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"Aus Leidenschaft für die Literatur"

Prüm. Die Autoren und Hallen sind gebucht, die Vorbereitungen für das im April startende elfte Eifel-Literatur-Festival laufen. Zeit zum Ausruhen hat Organisator Josef Zierden aber nicht. Ihn halten die Planungen weiter auf Trab. Frank Auffenberg

Prüm. Zielsicher greift Josef Zierden in seine Aktentasche. Papier raschelt. "Mein Terminplaner? Ohne eine genau ausgearbeitete Liste würde ich nicht zurechtkommen."
Mit einem Handgriff zieht der Veranstalter des Eifel-Literatur-Festivals drei aneinandergeklebte Din A4-Blätter aus seinen Unterlagen heraus. Sofort entfalten sie sich und zeigen eine dicht beschriebene Tabelle - ein bis ins kleinste Detail ausgearbeiteter Ablaufplan der Festivalorganisation. Jedes einzelne Pressegespräch, alle Stichtage für den Versand des Newsletters an die Festivalbesucher, aber auch Termine für Klassenarbeiten des hauptberuflichen Lehrers finden sich auf dem Plan wieder. "Alles ist generalstabsmäßig durchgeplant. Während und vor dem Festival habe ich einen 25-Stunden-Tag, in dem mein berufliches Leben als Lehrer und meine ehrenamtliche Arbeit als Festivalorganisator sowie der Familienmensch unterkommen müssen." Vor zwanzig Jahren hat er in Prüm das erste Eifel-Literatur-Festival - damals noch gemeinsam mit dem Geschichtsverein "Prümer Land" - aus der Taufe gehoben. "Eigentlich war es eine Veranstaltung, auf der wir mein Buch ‚Die Eifel in der Literatur\' vorstellen wollten. Dass es einmal so groß werden würde, konnte sich niemand vorstellen."Viel Zeit fürs Organisatorische


Schon die Idee, den Fürstensaal des Regino-Gymnasiums mit 100 Gästen füllen zu können, sei damals irre erschienen: "Heute begrüßen wir mehr als tausend Besucher auf einer Veranstaltung." Ohne dass die Organisation wie ein Uhrwerk ineinandergreife, sei so etwas nicht zu meistern, sagt er. Ob man damals den richtigen Riecher gehabt habe und den Trend der Zeit erkannt habe? "Nein, aus Leidenschaft für die Literatur und für die Eifel wurde das Festival gegründet. Dass es mittlerweile viele ähnliche Veranstaltungen gibt und es normal geworden ist, Literatur auf Lesungen zu genießen, konnte niemand vorhersagen."
Noch heute treibe ihn und das Team die Begeisterung fürs Lesen an. "Meine Frau und ich stecken Tausende Stunden in die Organisation - wohlgemerkt ehrenamtlich." Hauptberuflich ist er immer noch Studiendirektor für Deutsch und Geschichte am St.-Matthias-Gymnasium in Gerolstein. Dies sei auch ein Grund dafür, dass das Festival mit neun im Vergleich zu 27 im Jahr 2012 wieder kleiner geworden ist (der TV berichtete). Das Rühren der Werbetrommel fordere alle Aufmerksamkeit: "Es reicht nicht aus Autoren mit großem Namen und Hallen zu buchen, um Lesungen voll zu bekommen."
Karten gibt es im TV-Service-Center in Trier, unter der TV-Tickethotline 0651/7199-996 sowie unter www.volksfreund.de/ticketsExtra

Das Eifel-Literatur-Festival wurde 1994 in Prüm gegründet. Alle zwei Jahre stellen Autoren bei Lesungen ihre neuesten Werke vor. Zunächst traten Schriftsteller aus der Region auf, im Laufe der Jahre konnten immer mehr prominente Literaturschaffende für das Festival begeistert werden. Mit Imre Kertész, Günter Grass und Herta Müller traten bereits drei Literaturnobelpreisträger auf. Alles wird von Josef Zierden ehrenamtlich organisiert. Im Dezember erhielten er und seine Frau Birgit den rheinland-pfälzischen Landesverdienstorden. eifel-literatur-festival.de