Organisation „Combat 18“: Von der Chaos-Crew zur Kampftruppe

Verbindungen zu Lübcke-Mord? : Organisation „Combat 18“ – Von der Chaos-Crew zur Kampftruppe

Der mutmaßliche Mörder des Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke (CDU) soll Verbindungen zur rechtsextremen Organisation „Combat 18“ haben. Eine Spur der rechtsextremen Gruppierung führt in die Region.

Die nach den Initialen von Adolf Hitler benannte Gruppierung (die Zahl 18 verweist auf den ersten und achten Buchstaben im Alphabet) wurde 1992 in England gegründet und verbreitete sich von dort aus in viele europäische Länder. Der deutschen C-18-Division sollen etwa 50 Rechtsextreme angehören. Einer davon stammt nach Informationen unserer Zeitung ursprünglich aus dem Kreis Cochem-Zell und  zählte einst zu den führenden Köpfen der vor zehn Jahren überwiegend an der Mittelmosel aktiven „Chaos Crew“ (CC).

Die zu Hoch-Zeiten 50 bis 60 Anhänger umfassende Gruppierung orientierte sich an dem in Deutschland seit 2000 verbotenen internationalen Rechtsextremisten-Netzwerk „Blood and Honour“. Nach Informationen des Internet-Blogs „Störungsmelder“ veranstaltete die CC allein in den Jahren 2008 bis 2010 mindestens acht konspirativ organisierte Konzerte – zwei davon wurden durch die Polizei aufgelöst.

Ende September 2008 wurde ein als private Feier getarntes Skinhead-Konzert in Wittlich-Bombogen von der Polizei beendet. 120 Rechtsextreme wurden erkennungsdienstlich behandelt; die Polizei beschlagnahmte eine Hakenkreuzfahne und rechtsradikale Musik. Anderthalb Jahre später verhindert die Polizei im 20 Kilometer entfernten Andel bei Bernkastel-Kues ein rechtsextremistisches Konzert, zu dem rund 100 Skinheads angereist waren. Die Beamten beschlagnahmten Schlagstöcke, Messer sowie T-Shirts mit Hakenkreuzen und Hitlermotiven.

Bevor die „Chaos Crew“ ins Leben gerufen wurde, gab es in der Region Trier die Kameradschaft Moselland, die Offensive Moselland und im Norden das Nationale Aktionsbündnis Eifel. „Das waren zwischen zehn und 20 Leuten, die meisten im Alter zwischen 20 und 30 Jahren und fast alle männlich“, sagte der damals für das Thema Rechtsextremismus zuständige Staatsschützer.

Während diese Initiativen relativ offen agierten und sogar mit eigenen Seiten im Internet präsent waren, mied die auch international gut vernetzte „Chaos Crew“ das Licht der Öffentlichkeit. Zwei CC-Mitglieder sollen im Herbst 2010 bei der brutalen Attacke auf einen Neonazi-Aussteiger im Westerwald dabei gewesen  sein.

Nach Angaben eines Ermittlers wurde der Cochem-Zeller Rechtsextremist im Nachgang wegen gefährlicher Körperverletzung zu einer Gefängnisstrafe verurteilt. Nach seiner Entlassung soll er sich der Neonazigang „Sturmtruppe 44“ angeschlossen haben, die jedoch wenig später zerfiel. Daraufhin soll er „Combat 18“ beigetreten sein, berichtet die gewöhnlich gut informierte Rechercheplattform „Exif“. Fahnder bescheinigen dem inzwischen in Mecklenburg-Vorpommern lebenden Mann eine „sehr starke Verbindung in die rechtsextreme Szene“. Er sei dort  „eine Größe“ und „europaweit äußerst gut vernetzt“.

Im aktuellen rheinland-pfälzischen Verfassungsschutzbericht wird „Combat 18“ zum gewaltorientierten rechtsextremistischen Spektrum gezählt. Zwar werde nicht die Gruppe selbst als gewalttätig oder bewaffnet eingestuft. Allerdings sei einzelnen Mitgliedern eine „grundsätzliche, individuelle Gewaltbereitschaft zu unterstellen“, heißt es in dem Bericht.

Nach Erkenntnissen der Verfassungsschützer gibt es seit dem vergangenen Jahr Hinweise, dass sich die Gruppe „C 18“ neu formiert habe. Kurz zuvor waren von der Bundespolizei in Bayern zwölf Neonazis bei der Wiedereinreise aus Tschechien gestoppt worden. Die Rechtsextremen, die allesamt der Gruppe „Combat 18“ zugerechnet werden, kamen vom Schießtraining jenseits der Grenze.

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