Praxen für Orthopädie und Unfallchirurgie geschlossen

Praxen für Orthopädie und Unfallchirurgie geschlossen

Die meisten Praxen für Orthopädie und Unfallchirurgie in der Region bleiben am heutigen Mittwoch geschlossen. Hintergrund ist der Streit um die Honorarreform. Trotz eines von der Politik zugesagten Honorar-Plus haben viele Mediziner weniger in der Kasse.

Trier. Der Frust bei den niedergelassenen Ärzten wächst. Trotz eines von der Politik zugesagten Honorar-Plus haben viele Mediziner weniger in der Kasse. Selbst die, die es wissen müssten, zucken nur mit den Schultern. Warum fast alle niedergelassenen Mediziner derzeit weniger haben als noch vor einem Jahr, können selbst die obersten Ärztevertreter nicht erklären. Und dass trotz der von der Politik zugesagten drei Milliarden Euro mehr für die Ärzte. Weder bei der Kassenärztlichen Vereinigung Rheinland-Pfalz, die für die Verteilung des Honorargeldes im Land zuständig ist, noch bei der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, die das neue Honorarsystem ausgehandelt hat, findet sich einer, der plausibel erklären kann, warum trotz eines Plus viele Ärzte ein Minus machen.

"Das kann kein Mensch mehr erklären", sagt Burkhardt Zwerenz. Der Hausarzt aus Prüm ist Vorsitzender des rheinland-pfälzischen Hausärzteverbandes. Viele seiner Kollegen stünden am Rande ihrer Existenz, sagt Zwerenz. Als Beispiel nennt er die Vergütung für einen Hausbesuch. 15,40 Euro gibt es dafür. Kostendeckend sei das nicht, sagt der Hausarzt. Er kann die Wut einiger Kollegen verstehen, die sich weigern, Patienten zu behandeln, und wenn, dann nur noch gegen Vorkasse. "Uns wurde versprochen, dass wir in diesem Jahr mehr haben werden und dass unsere Leistungen in Euro und Cent bezahlt werden." Stattdessen hätten viele niedergelassene Ärzte weniger in der Kasse.

Wie zum Beispiel der Trierer Hausarzt Martin Dieudonné. Bis zu sieben Prozent weniger als vor einem Jahr werde er bis Ende März verdient haben, sagt er. Vor zwei Wochen hat er das Regelleistungsvolumen, also das Geld, das die Krankenkassen pro Patient und Quartal den Ärzten zahlen, bereits ausgeschöpft. "Ich schieße mir selbst ins Knie. Jeden Tag, den ich weiter arbeite, mache ich ein Minus", sagt Dieudonné. Trotzdem macht er seine Praxis in Trier-West nicht dicht, er weist auch keinen Patienten ab. Das widerspreche seinem Berufsbild. "Die Hausärzte sind für die Basisversorgung zuständig, die können nicht einfach einen Patienten nach Hause schicken", sagt Hausärzte-Chef Zwerenz. Trotzdem wurden bei den Ersatz-Krankenkassen in Rheinland-Pfalz in den vergangenen Wochen vermehrt Beschwerden von Versicherten registriert, die sich über Ärzte beschwerten, die sie nicht sofort oder nur gegen Zahlung behandeln wollen. Die Beschwerden hätten sich gehäuft, sagt Tanja Börner vom Ersatzkassenverband.

Auch die Spezialisten unter den niedergelassenen Ärzten klagen, dass sie nicht mehr kostendeckend arbeiten könnten. 32,01 Euro pro Quartal gebe es etwa für die Behandlung eines Bandscheibenvorfalls, sagt Siegfried Götte, Präsident des Berufsverbands der Orthopäden und Unfallchirurgen. Für dieses Honorar könne keine fachärztliche Behandlung mehr durchgeführt werden. Die Ärzte müssten die Differenz aus eigener Tasche zahlen oder aber die Leistungen einschränken. Aus Protest gegen die Honorar-Einbußen machen viele Orthopäden und Unfallchirurgen am Mittwoch ihre Praxen dicht. Lediglich eine Notfallversorgung soll es geben.

Mit dem sogenannten Regelleistungsvolumen, an dem sich der Zorn der Ärzte entfacht, wird für jede ärztliche Fachgruppe ein Eurowert je Patient und Quartal festgelegt. Für Hausärzte kann das ein Betrag von rund 35 Euro sein, die die Behandlung eines Patienten für ein ganzes Quartal abdeckt. Dieser sogenannte Fallwert, multipliziert mit der Zahl der Fälle des Arztes im gleichen Quartal des Vorjahres, ergibt das Regelleistungsvolumen des Arztes. Wer also viele Patienten hat und diese schnell und ohne Aufwand durchschleust, kann tatsächlich mehr verdienen. Wer sich aber Zeit nimmt für seine Patienten, zahlt drauf.

"Der Unmut ist gigantisch groß", sagt Rainer Saurwein, Geschäftsführer des Ärztenetzwerkes Medi Südwest. Der Unmut dürfte angesichts provokanter Äußerungen des rheinland-pfälzischen AOK-Chefs Walter Bockemühl noch größer werden. Im rheinland-pfälzischen Gesundheitswesen könnten Millionen Euro gespart werden, sagt der Kassenchef.

Als Beispiel nennt er die ärztliche Vergütung. Die sei hier 33 Prozent höher als etwa in Niedersachsen.