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Aus der Badezauber: Kronenburger See wird mitten in den Ferien trockengelegt

Stadtkyll/Kronenburg. Das Freibad in Stadtkyll ist abgerissen, das Gelände längst zugeschüttet und überwachsen - und nun geht den Badefreunden auch noch der benachbarte Kronenburger See flöten, zumindest für diese Saison: Anfang August wird der Stopfen gezogen, weil die Staumauer eine neue Asphaltschicht braucht. Fritz-Peter Linden

Stadtkyll/Kronenburg. Der Sommer hat immer noch nicht richtig angefangen. Aber selbst wenn es sich das Wetter noch einmal überlegt: Im Kronenburger See, dem einzigen Badegewässer nach der Schließung und Erdboden-Gleichmachung des Stadtkyller Freibads (der TV berichtete), wird dann auch niemand mehr eintauchen können.

Denn am Mittwoch, 11. August, während der großen Ferien von Rheinland-Pfalz, Nordrhein-Westfalen und der Niederlande, zieht man ihm den Stöpsel. Die Staumauer muss saniert werden. Außerdem wird die Vorsperre des Sees - der kleinere Abschnitt am anderen, Hallschlager Ende - ausgebaggert und entschlammt.

Und das alles mitten im Sommer. Dass man bei den zwei großen Ferienparks im Oberen Kylltal nicht begeistert ist, versteht sich von selbst: Tim Fuchs, Chef des Landal Green Parks im Stadtkyller Wirfttal, ist gegenüber den Touristikern und Kommunalpolitikern ziemlich deutlich geworden. Er habe den Verantwortlichen dieser Tage bereits gesagt, "dass ich das unglaublich finde". Wenn man keine Gäste wolle, müsse man nur so weitermachen. "Das wäre auch im Mai gegangen", findet er und kritisiert "null Orienterung auf die Gäste".Noch keine Stornierungen


Im Kronenburger Ferienpark blicken diese von ihren Ferienhäusern aus direkt aufs Wasser. Sofern Wasser drin ist im See: "Froh ist anders", sagt Parkchefin Daniela Brenner-Demoulin auf die Frage, wie sie mit der Nachricht umgeht. Der Park hat die Besucher bereits angeschrieben, die von Mitte August an in Kronenburg sein wollten. Und jetzt klingele dauernd das Telefon. Stornierungen seien zwar noch keine eingegangen. "Aber die werden kommen." Denn wer Ferien am See buche, der erwarte auch einen See - "und dann möchte ich auch schwimmen".

Hauptverantwortlich für das Gewässer, das vor gut 40 Jahren zum Schutz vor Überschwemmungen der Kyll angelegt wurde, ist der Zweckverband Kronenburger See, in dem sich, wie beim Verkehrsverein Oberes Kylltal, Vertreter der Verbandsgemeinde Obere Kyll und der nordrhein-westfälischen Nachbargemeinde Dahlem befinden. Vorsitzender ist der Dahlemer Bürgermeister Jan Lembach. Der erklärt, warum das jetzt - und zu genau diesem Termin eben sein müsse: Unter anderem, weil man noch mehr Zeit brauche als geplant. Denn die Bezirksregierung Köln habe vorgeschrieben, dass man an der unteren Kante der Staumauer während der Arbeiten zusätzlich noch eine Rinne anlegen müsse, die alles auffangen soll, was von oben herabkommt, "damit nur ja nichts in den See rieselt". Das Bauwerk sei eben vorrangig zum Hochwasserschutz angelegt worden. Der Freizeitwert sei gut, richtig und schön - habe aber eben nicht die erste Priorität. Es sei auch nicht so, "dass wir würfeln, wann wir das Wasser ablassen wollen", sagt Lembach. Es gebe tatsächlich europaweit nur zwei Firmen, "die das können", was in Kronenburg zu machen sei. "Die haben einen Zeitplan, der quasi auf die Sekunde geht."

Also im August. Aber wäre es denn nicht ein paar Sekunden, oder Wochen, später auch noch gegangen? Nein, sagt Lembach. Denn dann wäre man zu weit in den Herbst geraten - dann sei es aber morgens zu feucht. Und zum Auftragen der neuen Asphaltschicht brauche man Trockenheit. Danach aber, sagt Lembach, werde man wieder für 40 Jahre Ruhe haben.Schlamm dient Rekultivierung


Und immerhin hat seine Kollegin Diane Schmitz im Jünkerather VG-Rathaus noch eine halbwegs gute Nachricht: Der Schlamm, der aus dem Vorstau gebaggert wird, 25 000 Kubikmeter, muss nicht für eine weitere Millionensumme entsorgt werden: Die Bürgermeisterin handelte aus, dass die Masse in Jünkerath abgeladen wird - auf einer alten Deponie der ergocast-Gießerei. Dort wird der Seeschlamm dann zur Rekultivierung der Flächen dienen. Bezahlt werden muss nur der Transport. Immerhin auch noch gut 110 000 Euro. Davon aber übernimmt die Struktur- und Genehmigungsdirektion des Landes rund 75 000 Euro.Extra

Die Arbeiten im Kronenburger See sollen bis November dauern. Die Staumauer muss eine neue Asphaltschicht erhalten, damit kein Wasser mehr dort eindringen kann. Kosten: an die zwei Millionen Euro, drei Viertel für die Sanierung, der Rest sind Planungskosten. Festgestellt wurden die Schäden vor drei Jahren, als man dazu ebenfalls, allerdings nur für ein paar Tage, das Wasser ablaufen ließ. Immerhin werden die Arbeiten insgesamt günstiger als damals vermutet, als man noch von mehr als drei Millionen Euro ausging. Denn die Staumauer stellte sich im Kern als genügend stabil heraus. Deshalb wird nur die oberste Schicht abgefräst und erneuert. fpl