schreckliche Geschehen direkt miterlebten oder kurz danach in die Fußgängerzone kamen. Neben den fünf Opfern gab es viele teils Schwerstverletzte und zahlreiche Traumatisierte. Einige merken nach Angaben des Landesopferbeauftragten Detlef Placzek erst jetzt – gut zwei Monate nach der Amokfahrt – wie sehr sie sie das Gesehene und Gehörte beschäftigt.

Wer dann Hilfe benötigt, kann sich an das Büro des Opferbeauftragten wenden, der von sich sagt, dass er für Opfer, Angehörige oder Traumatisierte ein Lotse sein möchte, der richtige Ansprechpartner kennt und bürokratische Hürden beiseite räumt.

Placzeks Zwischenbilanz, die er am Montag in Trier gemeinsam mit dem OB präsentiert, kann sich sehen lassen. Direkt nach der Amokfahrt wurde eine gemeinsam mit Stadt, Polizei, Unfallkasse und Land betriebene Notfall-Hotline geschaltet, an die sich Betroffene, aber auch Helfer und Augenzeugen wenden konnten.

Für Traumatisierte wurden 70 Schnelltherapieplätze zur Verfügung gestellt, jeder Hilfesuchende bekam ohne Prüfung fünf Therapiestunden bewilligt – bei Bedarf auch mehr. Wie sehr die Unterstützung des Opferbeauftragten ankam, machte der OB am Montag deutlich. „Das war sehr, sehr hilfreich“, sagte Wolfram Leibe, der sich am Wochenende gemeinsam mit Detlef Placzek auch mit insgesamt 30 Betroffenen – Angehörigen, Verletzten, Traumatisierten – getroffen hatte. „Das waren auch für mich ermutigende und hilfreiche Gespräche“, fasste Leibe die Begegnungen zusammen, die fortgesetzt werden sollen.

Von vielen angesprochen wurde laut Leibe das Thema Gedenkveranstaltung. Dass es sie geben wird, steht außer Frage, nur wann, wie und wo, das steht derzeit noch in den Sternen. Fest steht nach Angaben des OBs aber, dass die Betroffenen ein gewichtiges Wörtchen mitzureden haben werden und dass die Gedenkveranstaltung wohl erst stattfinden wird, wenn auch größere Menschenansammlungen wieder möglich sein werden.

Auch beim Thema Gedenkort ist noch keine Entscheidung gefallen. Seit einiger Zeit sind die mit Hunderten Kerzen, Blumen und Stofftieren gesäumten Gedenkstätten in der Innenstadt geräumt nach Rücksprache mit den Familien, wie der Oberbürgermeister sagt. Die meisten Gegenstände wurden eingelagert, einige den Familien übergeben, wie auch an sie gerichtete Kondolenzschreiben.

Geht es nach Wolfram Leibe, wird später irgendwo in der Nähe der Porta Nigra ein fester Ort des Gedenkens eingerichtet werden. Noch ist dort nur eine provisorische Gedenkstätte mit einem Kranz, ein paar Dutzend Kerzen und Blumen.

Unweit dieser Stelle in der Christophstraße war am 1. Dezember um kurz vor 14 Uhr der mutmaßliche Amokfahrer von Kriminalbeamten überwältigt worden. Der 51-jährige Trierer stand rauchend neben seinem Fahrzeug, als die Polizisten ihn festnahmen.

Einen Tag später hatte Triers Oberbürgermeister in wenigen Worten ausgedrückt, was eine ganze Stadt fühlt. „Trier trauert, Trier leidet, aber Trier resigniert nicht“, sagte Wolfram Leibe bei einer kleinen Gedenkfeier vor der Porta Nigra. Auch diese Worte werden wohl viele so rasch nicht wieder vergessen.