1. Region

Priester, Helfer und Genießer:

Kirche : Vom Küfer zum Bischof: „Franjo“ Gebert wird 70

Priester, Helfer und Genießer: Von seinem heutigen Geburtstag macht der Trierer Weihbischof nicht viel Aufhebens.

„Ein Fest?“ Franz Josef Gebert schüttelt den Kopf. „Am Donnerstag ist nichts Besonderes geplant. Da bin ich ganz normal zu Hause.“ Eine Aussage, die zu Gebert passt. Um seine Person hat der Trierer Weihbischof noch nie großes Aufhebens gemacht. Warum sollte er daran an seinem 70. Geburtstag etwas ändern?

Seit knapp anderthalb Jahren ist Franz Josef Gebert jetzt in neuem Amt und Würden. Er folgte auf Weihbischof Helmut Dieser (55), der Bischof von Aachen wurde.

Mit seinen damals 68 Jahren war Gebert, ein gebürtiger Schweicher, unter den aktiven Trierer Bischöfen ein Späteberufener, ist mit seinen bald 70 Jahren der mit Abstand Älteste im Quartett. Bischof Stephan Ackermann wird in einem Monat 56, Weihbischof Robert Brahm ist 62 und sein Kollege Jörg Michael Peters 58.

„Ich dachte, dass ich langsam aus dem Alter raus bin, wo es einen treffen kann“, kommentiert Gebert denn auch im Sommer vor zwei Jahren seine späte Beförderung, die er wohl Stephan Ackermann zu verdanken hat. Die beiden katholischen Priester kennen sich schon seit über drei Jahrzehnten; zu dieser Zeit war Gebert Kaplan des damaligen Trierer Bischofs Hermann Josef Spital.

Ackermanns Wahl dürfte mit der Synode und den jetzt bevorstehenden radikalen Veränderungen im Bistum Trier zu tun gehabt haben. Statt der bislang 887 Pfarreien wird es in Deutschlands ältester Diözese künftig nur noch 35 XXL-Pfarreien geben. Franz Josef Gebert hat sich an den Diskussionen und Beratungen der Synode aktiv beteiligt, „die Ergebnisse bringen uns weiter“, hat er immer  deutlich gemacht, dass er hinter den Beschlüssen steht, die längst nicht bei allen Gläubigen auf Begeisterung stoßen.

   Franz Josef Gebert als Junge mit seiner zwei Jahre jüngeren Schwester Monika.
Franz Josef Gebert als Junge mit seiner zwei Jahre jüngeren Schwester Monika. Foto: Franz-Josef Gebert/Privat

Eine Situation, mit der der für die Region Trier zuständige Weihbischof nach eigenen Angaben gut umgehen kann. „Ich habe eine positive Grundeinstellung“, sagt Gebert, „und gehe die Dinge eher nüchtern an.“ Dass es Widerstände gebe, wenn sich etwas verändere, ist für den Weihbischof nicht verwunderlich: „Es wäre komisch, wenn es anders wäre.“

Mit den Kritikern ins Gespräch zu kommen, für den neuen Zuschnitt der Pfarreien sowie die neue Aufgabenverteilung im Bistum zu werben und zugleich den Kontakt zwischen den Gläubigen an der Basis und der Zentrale in Trier zu beflügeln, das war und das bleibt eine wichtige Aufgabe von Franz Josef Gebert.

 Franz Josef Gebert als Schüler.
Franz Josef Gebert als Schüler. Foto: Franz-Josef Gebert/Privat

Da dürfte es nicht von Nachteil sein, dass Gebert Standesdünkel fremd sind, auch wenn er in den zurückliegenden Monaten natürlich wahrgenommen hat, dass einem Weihbischof schon eine etwas andere Aufmerksamkeit entgegengebracht wird. Franz Josef Gebert kommt aus einer Schweicher Winzerfamilie, machte zunächst eine Lehre als Weinhandelsküfer, bevor er unter anderem in Italien Theologie studierte und im Oktober 1977 zum Priester geweiht wurde. Später war Gebert unter anderem stellvertretender Leiter des Trierer Priesterseminars und Chef einer Hauptabteilung im Trierer Generalvikariat. Seit fast 19 Jahren ist Franz Josef Gebert auch Vorsitzender des Diözesan-Caritasverbands Trier; ein Amt, das er auch als Weihbischof nicht aufgegeben hat.

So kommt es, dass Gebert womöglich der einzige Kirchenobere im Bistum Trier ist, der zwei Büros hat – eins beim Caritasverband und eines im Gebäude der Weihbischöfe. Das mag es ihm erleichtern, sich in der jeweiligen Rolle besser zurechtzufinden. In der einen Rolle ist er mehr Seelsorger, in der anderen mehr die helfende Hand. Beide Seiten enger miteinander zu verbinden, „auf neue Weise zusammenzubekommen“, wie es Gebert formuliert, ist sein großes Ziel für die verbleibenden fünf Jahre als Weihbischof, die Gebert unter die Überschrift „diakonische Kirchenentwicklung“ stellt.

Unter seinen Priesterkollegen gilt Gebert als aufgeschlossen, was man längst nicht von jedem sagen kann, der hinter den Bistumsmauern wohnt. So ist der dienstjüngste Trierer Weihbischof  einer der wenigen Geistlichen, der selbst in den sozialen Netzwerken aktiv ist. „Hat bei römisch-katholischer Kirche gearbeitet“, steht auf Geberts Facebookseite, die er fast täglich bedient. Privates gibt Franz Josef Gebert dort allerdings nicht preis.

Seine Offenheit gegenüber neuen Entwicklungen mag mit ein Grund dafür sein, dass sich Gebert selbst als eher liberal einschätzt. „Ich bin nicht ideologisch festgelegt“, sagt der Weihbischof, der andererseits aber auch die „Tradition der Kirche“ betont. Bei einem innerkirchlichen Konfliktthema wie dem Zölibat ist Franz Josef Gebert auf einer Linie mit dem Mainzer Bischof Peter Kohlgraf, der mittelfristig eine Abkehr vom Pflichtzölibat für denkbar hält. „Ich kann mir vorstellen, dass es Veränderungen gibt“, sagt Gebert, „aber nur im Konsens, sonst gibt es einen Bruch.“ Der Trierer Bischof Stephan Ackermann hatte dagegen unlängst noch einmal betont, dass er am Zölibat festhalten wolle.

Zu Geberts Statement passt, dass er sich selbst als „offen, angstfrei und entscheidungsfreudig“ beschreibt. Freunde nennen Geberts Gelassenheit als einen seiner hervorstechenden Charakterzüge. „Franjo ist ein fein- und kunstsinniger Mensch, der hervorragend kocht und gerne gut isst“, sagt ein mit dem Weihbischof befreundeter Kollege.

Einen Teller Pasta  und ein Gläschen italienischen Rotwein dürfte sich Franz Josef Gebert an seinem Geburtstag somit wohl gönnen. Und zumindest ein wenig gefeiert wird dann doch noch. Am Freitag gibt es für den Jubilar einen kleinen Empfang beim Caritasverband.