Polizei ermittelt nach Hunde-Attacke auf Jungen

Polizei ermittelt nach Hunde-Attacke auf Jungen

Nach der Hundeattacke auf einen elfjährigen Jungen in Leimbach (Eifelkreis Bitburg-Prüm, Verbandsgemeinde Neuerburg) ermittelt die Polizei gegen die Frau, die den Hund an der Leine hatte, wegen fahrlässiger Körperverletzung.

(scho) Der elfjährige Junge, der am Dienstagabend von einem Hund im Eifelort Leimbach (Verbandsgemeinde Neuerburg) angefallen wurde, ist nach Auskunft der Polizei in Bitburg nicht lebensgefährlich verletzt. "Der Junge ist nach wie vor im Krankenhaus. Er hat starke Bisswunden am Hals, Arm und den Beinen", sagt Polizeisprecher Wolfgang Zenner. So weit er wisse, sei der Hund im Zwinger. Ob das Tier eingeschläfert werden muss, entscheide die Verbandsgemeinde-Verwaltung Neuerburg als zuständige Ordnungsbehörde.

Bei dem Hund handelt es sich um eine Mischung aus Berner Sennenhund und Wolfspitz. Der Hundehalter ist derzeit in Urlaub, deshalb kümmert sich die Schwiegermutter um die beiden Hunde. Hundehalter und die Familie des Jungen, der von dem Tier gebissen wurde, sind Nachbarn, der Junge kannte die Hunde.

"Das Tier wurde heute morgen in Neuerburg einem Tierarzt vorgeführt. Offenbar will der Halter den Hund einschläfern, da ihm das Risiko nach der Biss-Attacke zu große ist", sagt Peter Kandels, Leiter des Ordnungsamts der Verbandsgemeinde Neuerburg. "Der Halter kann sich den Vorfall auf dem Nachbargrundstück auch nicht erklären. Die Frau, die mit den Hunden raus war, hat wohl noch mit dem Jungen gesprochen", sagt Kandels.

Derzeit werde das Tier vom Amtstierarzt untersucht. Unter anderem werde geprüft, ob der Hund Tollwut hatte. Bis ein Untersuchungsergebnis vorliegt, können noch einige Tage vergehen. "Wenn, wie in diesem Fall der Halter sagt, dass er das Risiko mit dem Tier nicht länger eingehen will und kann, dann brauchen wir nicht anzuordnen, dass der Hund eingeschläfert wird", sagt Kandels. Nach Angaben des Tierarztes kann ein Hund aber nicht einfach sofort eingeschläfert werden, sondern solche Untersuchungen, wie etwa die auf Tollwut, müssten zuvor noch gemacht werden. Das die Situation grundsätzlich gefährlich war, betätigt auch der Neuerburger Ordnungsamts-Chef: "Wenn der Hund am Hals so zugebissen hätte, wie am Bein, hätte es eng werden können."

Inzwischen gibt es auch weitere Informationen, wie es zu dem Unglück gekommen ist. Nach Angaben der Polizei Bitburg war die Frau mit den beiden Hunden ihres Schwiegersohns in dem kleinen Eifelort Leimbach spazieren. "Der Frau kam dann eine weitere Frau mit drei Pferden entgegen. Um einer Konfrontation der Hunde mit den Pferden auszuweichen, ist die Frau mit den Hunden dann in einen Vorgarten rein", schildert Zenner die Situation. In diesem Vorgarten kam es dann wohl zum Zusammentreffen der Hunde mit dem elfjährigen Jungen.

Den weiteren Verlauf skizziert der Polizist wie folgt: "Einer der beiden Hunde hat dann ohne erkennbaren Grund den Jungen angegriffen."

Die Polizei ermittelt nun wegen Verdachts auf fahrlässige Körperverletzung. "Das Ermittlungsverfahren richtet sich gegen die Frau, die die Aufsicht über die Hunde hatte", sagt Zenner. Die Dauer eines solchen Ermittlungsverfahrens sei schwer abzuschätzen.

Nach TV-Informationen handelt es sich bei dem Hundehalter, wie auch der Familie, deren Sohn durch den Hund verletzt wurde, um Nachbarn. Nach Informationen der Polizei Bitburg ist der Hund derzeit im Zwinger. Beide Hunde waren angeleint. Bei dem zweiten Hund soll es sich um einen Westhighland-Terrier gehandelt haben.

Eine klare Meinung hat Klaus Jostock, der sich Hunden auskennt. Für den Vorsitzenden der Rottweiler-Bezirksgruppe Speicher steht fest: "Ein Tier, das ein Kind einmal so angefallen hat, gehört eingeschläfert."

"Möglicherweise waren die Hunde durch den Anblick der Pferde verunsichert und haben bereits an der Leine gezogen", versucht Hunde-Experte Jostock die Situation zu analysieren. "Vielleicht wäre die Hunde aber auch völlig ruhig an den Pferden vorbei gegangen und wurden erst dadurch verunsichert, weil die Frau als ihr Führer der Situation ausgewichen ist", sagt Jostock. Durch dieses Wegziehen auf ein anderes Territorium seien die Hunde womöglich in Alarmbereitschaft versetzt worden. "Und dann treffen die in der Situation auf etwas anderes, den Jungen, den sie vielleicht als Bedrohung empfunden haben", sagt Jostock.

Der Verband für das Deutsche Hundewesen (VDH) hat Tipps für Kinder im Umgang mit Hunden herausgegeben. Hier geht's zur Broschüre (PDF)