Private Equtiy, Heuschrecken kaufen Krankenhäuser und Pflegeheime

Private Equity : „Heuschrecken“ kaufen Kliniken und Pflegeheime

Das Gesundheitswesen ist für private Investoren interessant geworden. Beteiligungsgesellschaften kaufen Krankenhäuser und Pflegeheime.

Seit 2004 dürfen Ärzte und Kliniken sogenannte Medizinische Versorgungszentren (MVZ) gründen. In diesen Zentren dürfen mehrere Ärzte verschiedener Fachrichtungen als Angestellte arbeiten. Da die Betreiber dieser mit den Polykliniken der DDR vergleichbaren Einrichtungen eben nur Mediziner oder Krankenhäuser sein dürfen, scheiden Finanzinvestoren als Inhaber solcher MVZ aus.

Eigentlich. Laut Kassenzahnärztlicher Bundesvereinigung (KVBV) kaufen internationale Investoren zunehmend finanziell angeschlagene Kliniken auf. Im Namen dieser Krankenhäuser werden dann etwa in anderen Bundesländern Zahnarzt-MVZ gegründet, die Zahnarzt-Praxen aufkaufen. Sie bilden mehrere Filialen.

So geschehen vor einiger Zeit in Hessen. Ein Investor kaufte eine marode Rheuma-Klinik und gründete ein MVZ. Und zwar in Hamburg. Dort wurde ein Medizinisches Versorgungszentrum für Zahnmedizin gegründet.

Ein Beispiel dafür, wie sich solche Beteiligungsgesellschaften, die der einstige SPD-Chef Franz Müntefering auch als Heuschrecken bezeichnete, Schlupflöcher in der Gesundheitsgesetzgebung zu Nutze machten. Und das nicht nur bei Zahnarztpraxen.

Der Präsident der Landesärztekammer, Günther Matheis, sieht in diesen sogenannten Private-Equity-Gesellschaften eine Gefahr für das Gesundheitswesen.

Da es den Gesellschaften bei der Übernahme von Praxen oder Kliniken nicht in erster Linie um die gesundheitliche Versorgung und die Patienten gehe, sondern um Profit und Rendite.

Eine Erkenntnis, die es auch bei der Apotheker- und Ärztebank gibt. Der globale Gesundheitsmarkt biete „attaktive Renditen“, sagte Holger Wessling, Vorstandsmitglied der Bank, kürzlich als er Pläne vorstellte für eine eigene Private-Equity-Gesellschaft, die sich etwa an Herstellern für Gesundheitsprodukte beteiligen soll.

Kritiker warnen vor einer zunehmenden Privatisierung und Ökonomisierung des Gesundheitssystems. Laut einer Analyse des Instituts für Arbeit und Technik (IAT) ist der Gesundheitsmarkt für kapitalstarke, private Investoren eine lohnende Angelegenheit. Seit 2013 habe es 130 Übernahmen von Unternehmen im Gesundheitswesen gegeben. Ein Schwerpunkt der Investoren läge bei Pflegeheimen und Pflegediensten. Eine Tatsache, die einzelne Krankenhausträger auch in Rheinland-Pfalz beobachten. Private Investoren suchten gezielt nach Seniorenresidenzen.

Die rheinland-pfälzische Gesundheitsministerin Sabine Bätzing-Lichtenthäler (SPD) sieht derzeit nur „sehr moderate Tendenzen“, dass Private-Equity-Gesellschaften Gesundheitseinrichtungen gründeten oder übernähmen. In Rheinland-Pfalz seien die über 100 MVZ überwiegend in Trägerschaft von niedergelassenen Ärzten, Krankenhäusern oder Gesellschaften, die im Bereich der medizinischen Versorgung tätig seien, wie etwa Ärztegenossenschaften, sagte die Ministerin kürzlich im Gesundheitsausschuss des Landtags. Sie hält MVZ für eine „gute Versorgungsmöglichkeit“, da sie häufig in ländlichen Gebieten zunehmend die medizinische Betreuung der Bevölkerung sicherstellten. Daher sei sie dafür, dass es Kliniken auch weiterhin ermöglicht werden sollte, solche Zentren zu gründen.

Anfang des Jahres hat es im Land 121 MVZ gegeben, vor zehn Jahren waren es noch 48. Das zeigt sich auch an der zunehmenden Zahl der angestellten Ärzte. Laut Kassenärztlicher Vereinigung ist gut die Hälfte der niedergelassenen Ärzte mittlerweile angestellt.

Verständlich, dass sich Private-Equity-Gesellschaften selbst nicht als Heuschrecken bezeichnen. Der private Betreiber von Reha-Kliniken, die Berliner Median, zu der 120 Einrichtungen gehören, unter anderem die Reha-Klinik in Bernkastel-Kues, gehört seit 2014 der Beteiligungsgesellschaft Waterland.

Es existierten keine Zahlen darüber, dass eine Private-Equity-Gesellschaft mehr Rendite anstrebe als Privateigentümer oder Aktiengesellschaften, sagt eine Median-Sprecherin unserer Zeitung. 2014 habe das Unternehmen die finanziell angeschlagene Reha-Klinik in Bernkastel-Kues übernommen. Mittlerweile sei die Klinik saniert, man habe die Qualität mindestens gehalten, in einigen Bereichen auch gesteigert, heißt es.

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