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12.000 disziplinierte Hennen auf dem Hühnerhof Schneifel in Ormont

Der Film „Chicken Run“ übertreibt nicht: Hennen können rennen. Wobei in der Schneifel – anders als im Film – kaum Grund zur Flucht besteht. TV-Foto: Frank Auffenberg
Der Film „Chicken Run“ übertreibt nicht: Hennen können rennen. Wobei in der Schneifel – anders als im Film – kaum Grund zur Flucht besteht. TV-Foto: Frank Auffenberg FOTO: Frank Auffenberg (aff) ("TV-Upload Auffenberg"
Ormont. In Ormont werden seit März täglich 11 000 Bioeier gelegt. Teils mit erstaunlicher Disziplin, die selbst die Landwirte überrascht. Frank Auffenberg

Ein Knopfdruck, ein leises Summen und schon öffnet sich der Wintergarten. Kaum hat sich der Vorhang nur einen Spaltbreit gehoben, stecken schon die ersten Hennen ihre Köpfe nach draußen. Ein Blick in den Himmel, sieht trocken aus. Kein Fuchs oder Feind ist zu sehen, dann kann es ja mit einem beherzten Hüpfer rausgehen.

Mit lautem Gegacker rasen die Hühner auf das Außengelände des Hühnerhofs Schneifel. "Sie sind schneller, als man denkt, oder? Es ist Zeit für sie - man merkt das. Wenn es nicht gerade in Strömen regnet, laufen die meisten ziemlich fix nach draußen und beginnen gleich zu scharren", sagt Oliver Grommes. Gemeinsam mit seinem Partner Klaus Hansen betreibt er seit März im Ormonter Grenzland zu Nordrhein-Westfalen den Hühnerhof Schneifel (der TV berichtete). Höchste Zeit, um sich umzuschauen, und die Hofbetreiber führen gern Besucher über ihre Anlage.

Seitdem im März 12 000 Legehennen hier Quartier bezogen haben, ist der Bio-Hof der größte seiner Art in Rheinland-Pfalz. "Bewusst wurde uns das erst während der Planung, es hat sich einfach so ergeben", sagt Hansen. Der Titel ist übrigens nicht zu 100 Prozent korrekt: Die Hennen rennen und legen ihre Eier im Stallgebäude ganz genau genommen auf nordrhein-westfälischem Grund. Der Betrieb ansich liegt wiederum zweifellos in Rheinland-Pfalz.
Doch zurück zum Eierlegen. "Im März zogen die Damen ein, ab dem ersten Tag begann dann schon die Produktion", sagt Grommes. Herzstück des Hofs ist die Steuereinheit. "Von hier aus wird der gesamte Stall geregelt: angefangen von der Zeitschaltung für die Öffnung der Außenanlage bis hin zum wiegen der Hühner", sagt Hansen. Der Stall selber wiederum sei in vier Einheiten mit je 3000 Hennen eingeteilt.

"Dort stehen ihnen mehrere Bereiche zur Verfügung. Der eigentliche Volierenstall mit drei Ebenen, der sogenannte Wintergarten mit Strohboden und das etwa fünf Hektar große Außengelände." Sehr viel Raum, mehr als die strengen EU-Verordnungen für Bio-Eier verlangen. Wird da das morgendliche Sammeln nicht schwierig?

Grommes lacht und sagt: "Nein, da sind die Hennen meist nett zu uns und sehr diszipliniert. Fast alle bevorzugen zum Eierlegen die Nester, nur ein Prozent der Eier liegt irgendwo rum", sagt Grommes. Zu romantisch darf man sich "die Nester" übrigens nicht vorstellen: Das Huhn von Welt legt sein Ei heutzutage ohne Murren gern in eine nüchtern wirkende Metallbox, unter der eine Art Fließband verläuft, das die Eier quer durch den Stall automatisch in den Packraum bringt. "Für uns selber war es kurios, aber die Hühner legen mittlerweile die Eier sogar von selbst in die richtige Richtung", sagt Grommes.

Auch der Kot der Vögel wird vollautomatisch aus der Voliere transportiert. "Hinter dem eigentlichen Stall mussten wir ein eigenes Lager bauen - trocken und so geruchsneutral wie möglich. Dort wird der getrocknete Kot aufgehoben, um ihn später auf unseren Feldern als Dünger einzusetzen", sagt Hansen. Knapp 40 Prozent des nötigen Biofutters könne so selber angebaut und damit der Produktionskreislauf geschlossen werden.

Etwa 11 000 Eier würden am Tag gelegt, eingesammelt und abgepackt. Ganz ohne Eigenarbeit geht das nicht. "Die Maschine legt die Eier zwar in die Kartons, aussortiert werden beschädigte oder zu große Eier aber per Hand." Vermarktet werden die Eier nicht selber, abgesehen vom samstäglichen Hofverkauf. Den Vertrieb übernimmt der Regionalmarke-EIFEL-Produzent Guido Andres aus Mendig. "Zweimal die Woche werden die Eier abgeholt und von Mendig aus unter dem Namen Eifel-Ei in gelben Kartons vermarktet", sagt er.

Etwas mehr als ein halbes Jahr nach dem Erstbezug des Stalls ziehen die beiden Landwirte eine positive Bilanz. Grommes bereut nicht, für den Hühnerstall seine Milchviehhaltung an den Nagel gehängt zu haben: "Es war ein Abenteuer, auf Hühner zu wechseln, es hat sich aber definitiv gelohnt."
Weitere Informationen www.hühnerhof-schneifel.de