Patienten beschweren sich am häufigsten über schief gelaufene Operationen in Kliniken

Gesundheit : Ärzte machen weniger Behandlungsfehler

Die Patienten im Land beschweren sich am häufigsten über schiefgelaufene Operationen in Kliniken.

418 Patienten haben sich im vergangenen Jahr bei der Landesärztekammer darüber beschwert, dass sie angeblich falsch vom Arzt oder in einem Krankenhaus behandelt worden sind. 329 Beschwerden, bei denen es Anhaltspunkte für Behandlungsfehler gegeben hat, wurden beurteilt, teilte die Landesärztekammer gestern mit.

Allerdings konnte die dort eingerichtete Schlichtungsstelle nur in 74 Fällen tatsächliche Fehler erkennen. Das entspräche einer Quote von 22,5 Prozent der eingereichten Beschwerden, teilte die Kammer gestern mit. Vergangenes Jahr lag der Anteil bei 26 Prozent.  Im Verhältnis zu den Behandlungsfällen in ganz Rheinland-Pfalz läge das im Promillebereich, sagte Kammerpräsident Günther Matheis, der aber auch betonte: „Jeder tatsächliche Fehler ist ein Fehler zu viel.“ Die Ärztekammer gehe offensiv mit Fehlermeldungen um.

Als einziger Landesärztekammer in Deutschland gehören dem fünfköpfigen Schlichtungsausschuss schon seit Jahren auch zwei Patientenvertreter an. Daneben sitzen in dem Gremium, das über die eingehenden Beschwerden entscheidet, ein Jurist und zwei Fachärzte. Patienten können sich kostenlos an den Ausschuss wenden.

Die meisten Beschwerden hat es über Kliniken gegeben, oft wegen Operationen. Am häufigsten (55 Fälle) beschwerten sich die Patienten über Behandlungen in der Unfallchirurgie (55 Fälle), gefolgt von denen in der Allgemeinchirurgie (48 Fälle), der Orthopädie (34 Fälle) und der Inneren Medizin (19 Fälle). In diesen Bereichen hat es laut Kammer auch tatsächlich die meisten anerkannten Fehler gegeben, etwa bei der Behandlung von Verletzungen am Rücken, am Arm oder am Bein.

Bei den niedergelassenen Ärzten betrafen die meisten Beschwerden die Orthopäden (13 Fälle), danach Augenärzte (neun Fälle), Radiologen (acht Fälle) und Chirurgen (acht Fälle). Am häufigsten wurden dabei Fehler bei Untersuchungen und auch beim Röntgen oder der Computertomographie gemacht.

Matheis appelliert an die Ärzte: „Ehrlich mit Fehlern umgehen und aus Fehlern lernen.“ Das helfe auch dabei, Fehler künftig zu vermeiden. „Hohe Qualität und Sicherheit lassen sich längerfristig nur erhalten, wenn jeder konsequent versucht, aus vermeidbaren Fehlern und vor allem aus Beinahe-Fehlern zu lernen.“

Dazu gehöre auch, dass Fehler und Beinahe-Fehler nicht verschwiegen würden. „Nur dies hilft, Schwachstellen aufzudecken und wirksame Strategien zur Fehlerprävention aufzubauen“, sagte Matheis.

In etwa 90 Prozent der Fälle würden die Entscheidungen der Schlichtungsstelle von Patienten und Ärzten akzeptiert und die Streitigkeiten beigelegt. Komme es nach der Entscheidung doch noch zu Rechtsstreitigkeiten, würden von den Gerichten überwiegend die Gutachten der Schlichtungsstelle bestätigt.

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